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E-Zigarette, eine harmlose Alternative zum Glimmstengel? Mediziner bezweifeln das.

Nikotin

E-Zigaretten: Mediziner fordern mehr Regulierung und höhere Steuern

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Wie gefährlich sind E-Zigaretten wirklich? Die Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle kann die Langzeitfolgen noch nicht absehen.

Wie gefährlich sind E-Zigaretten wirklich? Mit einer Antwort tut sich die Wissenschaft derzeit noch schwer – es fehlen schlicht die Langzeiterfahrungen, denn die elektronische Alternative zum herkömmlichen Glimmstängel ist erst seit etwa zehn Jahren auf dem Markt. Mediziner gehen im Allgemeinen davon aus, dass die E-Zigarette zwar nicht so schädlich wie die Tabakzigarette, jedoch keineswegs ein harmloses Lifestyle-Produkt ist. Und diese Einschätzung hat nicht in erster Linie etwas mit den Todesfällen nach dem Konsum von E-Zigaretten in den USA zu tun. Die bei den Opfern festgestellte schwere Lungenerkrankung führen Experten auf Zusätze zurück, die in Europa nicht erlaubt sind; im Fokus steht dabei vor allem ein aus dem Vitamin E gewonnenes Öl.

Auch ohne solche gefährlichen Wirkstoffe bleibt die E-Zigarette ein Genussmittel, das der Gesundheit auf keinen Fall guttut. Bei der Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle am 4. und 5. Dezember im Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg (DKFZ) haben sich Experten deshalb für eine bessere Regulierung von E-Zigaretten und Tabakerhitzern (sie sind seit 2017 in Deutschland erhältlich) ausgesprochen.

E-Zigaretten: Wissenschaftler fordern Werbeverbot und höhere Steuern

Die Wissenschaftler fordern unter anderem ein Werbeverbot, höhere Steuern auf die Produkte, auch sollen E-Zigaretten ebenso wie normale Zigaretten nicht in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden geraucht werden dürfen. Bislang ist das nicht grundsätzlich verboten, es kann aber über das jeweilige Hausrecht geschehen. E-Zigaretten fallen nicht unter die Nichtraucherschutzgesetze, erklärt Katrin Schaller von der Stabsstelle Krebsprävention am DKFZ und dem Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bei Tabakerhitzern ist die Situation etwas anders. Diese Geräte produzieren ein Aerosol, indem Tabak elektronisch auf eine Temperatur von rund 350 Grad Celsius gebracht wird. Die Hersteller bewerben das als weniger gesundheitsschädlich als herkömmliche Zigaretten, zudem geben Tabakerhitzer keinen Rauch an die Umgebung ab. In Deutschland werden sie wie Pfeifentabak reguliert und damit geringer besteuert als Zigaretten.

Zehn Prozent der Erwachsenen haben schon einmal E-Zigaretten konsumiert

Während die Tabakerhitzer noch neu auf dem Markt sind, hat sich die E-Zigarette bereits dort etabliert. In Deutschland ist der Umsatz laut Angaben des Verbandes der E-Zigarettenhändler seit 2013 rapide angestiegen. Nach Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums haben zehn Prozent der Erwachsenen und 16 Prozent der Jugendlichen schon einmal E-Zigaretten konsumiert, die größte Gruppe stellen die 16- bis 29-Jährigen, bei ihnen haben 21 Prozent bereits zur E-Zigarette gegriffen. Bei den über 64-Jährigen liegt der Anteil dagegen bei nur einem Prozent. Regelmäßige „Dampfer“ sind zwei Prozent der Erwachsenen und drei Prozent der Jugendlichen.

Sinnvoll sind E-Zigaretten eigentlich nur für eine Gruppe von Menschen, sagt Kathrin Schaller: für Raucher, die sie als Hilfsmittel nutzen, um ihre Abhängigkeit loszuwerden – und die dann statt einer normalen Zigarette eine E-Zigarette verwenden. Studien belegen, dass dieser Weg funktionieren kann; allerdings gibt es auch etliche Raucher, die E-Zigaretten dann noch zusätzlich konsumieren.

Jugendschutzgesetz verbietet es Minderjährigen E-Zigaretten zu kaufen

Als besonders problematisch sehen es Mediziner an, wenn Jugendliche, die vorher noch nie geraucht haben, zu E-Zigaretten greifen. Seit April 2016 verbietet das Jugendschutzgesetz Minderjährigen, E-Zigaretten zu kaufen und in der Öffentlichkeit zu konsumieren. Gleichwohl gibt es Angebote, die direkt auf Jugendliche zielen, sagt Ute Mons, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention am DKFZ: günstige Einwegprodukte mit Fruchtaromen und bunten Verpackungen. Solche Produkte, die Jugendliche besonders ansprechen, sollten ihrer Ansicht nach verboten werden.

Enthalten E-Zigaretten Nikotin, was oft der Fall ist, können sie abhängig machen. Doch auch nikotinfreie Produkte bergen das Risiko, Jugendliche zum regelmäßigen Konsum zu animieren, warnen Mediziner. Das Abhängigkeitspotenzial ist freilich nicht die einzige Gefährdung für die Gesundheit, die E-Zigaretten in sich haben: Die feinen flüssigen Partikel im Aerosol können bis tief in die Lunge eindringen, was sie dort anzurichten vermögen, ist noch unbekannt.

E-Zigaretten: Liquid kann potenziell schädliche Substanzen enthalten

Zudem kann das Liquid – die Basis des Aerosols – potenziell schädliche, teils als krebserregend geltende Substanzen enthalten. Dazu gehört unter anderem Formaldehyd. Für manche Aromen ist zudem bekannt, dass sie reizend oder für Zellen giftig sein können. Nikotin - sofern enthalten - macht nicht nur abhängig, sondern steht auch im Verdacht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes 2 und das Wachstum bestehender Tumoren zu befördern. Ebenso haben Mediziner beobachtet, dass E-Zigaretten kurzfristig die Lungenfunktion beeinträchtigen und zu einer leichten entzündlichen Reaktion in den Atemwegen führen können. In Tier- und Zellversuchen erhöhte das Aerosol zudem den oxidativen Stress und schädigte die Erbsubstanz.

Was die in E-Zigaretten enthaltenen Stoffe im Körper bewirken, wird man voraussichtlich frühestens in zehn Jahren genau wissen. Nicht ausschließen können Mediziner auch, dass Passivdampfen ebenfalls ungesund ist, da die schädlichen Partikel in die Raumluft gelangen.

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