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Zartes Pflänzchen auf einem bayerischen Feld: Politiker und Landwirte rechnen schon jetzt mit einem schwierigen Jahr für die Agrarwirtschaft.

Dürre trotz Regen

Es regnet zwar – aber nicht genug

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Auch wenn es jetzt in vielen Regionen Deutschlands regnet: Der Frühsommer war bisher erneut besonders trocken. Dabei wären den Landwirten gerade jetzt gleichmäßige Niederschläge besonders willkommen.

Die Folgen des Sommers 2018 sind noch nicht überwunden – und könnten sich durch ein neuerlich trockenes Jahr verstärken. „Dann könnten noch massivere Schäden auftreten als 2018“, sagt Reimund Schwarze, Klimaökonom am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig. Aktuelle Zahlen des Instituts zeigen, dass der Boden noch vom vergangenen Jahr viel zu wenig Wasser enthält. Zwar ist in den meisten Regionen die oberste Erdschicht nun etwas angefeuchtet, aber darunter hat sich noch nicht viel getan. Vor allem im Norden und im Osten Deutschlands registriert das Helmholtz-Zentrum zum Teil noch „außergewöhnliche Dürre“.

Auch der Grundwasserpegel steht weiterhin viel zu niedrig. „Wir tragen immer noch die Folgen des vergangenen Jahres vor uns her“, sagt Schwarze. Wie im Vorjahr könnten Futtermittel wie Heu und Mais knapp werden, wenn es jetzt nicht bald regnet. Es wäre im Jahr zwei der aktuellen Trockenphase also umso schwerer, das Vieh zu füttern.

Massive Eingriffe in die Viehbestände

„Sollte diese Krise nicht ausgestanden werden durch Regenfälle, dann bedeutet das auch massive Eingriffe in die Viehbestände und damit in die Milchwirtschaft.“ Einige Bauern könnten also gezwungen sein, ihre Kühe zu schlachten, weil deren Fütterung zu teuer wird.

Keiner weiß zwar, wie sich das Wetter im Jahresverlauf entwickelt. Vielleicht regnet es in den kommenden Monaten ordentlich – doch selbst dann bliebe der Boden im mehrjährigen Mittel vergleichsweise trocken. Ein weiterer Dürre-Sommer gilt, wenn es so kommt, als Schreckensszenario für die Landwirtschaft. „Das würde viele Betriebe empfindlich treffen“, sagt Schwarze. Im besonders trockenen Sachsen-Anhalt haben die Bauern im vergangenen Jahr bereits drei Mal mehr Hilfe beantragt, als der Staat zu zahlen bereit war.

Verschärfung der Situation für Bauern und Wälder

In diesem Jahr wird die Lage für die Bauern dort noch deutlich schwerer: Die Agrarministerin von Sachsen-Anhalt hat aber weitere Hilfen ausgeschlossen. Das sei eine einmalige Aktion gewesen, sagte Claudia Dalbert der Zeitung „Volksstimme“ aus Magdeburg. Zugleich warnt sie vor einer Verschärfung der Situation für die Bauern und Wälder. „Wir befinden uns in einer ausgesprochen kritischen Situation“, sagt die Grünen-Politikerin in Hinblick auf die geringe Bodenfeuchte. „Insgesamt gesehen wird es ein schwieriges Jahr für die Landwirtschaft.“ Sie sieht in der anhaltenden Trockenheit bereits eine Folge der globalen Klimaveränderung.

Schon die Dürre des vergangenen Jahres hat bei den Landwirten bundesweit Schäden in Höhe von zwei bis drei Milliarden Euro hinterlassen. Das Land Bayern macht sich daher bereits für eine staatlich gestützte Versicherung stark, die den Bauern ihre Ausfälle ersetzt. Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) will eine Initiative für eine subventionierte „Mehrgefahrenversicherung“ in den Bundesrat einbringen.

„Mehrgefahrenversicherung“ mit einem Haken

Klimaökonom Schwarze befürwortet solche Pläne grundsätzlich – schließlich plädiert er schon seit Jahren für die Einrichtung einer entsprechenden Versicherung. Statt Feuerwehreinsätzen des Staates in Krisenjahren hätte die Unterstützung dann einen geregelten Rahmen und marktwirtschaftliche Elemente. „Wir konnten im vergangenen Jahr lernen, dass man solche Hilfen besser nicht auf die Schnelle auflegt, sondern geplant organisiert.“ Hier müsse sich auch der Bund engagieren. „Die Alarmglocken müssten spätestens jetzt angehen, wir sind nicht aufgestellt für die Bewältigung solcher Krisen.“

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Doch der Versicherungsgedanke hat einen Haken: Mit dem Fortschreiten des Klimawandels sind trockene Sommer in Deutschland möglicherweise schon bald nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Die Landwirtschaft müsse sich dann konsequent auf den neuen Zustand einstellen, so Schwarze. Das bedeute beispielsweise, dass die Bauern in Bewässerungsanlagen investieren müssen. Diese haben sich im vergangenen Jahr in Ostdeutschland bereits bewährt, wo sie zum Teil noch aus DDR-Zeiten stehengeblieben waren.

Auch eine Umstellung auf robustere Feldfrüchte wäre früher oder später unvermeidlich. Die Preise für Fleisch und Milch könnten steigen, was eine Besinnung auf pflanzliche Alternativen fördern könnte. Echte Engpässe auf dem Lebensmittelmarkt der EU sind dagegen bislang nicht zu befürchten.

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