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Immer noch wird in vielen Klassenräumen analog gelernt.

Digitalisierung in der Schule

Neuland Schule

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Digitale Technik ist bislang nur in wenige Klassenräume eingezogen, zeigt eine Umfrage.

Eine von drei Schulen in Deutschland verfügt über einen schnellen Internetzugang und WLAN in den Klassenräumen. Auch gibt es an jeder dritten Schule zumindest einen Klassensatz Tablet-Computer für die Schülerinnen und Schüler. Im Umkehrschluss heißt das: An zwei von drei der insgesamt rund 40.000 Schulen ist das Lernen und Unterrichten mit digitalen Medien kaum möglich.

So das Ergebnis einer am Montag in Berlin vorgestellten repräsentativen Umfrage des Forschungsinstituts Forsa im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) bei 1200 Schulleitungen. „Das macht deutlich, wie dramatisch die digitale Ausstattung der Schulen dem gesellschaftlichen Wandel hinterherhinkt“, sagte dazu der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Sie komme viel zu langsam voran.

Ziel müsse es sein, dass Lehrkräfte für ihren Unterricht jederzeit auf das Internet zugreifen könnten, forderte Beckmann. Zudem müssten ausreichend Tablet-Computer vorhanden sein, um digitale Medien in die Methodik einbeziehen zu können. Der VBE-Vorsitzende geht davon aus, dass dazu etwa halb so viele Tablets benötigt werden, wie Schülerinnen und Schüler die jeweilige Schule besuchen.

Die Umfrage hat gezeigt, dass die Ausstattung je nach Schulform unterschiedlich ist. So gibt es an 27 Prozent der Grundschulen, die etwa die Hälfte aller Schulen ausmachen, mindestens einen Klassensatz mobiler Endgeräte. An Haupt-, Real- und Gesamtschulen sind es knapp 40, an Gymnasien 60 Prozent. Es dürfe aber nicht von der Schulform und möglicherweise vorhandenen Sponsoren oder Fördervereinen abhängig sein, ob es eine digitale Ausstattung gebe oder nicht, so Beckmann. Man könne gerade auch die Grundschulen davon nicht ausnehmen. „Je mehr die Digitalisierung Einzug ins Klassenzimmer hält, desto mehr ist es Aufgabe der Schule, sich dem zu stellen“, sagte er. Der hessische VBE-Vorsitzende Stefan Wesselmann nannte die Umfrageergebnisse „niederschmetternd und eines reichen Landes unwürdig“.

2,5 Milliarden im Jahr nötig

Bund und Länder haben sich im Rahmen des Digitalpakts darauf geeinigt, dass der Bund bis zum Jahr 2024 die technische Ausstattung der Schulen mit insgesamt fünf Milliarden Euro fördert. Die Länder müssen mindestens weitere 500 Millionen Euro bereitstellen, etwa um Lehrkräfte fortzubilden. Der laufende Betrieb der Geräte und deren Wartung müssen von den Ländern gemeinsam mit den Schulträgern, also den Städten und Landkreisen, sichergestellt werden. Bislang übernehmen dies in der Mehrzahl noch die Lehrkräfte selbst, wie die Umfrage zeigt.

Der Digitalpakt, so Beckmann, könne lediglich eine Anschubfinanzierung sein. Länder und Kommunen müssten kräftig investieren. Der VBE-Vorsitzende gehe davon aus, dass jährlich 2,5 Milliarden Euro nötig seien, um auf Dauer eine ausreichende Ausstattung der Schulen sicherzustellen.

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