1. Startseite
  2. Wissen

Aus Krebs-Angst zur MRT: Wie Ärzte Menschen finanziell ausbeuten können

Erstellt:

Von: Michael B. Krawinkel

Kommentare

Ein Mann in weißem Kittel, von dem man nur den Brustbereich sieht, sitzt vor einem Laptop, an dem eine Kamera befestigt ist.
Welches Verfahren für die Früherkennung von Krankheiten zum Einsatz kommt, kann einen enormen Kostenunterschied für die Patient:innen machen. (Symbolfoto) © Monika Skolimowska/dpa

Je nach Verfahren können Ärzte den behandelten Menschen finanziell schaden – egal, ob sie gesetzlich oder privat versichert sind. Ein Kinderarzt gibt Einblicke.

Gießen – Dürfen Ärzt:innen Patient:innen finanziell schädigen? Für die meisten Menschen in Deutschland stellt sich diese Frage nicht, denn sie sind Mitglied der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), die es für sie übernimmt, mit den Kassenärztlichen und -zahnärztlichen Vereinigungen und den Krankenhäusern abzurechnen.

Der gemeinsame Bundesausschuss aus GKV und Leistungserbringern setzt fest, welche Leistungen bei welcher Indikation in welcher Höhe von der GKV bezahlt werden. Das Gremium ist durchaus kritisch im Umgang mit den ärztlichen Leistungen, da die Beitragszahler:innen der GKV nur wirklich notwendige und wirksame Leistungen über ihre Beiträge bezahlen sollen.

Porträtfoto eines Herren höheren Alters mit kurzen Haaren und Brille.
Michael Krawinkel ist Kinderarzt und Ernährungswissenschaftler. Von 1999 bis 2016 lehrte er an der Justus-Liebig-Universität Gießen. © Privat

Eine Minderheit der Menschen in unserem Land ist privat versichert. Das heißt, sie zahlen Beiträge an eine private Versicherung, die ihnen die Ausgaben für Medikamente und Dienstleitungen ersetzt. Diese Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland steht immer wieder zur Debatte, nicht zuletzt auch bei der Bundestagswahl 2021. Einen Wechsel in die private Krankenversicherung sollte man sich daher gut überlegen.

Ärzte können Krebs-Angst nutzen – und mit falschen Untersuchungen werben

Diese Tarife umfassen mehr Leistungen als die der GKV: So können die Leistungserbringer höhere Bezahlung erwarten und lassen sich vor Behandlungsbeginn unterschreiben, dass die Kosten gegebenenfalls selbst bezahlt werden, wenn die Versicherung oder die Beihilfestelle sie nicht übernimmt.

Das Bundesgesundheitsministerium schreibt dazu: „Die Kosten für individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) werden nicht von der GKV übernommen und müssen privat bezahlt werden. Häufig ist der Nutzen solcher Leistungen nicht ausreichend belegt – manchmal ist er auch umstritten oder sogar problematisch.“

Die Regelung öffnet ein Einfallstor für die direkte Abrechnung ärztlicher Leistungen und Werbung dafür. Ein Beispiel „Nicht nur wir glauben, dass die Magnetresonanztomographie (MRT) die bessere Methode der Krebsvorsorge bei Brustkrebs und Prostatakrebs ist.“

Aus Angst vor Krebs: Manche Ärzte werben mit für Patienten teuren Untersuchungen

So ist es in großformatigen Anzeigen in Tageszeitungen zu lesen – und so irreführend. Denn erstens erlaubt kein bildgebendes Verfahren eine Vorsorge, sondern lediglich eine Früherkennung, und zweitens gibt es keinen Nachweis, dass das MRT die bessere Methode gegenüber der konventionellen Mammografie und der Untersuchung der Prostata sei.

Im Unterschied zum MRT bezahlt beides die GKV, während die Kosten für MRT von den Patient:innen selbst getragen werden müssen. Aber der frech behauptete Nutzen des MRT baut auf die Unwissenheit und Angst vor Krebserkrankungen. Finanziell scheint sich die Werbung zu lohnen, denn wer gäbe sonst einen fünfstelligen Betrag für jede der Anzeigen aus?

Bedenkenswert erscheint es, ob der von Ärzt:innen erwartete Grundsatz, Patient:innen nicht zu schaden, nicht nur physisch zu verstehen ist, sondern auch ein Verhalten ausschließt, das darauf abzielt, sie finanziell zu schädigen.

Auch im Zuge der Corona-Pandemie wurde vereinzelten Ärzt:innen bereits Betrug vorgeworfen, der sich aber nur in wenigen Fällen bewahrheitet hat. Einen großen Corona-Betrug mit dem Impfstoff gab es allerdings in Indien. (Michael Krawinkel)

Auch interessant

Kommentare