US-Präsident legt sich mit Video-Plattform an

TikTok als „Bedrohung“: Donald Trump will mit Verfügung Verkauf forcieren

  • Daniel Dillmann
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TikTok ist der erste globale App-Erfolg aus China in der Liga von Facebook. Doch Donald Trump sieht darin eine Bedrohung der nationalen Sicherheit. Jetzt setzt er der Video-App eine Galgenfrist für das US-Geschäft.

  • Donald Trump droht Video App TikTok
  • US-Präsident will chinesische App aus den USA verbannen
  • TikTok-Fans engagieren sich im Wahlkampf gegen Donald Trump

Update vom Freitag, 07.08.2020, 6.30 Uhr: Donald Trump macht ernst: Mit einer neuen Verfügung gegen TikTok will er offenbar den Verkauf des US-Geschäfts der beliebten chinesischen Video-App erzwingen. Mit der Verfügung, die in 45 Tagen greifen soll, verbietet Trump US-Bürgern, „Geschäfte“ mit Bytedance, dem Eigentürmer der App, zu machen. Die App stelle eine „Bedrohung“ der nationalen Sicherheit dar, hieß es in der Verfügung. Die App sammle große Mengen an Nutzerdaten und könne es der kommunistischen Partei China ermöglichen, Amerikaner auszuspionieren, hieß es.

Trump hatte jüngst mit Nachdruck auf einen Verkauf des US-Geschäfts der App an ein amerikanisches Unternehmen gedrängt. Mit der Verfügung scheint er dies zu erzwingen: Falls der Erlass nicht noch von einem Gericht für ungültig erklärt werden sollte, dürfte TikTok in den USA in 45 Tagen nicht mehr verfügbar sein. Zudem ging der Präsident auch gegen die chinesische App WeChat vor. Das Vorgehen markierte eine neue Eskalationsstufe in den angespannten Beziehungen mit China.

Mit den Maßnahmen werde auf einen „nationalen Notstand“ in der Informations- und Kommunikationstechnologie reagiert, heißt es in der Verordnung auch. TikTok und WeChat fischten automatisch große Datenmengen ihrer Nutzer ab, darunter zu deren Internetaktivitäten und Aufenthaltsorten. Dies könne der chinesischen Kommunistischen Partei den Zugriff auf persönliche Daten von US-Bürgern ermöglichen.

Der amerikanische Softwareriese Microsoft hat sich nach dem jüngst massivem politischen Druck aus dem Weißen Haus in Stellung gebracht, das US-Geschäft der Video-App zu übernehmen. Das Unternehmen will bis Mitte September einen Deal mit dem privaten chinesischen Eigentümer Bytedance aushandeln. Wie viel Microsoft für TikTok zahlen müsste, ist bislang unklar. Es dürfte aber um einen zweistelligen Milliardenbetrag gehen. Die Verfügung des Weißen Hauses setzt Bytedance allerdings unter Druck. In den USA hat TikTok nach eigenen Angaben 100 Millionen Nutzer und wäre damit ein äußerst attraktives Übernahmeziel.

Donald Trump versetzt TikTok-Teens in Panik - „Alle werden jetzt echt irre“

Update, 02.08.2020, 10:40 Uhr: Mit seiner Ankündigung, die Video-App TikTok aus den USA zu verbannen, hat US-Präsident Donald Trump eine halbe Generation in Alarmbereitschaft versetzt. Über 100 Millionen Menschen in den USA nutzen TikTok, der absolut größte Teil davon dürfte sich im Teenager-Alter befinden.

Unter diesen Nutzerinnen und Nutzern scheint nun Panik auszubrechen. „Jeder ist live gerade“ schreibt ein beispielhaft Ehi Omigie, und ergänzt: „Alle werden jetzt echt irre.“ Eine andere Nutzerin rät der TikTok-Gemeinde auch im Angesicht einer möglichen Verbannung durch Donald Trump: „Keine Panik! Keine Panik!“

Donald Trump gegen TikTok-Teens - Strategien werden entwickelt

Wieder andere entwickeln bereits Strategien, wie ein Verbot der App in den USA umgangen werden könnte - beispielsweise durch ein „Virtual Privat Network“ (VPN). Ein VPN ermöglicht das Verbergen der länderspezifischen IP-Adresse, während man im Internet surft oder eine App wie TikTok nutzt. Durch eine solche Maskierung kann eine Nutzerin in den USA den Eindruck erwecken, sie befände sich in Europa.

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In einem Statement, unter anderem veröffentlicht auf der Plattform Instagram, wendete sich Vanessa Pappas, Generaldirektorin von TikTok in den USA, an die von Donald Trump verschreckte TikTok-Gemeinde: „Wir planen nicht, irgendwohin zu gehen“, sagte Pappas, betonte dabei, wie viele Arbeitsplätze TikTok in den USA geschaffen habe und versprach, man werde die Sicherheit der App noch weiter erhöhen.

Donald Trump will TikTok aus den USA verbannen

Erstmeldung vom 01. 08.2020
Washington - Donald Trump hat im Konflikt mit der Volksrepublik China ein neues Kapitel aufgeschlagen. Diesmal nahm der US-Präsident die Videoplattform TikTkok ins Visier. „Was TikTok betrifft, so verbannen wir sie aus den Vereinigten Staaten“, kündigte Trump in einem Mediengespräch an Bord der Air Force One an.

Donald Trump: US-Regierung wirft TikTok Spionage vor

Schon länger bekannt sind die Bedenken, die mehrere US-Behörden gegenüber der vor allem bei Jugendlichen beliebten Videoplattform haben. TikTok gehört der in China beheimateten Firma ByteDance. Laut Donald Trump und Teilen der US-Regierung soll die Firma Nutzerdaten sammeln und an die chinesische Regierung weiterreichen. Auch Trumps Außenminister Mike Pompeo hatte bereits ein Verbot von TikTok in den USA in Erwägung gezogen.

Zuletzt hatte Committee on Foreign Investment (CFIUS), ein ressortübergreifender Ausschuss der US-Regierung zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten, die App TikTok überprüft. Das bestätigte Donald Trumps Finanzminister, Steve Mnuchin. Anschließend werde CIFUS gegenüber „dem Präsidenten [Donald Trump] eine Empfehlung aussprechen", sagte Mnuchin am Mittwoch auf dem Rasen des Weißen Hauses.

TikTok: Beliebt bei Teenagern, unbeliebt bei Donald Trump

TikTok ist vor allem bei Teenagern sehr beliebt und zählt weltweit fast eine Milliarde Nutzerinnen und Nutzer. Die Plattform entstand 2017 durch die Zusammenlegung mit der Mitsing-App Musical.ly, die mit einer Lippensynchronisierungsfunktion für selbstgedrehte Videos erfolgreich wurde.

TikTok war auch der Ursprung einer Kampagne gegen Donald Trump und seinen Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl 2020 in den USA. So sollen zehntausende von TikTok Nutzerinnen und Nutzer Trumps Wahlkampfveranstaltung in Tulsa, Oklahoma, sabotiert haben. Das taten sie, indem sie sich vorab unter mehreren Email-Adressen Tickets für die Veranstaltung reservierten. Die Trump-Kampagne verkündete daraufhin stolz, man habe Millionen von Ticket-Reservierungen erhalten. Die eigentliche Veranstaltung aber blieb schlecht besucht.

Donald Trump vs. TikTok: Microsoft angeblich an Kauf interessiert

Rettung für TikTok könnte dagegen aus den USA selbst kommen. US-Software-Riese Microsoft denkt angeblich über einen Kauf der Video-App nach. Das berichtet die „New York Times“. Sollte Microsoft TikTok kaufen, wäre ein Verbot der App durch Donald Trump in den USA kaum noch möglich. (Von Daniel Dillmann, mit afp)

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