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Vor allem junge Konsumenten bestellen sich anonym im Darknet Drogen.

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Drogen per Mausklick

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Um gegen das Darknet anzugehen, bedarf es einer Regulierung statt Repressionen. Das fordert ein Frankfurter Suchtforscher.

Vor allem junge Drogenkonsumenten nutzen den Tor-Browser, um sich anonym im Darknet Drogen zu bestellen, die dann meist mit einer der unzähligen Kryptowährungen bezahlt werden und diskret verpackt per Post geliefert werden. In Deutschland konsumieren Schätzungen zufolge etwa drei Millionen Menschen mit unterschiedlicher Frequenz Cannabis oder synthetische Cannabinoide, auf Kokain greifen rund 400 000 Menschen zurück und bis zu 200 000 nutzen Opiate.

Dabei halte sich das Unrechtsbewusstsein der Konsumenten meist in Grenzen, sagt Heino Stöver, der an der Frankfurt University of Applied Sciences das Institut für Suchtforschung leitet. Rechne man die rund 17 Millionen Raucher und neun Millionen mit problematischen Alkoholkonsum hinzu, „ist nur eine Minderheit der Deutschen abstinent“. Der gesellschaftlich hohen Nachfrage nach Drogen ist aus Sicht von Stöver, nicht strafrechtlich, sondern lediglich gesundheitspolitisch beizukommen.

„Die Rauschgiftdelikte befinden sich in der Kriminalitätsstatistik mit etwa sechs Prozent auf einem Allzeithoch“, sagt Stöver. Im Jahr 2017 wurde die große Mehrheit (77 Prozent) der rund 331 000 geahndeten Rauschgiftdelikte auf Konsumentenseite festgestellt – der Aufwand für Polizei, Gerichte und den Strafvollzug ist dabei enorm, mit Kosten in Milliardenhöhe. Die Bekämpfung der Organisierten Drogenkriminalität hingegen, „die mit ihren mafiösen Strukturen Riesengewinne erwirtschaftet“, gelingt deutlich seltener. Statt die Drogenkonsumenten zu kriminalisieren oder „Familien mit drogenkranken Kindern zu stigmatisieren“, fordert Stöver ein Umdenken.

„Die aktuelle Politik subventioniert die Drogenkartelle.“ Denn das Darknet und damit der grenzenlose Zugang zu Drogen – gerade für Jugendliche – lasse sich nicht mehr zurückdrängen, während die Strafverfolgung der professionellen Händler meist im Sande verlaufe. Zudem verlocke die vielversprechenden Profitspannen auch Konsumenten, selbst mit Drogen zu handeln, „um ihr Taschengeld aufzubessern“.

Abhängige besser beraten

Mit einer intelligenten Drogenkontrollpolitik und einem staatlich regulierten Drogenkonsum nach dem Vorbild Kanadas lasse sich die Organisierte Dorgenkriminalität dagegen effektiv bekämpfen, so Stöver. Dringend geboten sei eine begleitende gesundheitliche Beratung der Konsumenten, welche Inhaltsstoffe, welchen Reinheitsgehalt und welche Risiken Drogen haben. „Gerade bei Cannabis sehe ich einen hohen Beratungsbedarf, weil die Konsumentenzahlen stark gestiegen sind und sich daran auch so schnell nichts ändern wird.“

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