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Die Goethe-Uni unterstützt gezielt Studienanfänger. 

Studium

Durchstarten in den Geisteswissenschaften

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Die Uni Frankfurt bietet ein neues Orientierungsstudium für Erstsemester – und gehört damit bundesweit zu den Pionieren.

Es kann enorm stressig sein, sich nach der behüteten Schulzeit für eines der vielen schillernden Unifächer zu entscheiden, von denen mancher noch nie gehört hat – und dabei schon am besten die spätere Berufskarriere im Blick zu haben. Ein Pilotprojekt der Frankfurter Goethe-Universität und des Hessischen Wissenschaftsministeriums versucht nun den Druck auch von den Studienanfängern der Geistes- und Sozialwissenschaften zu nehmen, indem diese ein Semester lang ein Orientierungsstudium durchlaufen können. In den Natur- und Lebenswissenschaften ist das Projekt bereits in diesem Wintersemester gestartet. „Bei den Erstis gibt es oft Unsicherheiten, was die Fachwahl betrifft und wie das Studium generell abläuft“, bestätigt Johanna Scheel, Koordinatorin des Goethe-Orientierungsstudiums Geistes- und Sozialwissenschaften.

Viele sehen sich gerade am Anfang des Studiums mit Schwierigkeiten konfrontiert, wenn das gewählte Fach nicht passt. Im schlimmsten Fall brechen Betroffene ihre Unikarriere ab; zudem werden die Lehrkapazitäten der Uni nicht effektiv genutzt. „Es ist schade um jeden Studierenden, der abbricht“, betont Johanna Scheel. Deshalb wurde zunächst mit sieben Fachbereichen ein Bachelorstudiengang erarbeitet, um Studierenden eine Hilfestellung beim Erkennen ihrer Potenziale zu geben. „Viele Studis haben bereits eine gewisse, aber vage Vorliebe, sie wollen ,irgendwas‘ mit Literatur, Sprache, Medien, Kommunikation oder etwas Soziologisches studieren“, berichtet Scheel, die selbst in Kunstgeschichte promoviert hat und seit neun Jahren an der Uni lehrt.

Im Rahmen von Ringvorlesungen, Workshops, Seminaren und einer eigenen Projektarbeit können Studienanfänger herausfinden, welches Fach zu ihnen passt. Angelegt als siebensemestriger „Bachelorstudiengang Geistes- und Sozialwissenschaften“ können sich die immatrikulierten Studierenden nach dem ersten Semester zwischen den Fachrichtungen Sportwissenschaft, Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft, Romanistik, Humangeographie, Ethnologie, Religionswissenschaft und Katholische Theologie entscheiden – und zwar ohne Fachwechsel. Vor allem für Bezieher von Bafög hat ein Fachwechsel oder Studienabbruch oft weitreichende finanzielle Konsequenzen; sie sollten daher gut überdenken, wann sie die staatliche Studienförderung beantragen – und welches Fach sie später mit großer Wahrscheinlichkeit studieren möchten.

Neu an der Uni

Das Goethe-OrientierungsstudiumGeistes- und Sozialwissenschaften startet zum Sommersemester 2020 an der Frankfurter Uni. Der Bachelorstudiengang richtet sich an alle, die sich noch nicht auf ein bestimmtes Fach festgelegt haben, aber ein breites Interesse an den Geistes- und Sozialwissenschaften haben. Im ersten Semester gibt es 30 unbenotete Credit Points.

Die Bewerbungsphaseläuft noch bis zum 28. Februar. Es gibt keine Zulassungsbeschränkung. Informationen hat die Koordinatorin Johanna Scheel unter Telefon 069/79832943 oder E-Mail scheel@em.uni-frankfurt.de. www.orientierungsstudium.uni- frankfurt.de

Einblicke bekommen die Erstsemester in Fachgebiete wie die Soziologie, Geschichte oder Germanistik; auch reguläre Veranstaltungen aus dem Fächerkatalog der Uni können besucht werden. Falls sich jemand nach der Orientierungsphase für eines dieser Fächer entscheidet, ist das möglich – das ist dann allerdings mit einen Fachwechsel verbunden. Beim Goethe-Orientierungsstudium handelt es sich weder um ein Schnupperstudium noch um eine Art Vorkurs wie in den Naturwissenschaften üblich, um die Studierfähigkeit herzustellen.

Unterstützung bekommen die Studis bei der Berufsorientierung. „Wer Geistes- oder Sozialwissenschaften studiert, qualifiziert sich breit“, betont Scheel. „Es geht auch darum, Studierende zu bestärken, ihren Weg zu gehen trotz der allgegenwärtigen Frage ‚Was kann man denn später damit machen?‘. Wir wollen zeigen, dass auch krumme Karrieren erfolgreich sind und gerade eine Vielfalt im Denken von Arbeitgebern geschätzt wird.“

Schwerpunktthema des Semesters ist „Lost in Translation? Macht und Möglichkeit von Kommunikations- und Übersetzungsprozessen von Wissen“, anhand dessen sich verschiedene Fachgebiete in einer Ringvorlesung vorstellen – so beleuchten etwa die Sportwissenschaften den Körper als kommunikatives Medium.

Innerhalb einer Projektarbeit befassen sich Studierendengruppen ebenfalls mit dem Thema und erarbeiten beispielsweise eine Posterausstellung, eine Zeitung, einen Blog oder eine Stadtführung. Semesterbegleitend reflektieren die Teilnehmenden, welche Fächer zu ihnen passen. Dabei werden sie intensiv von MentorInnen und von StudienberaterInnen betreut. Sie lernen während des Semesters zudem, was für ein Schreibtyp sie sind, wie sie wissenschaftliche Texte lesen oder wie sie eine Vorlesung protokollieren.

Scheel ist schon sehr gespannt, wie das Pilotprojekt läuft – denn bisher bieten nur wenige Unis in Deutschland dieses Angebot für Geisteswissenschaftler.

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