Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Idylle, die die Uni auch mit ihrer schmucken Zentralbibliothek ausstrahlt, trügt.
+
Die Idylle, die die Uni auch mit ihrer schmucken Zentralbibliothek ausstrahlt, trügt.

Uni vs. Bischof

Eichstätter Chaostage

Seit Wochen tobt ein Kampf um Macht und Mitsprache zwischen Unileitung und Bischof an einer bayerischen Hochschule.

Von IRIS HILBERTH

Als beschaulich werden solche Orte meist bezeichnet. Weit ab von den Hauptverkehrsadern, ruhig gelegen im schönen Altmühltal. Hier, in diesem charmanten barocken, noch zu Oberbayern zählenden Städtchen Eichstätt, steht seit bald 30 Jahren Deutschlands einzige katholische Universität (KU). Von richtiger Campusatmosphäre schwärmen diejenigen, die hier studieren. Mit 4500 Studierenden und 120 Professoren alles andere eben als eine Massenuniversität. Dafür mit dem Ruf des Provinziellen behaftet. Die Idylle trügt. Seit Wochen tobt an dieser kleinen bayerischen Hochschule ein Machtkampf zwischen dem Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke, der zugleich Großkanzler der Hochschule ist, und Teilen der Universität.

Kontrolle der Geschäftsführung

Inzwischen ist der Senatsvorsitzende, Maximilian Fuchs, zurückgetreten. Der Vorsitzende der Hochschulleitung, Stefan Schieren, legt sein Amt zum 30. Juni nieder. Der Bischof beurlaubte am Montag Kanzler Gottfried Freiherr von der Heydte und beauftragte die beiden externen Gelehrten Rudolf Fisch und Gert Melville kommissarisch mit der Leitung der Hochschule. Eine Prüfungsgesellschaft soll zudem die bisherige KU-Geschäfts- und Kassenführung "auf ihre Ordnungsgemäßheit analysieren". Es geht in Eichstätt nicht nur um Personalfragen, es geht um Qualitätsansprüche und vor allem um den Einfluss der katholischen Kirche.

Die Querelen im schönen Altmühltal begannen, als der Bischof es Anfang Mai ablehnte, den Theologen und früheren Unternehmensberater Ulrich Hemel als neuen Unipräsidenten zu bestätigen. Hemel war zuvor vom Hochschulrat mit zwölf zu vier Stimmen gewählt worden. Die Empörung war groß. Die Spekulationen über die Gründe des Bischofs für sein Nein reichten von der Tatsache, dass der Wunschkandidat des Hochschulrats in dritter Ehe verheiratet ist, bis zur Feststellung, Hemel sei ein Papstkritiker.

Nun hatte die Unileitung die Mitsprache des Bischofs bei der Wahl des Präsidenten über eine neue Grundordnung kräftig eingeschränkt und ebenfalls ohne Hankes Zustimmung dem Kanzler einen unbefristeten Vertrag ermöglicht. So tat der Bischof, was ihm mit der neuen Grundordnung gestattet war: Er lehnte den nach einem aus seiner Sicht undurchsichtigen Auswahlverfahren einzigen Kandidaten ab. Die Forderung der Universität, einen zweiten stellvertretenden Präsidenten einzusetzen, fand beim Bischof ebenfalls keine Zustimmung.

In einem Brief begründete dieser jetzt öffentlich seine Entscheidung: "Die entsprechenden Personalunterlagen kamen viel zu spät und noch dazu unvollständig auf meinen Schreibtisch und überzeugten mich nicht."

Die Antwort des Senats ließ nicht lange auf sich warten. In einer Stellungnahme an Hanke und an den Vorsitzenden der Freisinger Bischofskonferenz, Münchens Erzbischof Reinhard Marx, wies er den Vorwurf scharf zurück und betonte, das Auswahlverfahren mit "großer Sorgfalt" betrieben zu haben. Hochschulrat wie Senat seien "schwer brüskiert". Vor allem mahnt der Senat, "die Autonomie der Universität uneingeschränkt" zu wahren. "Eingriffe ... würden den Universitätscharakter und ihren Ruf in der scientific community schwer beschädigen." Der katholischen Kirche könne eine katholische Universität nur nützen, wenn sie durch Forschungsqualität sowie durch eine lebendige geistige Auseinandersetzung und eine wirksame Lehre überzeuge. Genau das aber will auch der Bischof, der aus diesem Grund auf einem größeren Einfluss in Eichstätt besteht.

Auch Hanke will die Uni "zu einer exzellenten akademischen Einrichtung in der deutschen Hochschullandschaft" machen. Bislang ist die KU davon weit entfernt. Eine Kommission, die im Auftrag des Bayerischen Wissenschaftsministeriums vor drei Jahren den Hochschulstandort Bayern beurteilte, befand: Eichstätt falle es schwer, sich unter den übrigen Universitäten zu behaupten. Allerdings ließ der Haushalt der Hochschule, die zu 85 Prozent vom Freistaat und zu 15 Prozent von den sieben bayerischen Diözesen finanziert wird, auch keine großen Möglichkeiten, den Ruf des Provinziellen abzuschütteln. So konnten weder angesehene Wissenschaftler angelockt noch nennenswerte Projekte in Forschung und Lehre finanziert werden.

Die Kirche scheint durchaus bereit zu sein, mehr Geld locker zu machen. Von einer Trägerschaft aller deutschen Bischöfe ist die Rede - sofern die Hochschule als katholische Universität an Profil gewinnt. Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) hält sich derweil aus dem Streit in Eichstätt heraus. "Ich mische mich nicht ein", sagt Goppel. Es ist Wahlkampf in Bayern. Eine Auseinandersetzung mit der Kirche ist da nicht ratsam.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare