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Die vierte Korallenbleiche in sieben Jahren

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Von: Joachim Wille

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Blässe statt Farbenpracht: 90 Prozent des Great Barrier Reefs sind von Korallenbleiche betroffen.
Blässe statt Farbenpracht: 90 Prozent des Great Barrier Reefs sind von Korallenbleiche betroffen. © Getty Images

Das Great Barrier Reef könnte seinen Status als Weltnaturerbe verlieren. Doch es gibt Hoffnung auf Erholung

Das Great Barrier Reef an der Nordost-Küste Australiens gilt als eines der sieben „Weltwunder der Natur“, von der Unesco wurde es 1981 offiziell zum Weltnaturerbe erklärt. Doch die Gefahr wächst, dass es diesen Status verliert. Der Grund: Derzeit sind rund 90 Prozent des Großriffs von einer Korallenbleiche betroffen, und es ist fraglich, wie stabil die Naturformation auf Dauer ist. Das große Barriereriff ist einer der artenreichsten Lebensräume der Welt. 400 der bekannten 700 Korallenarten, 1500 Fisch- und 4000 Weichtier-Arten sind hier beheimatet, ebenso seltene Wal-, Delphin- und Schildkröten-Arten. Es gilt seit längerem wegen der steigenden Meerwassertemperaturen als gefährdet.

Die Klimaforschung zählt die tropischen Korallenriffe generell zu den Kippelementen des Klimas, die bereits ab einer globalen Erwärmung um 1,5 Grad zum großen Teil absterben könnten – eine Marke, die bereits in den nächsten Jahren erstmals zumindest zeitweise überschritten werden dürfte.

Die aktuelle Bleiche am Great Barrier Reef ist bereits das sechste solche Ereignis und bereits das vierte innerhalb von sieben Jahren, wie Wissenschaftler:innen der australischen Regierung jetzt mitteilten. Die Bleichen in den Jahren 2016, 2017 und 2020 hatten zwei Drittel der Korallen des Riffs geschädigt. Bei diesem Stress-Phänomen stoßen die Korallen die in ihnen lebenden bunten Algen ab. Diesmal waren 91 Prozent der 719 untersuchten Einzelriffe des 2300 Kilometer langen Naturwunders betroffen.

Die Bleiche wird durch erhöhte Wassertemperaturen infolge der globalen Erwärmung ausgelöst. Dieses Mal trat sie allerdings erstmals während einer La-Niña-Periode auf, die eigentlich kühlere Temperaturen im Pazifischen Ozean bewirkt, wie die Great Barrier Reef Marine Authority, die der Regierung in Canberra untersteht, in ihrem Jahresbericht mitteilte. Australien leidet derzeit unter einer für die Jahreszeit ungewöhnliche Hitzewelle mit Spitzentemperaturen von fast 50 Grad Celsius, sie hält bereits seit Monaten an. Ende Februar habe zudem eine „marine Hitzewelle“ eingesetzt, heißt es.

Expert:innen hoffen, dass sich die meisten Korallen von dem aktuellen Hitzeschock wieder erholen werden. „Erste Anzeichen deuten darauf hin, dass die Sterblichkeit nicht sehr hoch sein wird“, sagte David Wachenfeld, leitender Wissenschaftler der Behörde. Man hoffe, dass es ein Ereignis wie 2020 wird, als es zwar eine Massenbleiche, aber nur eine geringe Sterblichkeit gab. Wenn das Wasser sich abkühlt, können gebleichte Korallen ihre Farbe wiedererlangen und überleben. Die Bleichen 2016 und 2017 allerdings haben Wachenfeld zufolge zu einem „recht hohen Niveau der Korallensterblichkeit“ geführt.

Die Unesco hatte 2021 angedroht, das Barriereriff wegen seines schlechten Zustandes auf die Rote Liste gefährdeter Welterbestätten zu setzen. Die Regierung, die wohl auch um die hohen Einnahmen aus dem Tourismus-Geschäft bangte, konnte das damals durch massiven politischen Druck gerade noch einmal verhindern. Nun droht die Herabstufung bereits im Juni bei der nächsten Überprüfung. Der konservative Premierminister Scott Morrison hatte im Januar ein Maßnahmenpaket zum Riffschutz vorgestellt, das bis 2030 umgerechnet 630 Millionen Euro umfasst.

Wissenschaftler:innen und Umwelt-NGOs riefen die Politik vor den australischen Parlamentswahlen am nächsten Wochenende auf, mehr für Klimaschutz zu tun. „Dies ist ein Problem, das nicht mit großen schillernden Finanzierungsankündigungen gelöst werden kann“, sagte der Forschungsdirektor des unabhängigen australischen Klimarats, Simon Bradshaw. Um die Riffe der Welt vor der Zerstörung zu bewahren, müssten die Emissionen in den 2020er Jahren drastisch reduziert werden.

Lissa Schindler von der Australian Marine Conservation Society sagte: „Auch wenn die Bleiche immer häufiger auftritt, ist das nicht normal. Und wir sollten uns nicht damit abfinden.“ Beide großen politischen Parteien müssten sich dem Problem stellen, dass ihre Klimaziele für das Riff nicht ausreichten.

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