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Grünes Dach in der Großstadt – hier nicht in Wien, sondern in der US-Metropole Chicago.
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Grünes Dach in der Großstadt – hier nicht in Wien, sondern in der US-Metropole Chicago.

Klimawandel

Doppelt grün auf Wiener Dächern

  • VonJörg Staude
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In der österreichischen Hauptstadt wird seit Juni belohnt, wer Bepflanzung und Photovoltaikanlagen kombiniert.

Die Klimakrise ist die größte Herausforderung unserer Zeit, längst sind Folgen wie steigende Hitze spürbar. Die Wiener Stadtregierung hat sich daher das Ziel gesetzt, bis 2040 klimaneutral zu sein. Dazu hat sie die „größte Photovoltaik-Offensive der Geschichte“ gestartet. Weiter ist zu lesen: „Gebäudedächer, -fassaden und sonstige bereits versiegelte Flächen sind besonders wertvoll für Photovoltaik-Anlagen.“ Dank technischer Fortschritte stelle sich die Frage, ob ein Dach zur Begrünung oder für Sonnenstromkraftwerke genutzt werden soll, nicht mehr. Entsprechend fasst der „Solarleitfaden“ Möglichkeiten und Potenziale zusammen, um Gebäudebegrünung und Solarstromnutzung gemeinsam umzusetzen.

Der Solarleitfaden, von dem hier die Rede ist, trat Anfang Juni in Kraft, aber nicht in einer Stadt in Deutschland, sondern in Wien, der Hauptstadt Österreichs. Mit bis zu 400 Euro pro Kilowatt Solarkapazität unterstützt die Wiener Stadtregierung die Installation von Photovoltaikanlagen auf Gründächern oder deren Einbau als „Verschattungseinrichtung“ für Dachlandschaften mit Aufenthaltscharakter und Dachbegrünung.

Gefördert werden sogar die verschiedenen Kombinationen von pflanzlichem und solarem „Grün“. Das kann nebeneinander an der Fassade koexistieren oder „übereinander“ mit einem Mindestabstand zwischen Beet und Solarmodul von 20 Zentimetern oder auch von zwei Metern. Dann ergeben die Solarmodule sogar eine Überdachung wie eine Art Pergola. Die Dachbegrünung steigere dabei den Wirkungsgrad der Photovoltaikmodule um vier Prozent, heißt es im Leitfaden.

Der deutsche Ökostromanbieter Polarstern hält hier sogar ein Plus von bis zu acht Prozent für möglich – je nach Technik und Region. Positiv auf die Stromausbeute wirkten dabei der kühlende Effekt durch Verdunstung über die Pflanzen, deren Staubabsorption sowie die diffuse Reflexion des Sonnenlichts durchs Blattwerk.

Dieter Schenk, Geschäftsführer der Zinco GmbH im baden-württembergischen Nürtingen, findet die Wiener 400-Euro- Förderung „sehr attraktiv“. Seit 2002 bietet Zinco ein Montagesystem an, um Photovoltaik und Dachbegrünung zu kombinieren. In den fast 20 Jahren seitdem ist dem Zinco-Chef aber kein Förderprogramm untergekommen, mit dem diese schlaue Lösung – Klimaschutz plus -anpassung – in Deutschland ausdrücklich unterstützt wird.

Das Durchforsten diverser Förderdatenbanken bringt zwar zutage, dass es in Deutschland um die 380 Programme gibt, die Gründächer fördern. Doch ob diese später mithilfe der normalen EEG-Förderung „solar nachgerüstet“ werden können, darüber sind keine Angaben zu finden.

Ganz einfach dürfte dies nicht sein, denn Dachgrün plus Solarmodule stellen an die Statik des Hauses besondere Anforderungen. Auch dürfen die Pflanzen die Module nicht überwuchern. Das treibt die Kosten nach oben. Nur in einzelnen Kommunen wie Hamburg und Hannover sollen es inzwischen spezielle Förderprogramme für die Gründach-Solar-Kombination geben.

Für Dieter Schenk von Zinco ist eine solche Unterstützung als bundesweite Förderung längst überfällig. Auch der Branchenverband BSW Solar begrüßt grundsätzlich solche und andere Photovoltaik-Hybridanwendungen. „Beiträge zur Verbesserung des Stadtklimas und zur Dämpfung des globalen Klimawandels gehen hier Hand in Hand“, betont Verbandschef Carsten Körnig.

Für Hans-Josef Fell ist das Nischendasein der grünen Kombination keine große Überraschung. Wichtige Klimamaßnahmen würden zunächst meist als „nebensächliche Außenseiteraktivität wahrgenommen“, meint der Energiewendepionier und Präsident der Energy Watch Group. So komme es dann, dass die Lösungen weder in den Medien die nötige Aufmerksamkeit finden noch die Politik entsprechende Bauvorschriften erlässt und Förderprogramme auflegt. „Den meisten Menschen fehlt schlicht die Fantasie, dass Dachbegrünungen in Verbindung mit Photovoltaik ein wesentlicher Beitrag für grüne Städte und Klimaschutz sind“, meint Fell.

Aus Sicht des Energieexperten darf es auf den Dächern kein Entweder-Oder – also Stadtgrün oder Photovoltaik – geben. Nötig sei, wo immer möglich, eine Kombination von beidem. Um die Mehrkosten abzudecken, die durch die Verstärkung der Statik oder veränderte Anordnungen der Solarmodule entstehen, plädiert Fell für einen höheren EEG-Vergütungssatz für Photovoltaik auf begrünten Dächern sowie den Verzicht auf Ausschreibungen, auch dann, wenn die Anlage mehr als 750 Kilowatt hat. Notwendig seien aber auch Information, Aufklärung und Beratung für Architekt:innen, Solarleute und Bauwillige.

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