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Ein Hormon gibt Auskunft über die Gesundheit im Alter

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Von: Pamela Dörhöfer

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Eine niedrige Konzentration von INSL3 bereits in jungen Jahren macht Männer anfälliger für Krankheiten

Warum bleiben manche Menschen bis ins hohe Alter gesund, warum entwickeln andere früh chronische Krankheiten? Das sind Fragen, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Jahrzehnten beschäftigen und auf die es bis heute nur bruchstückhafte Antworten gibt. Gewiss, der persönliche Lebensstil spielt eine wichtige Rolle – und ist doch nicht der einzige Faktor. Forschende suchen deshalb für die verschiedensten Erkrankungen nach Biomarkern im Blut oder genetischen Merkmalen, die Aufschluss über die Anfälligkeit eines Menschen geben, was dann wiederum Ansatzpunkte liefern könnte, um gezielt vorzubeugen oder, basierend darauf, eine Therapie zu entwickeln.

Einen solchen Biomarker für das Auftreten altersbedingter Erkrankungen bei Männern hat ein Team der University of Nottingham (Großbritannien) jetzt gefunden: Es handelt sich um das noch nicht gut erforschte Hormon INSL3, ein insulinähnliches Peptidhormon, das bei Männern in den Hoden und bei Frauen in den Eierstöcken produziert wird. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergangene Woche im Fachmagazin „Endocrinology“ veröffentlicht.

Gleichbleibende Spiegel

INSL3 wird von den gleichen Zellen in den Hoden hergestellt, die auch das männliche Sexualhormon Testosteron produzieren. Während dessen Menge jedoch während des gesamten Lebens eines Mannes schwankt, bleibt das Niveau von INSL3 ab der Pubertät weitgehend konstant und nimmt bis ins hohe Alter nur geringfügig ab – laut den Forschenden sind das Voraussetzungen, um als zuverlässiger früher Biomarker zu taugen. Als Basis für ihre Studie nutzten sie die Blutproben von 3000 Männern aus verschiedenen europäischen Ländern. Dabei stellten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fest, dass es in der männlichen Bevölkerung bereits in jungen Alter und bei allgemein gutem Gesundheitszustand eine große Bandbreite bei der Menge von INSL3 gibt; einige Männer hatten eine fast um das Zehnfache höhere Konzentration im Blut als andere.

Weiter fanden die Forschenden heraus, dass der INSL3-Spiegel mit einer Reihe altersbedingter Krankheiten korreliert. Dazu gehören unter anderem Herz-Kreislauf-Leiden, Diabetes, Osteoporose und sexuelle Dysfunktion. „Die Entdeckung der konsistenten Natur dieses Hormons ist sehr wichtig“, heißt es in einer Mitteilung der University of Nottingham: Denn es bedeute, dass ein Mann mit hohem INSL3-Wert in jungen Jahren immer noch einen ähnlichen Wert im Alter aufweise. Umgekehrt bleibe ein niedriger Spiegel in der Jugend Zeit Lebens niedrig – was es wahrscheinlicher mache, „typische altersbedingte Krankheiten zu bekommen“. Die Entdeckung dieser Zusammenhänge, heißt es in der Mitteilung, eröffne „spannende Möglichkeiten, altersbedingte Krankheiten vorherzusagen und Wege zu finden, den Ausbruch dieser Krankheiten durch frühzeitiges Eingreifen zu verhindern“.

Die Endokrinologin Ravinder Anand-Ivell, eine der Studienleiterinnen, erklärt: „Der Heilige Gral der Altersforschung besteht darin, die Fitnesslücke zu verringern, die mit zunehmendem Alter auftritt. Zu verstehen, warum manche Menschen dann häufiger Beeinträchtigungen und Krankheiten bekommen, ist von entscheidender Bedeutung, um Maßnahmen zu entwickeln, damit Menschen nicht nur ein langes, sondern auch ein gesunde Leben führen können, wenn sie älter werden.“ Die Erkenntnisse zu INSL3 würden den Weg ebnen, um nicht nur dem einzelnen Patienten zu helfen, „sondern um die Versorgungskrise zu lindern, mit der wir als Gesellschaft konfrontiert sind“.

In einem nächsten Schritt wollen die Forschenden herausfinden, welche Faktoren den INSL3-Spiegel beeinflussen, wie Richard Ivell, ein weiterer Studienleiter sagt: Es gebe Hinweise, dass die Ernährung in der Kindheit eine Rolle spiele. Der Forscher vermutet aber auch, dass die Genetik und Umwelteinflüsse beteiligt sind.

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