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In Madagaskar herrscht große Armut und die schlimmste Trockenheit seit Jahrzehnten.
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In Madagaskar herrscht große Armut und die schlimmste Trockenheit seit Jahrzehnten.

Armut

Die verheerenden Folgen der Armut in Madagaskar

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Laut einer Studie ist der Klimawandel nicht für die Dürre und Hungersnot verantwortlich – doch er könnte die Lage noch verschärfen.

Der ostafrikanische Inselstaat Madagaskar erlebt derzeit die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Sie hat vor allem im Süden des Landes die Ernten dezimiert und die Region an den Rand einer Hungersnot gebracht. Der Klimawandel ist jedoch, anders als vielfach vermutet, keine Hauptursache dieser Krise. Das zeigt eine neue Untersuchung des internationalen Forschungskollektivs „World Weather Attribution“. Sie identifiziert vor allem die Armut, eine schlechte Infrastruktur, die Abhängigkeit der Nahrungsmittelproduktion von der Regenfeldwirtschaft und natürliche Wetterschwankungen als Gründe.

Laut dem UN-Welternährungsprogramm (WFP) spitzt sich die Lage in dem Land mit seinen rund 26 Millionen Einwohner:innen weiter zu. Rund 1,15 Millionen Menschen in der besonders betroffenen südlichen Region „Grand Sud“ seien auf Nahrungsmittelnothilfe angewiesen und 135 500 Kinder akut unterernährt, meldete das WFP im Oktober. Bis zum Frühjahr werde die Zahl um eine halbe Million Kinder steigen. Es drohe die weltweit erste „Hungersnot durch den Klimawandel“ zu werden, so die Organisation.

Das internationale Forschungsteam relativiert diese Aussage nun. Laut der am Donnerstag vorgelegten Studie haben die globalen Klimaveränderungen die Wahrscheinlichkeit für die extreme Trockenheit zwar leicht erhöht, sie liege aber immer noch im Rahmen der natürlichen Variabilität. Die Forscher:innen schätzten die Wahrscheinlichkeit, dass eine so schwere Dürre unter den heutigen Klimabedingungen in der Region in einem Jahr auftritt, auf eins zu 135.

Um den Einfluss des Klimawandels auf die geringen Niederschläge zu berechnen, analysierte das Team historische Wetteraufzeichnungen, Klimaprojektionen und Computersimulationen, um das heutige Klima, das sich seit Ende des 19. Jahrhunderts um etwa 1,2 Grad Celsius erwärmt hat, mit dem Klima der Vergangenheit zu vergleichen. Es zeigte sich, dass die Niederschläge in der Region stark schwankten. Zwar habe der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit der Dürren leicht erhöht, doch sei dieser Effekt statistisch nicht signifikant, so die Expert:innen. Sein Beitrag sei zu gering, um von den natürlichen Klimaschwankungen in der Region unterschieden zu werden.

Die Studie weist darauf hin, dass die Armut bekämpft und die Infrastruktur in der Region verbessert werden muss, um Hungersnöte künftig zu verhindern. Trotzdem geben die Expert:innen keine Entwarnung in Bezug auf das Klima. Die aktuelle Dürre zeige, an welch enge Wetter-Bandbreite die Menschen angepasst seien, sagte die Co-Leiterin des Attribution-Teams, Friederike Otto vom Londoner Grantham Institute. Der Klimawandel werde die Situation für Länder wie Madagaskar nur noch schwieriger machen. Man dürfe sich allerdings nicht pauschal nur auf den Klimawandel als Risikofaktor konzentrieren, sonst laufe man Gefahr, „die vorteilhaftesten Möglichkeiten zur Risikominderung zu übersehen“, sagte sie der FR.

Der Weltklimarat IPCC hatte in seinem jüngsten Report vom August darauf hingewiesen, dass Madagaskar bei zunehmender globaler Erwärmung wahrscheinlich mit mehr Dürren und schwereren Wirbelstürmen konfrontiert sein werde. „Jede Zunahme extremer Wetterereignisse wird die bestehenden Schwachstellen noch verstärken und vor allem die ärmsten Menschen treffen“, ergänzte die Co-Autorin der aktuellen Studie, Lisa Thalheimer, von der Princeton University in den USA.

In anderen Fällen hat das Forschungsteam starke Einflüsse des Klimawandels auf Wetterextreme nachgewiesen, zuletzt bei den Starkregen-Ereignissen in Deutschland, die im Juli zu den verheerenden Fluten in Rheinland-Pfalz und NRW führten. Weitere Beispiele sind die Rekord-Hitzewellen, die im Juni und Juli den Westen Kanadas und der USA heimsuchten, sowie die Busch- und Waldbrände in Australien im Jahr 2020.

Madagaskar, der flächenmäßig zweitgrößte Inselstaat nach Indonesien, hat eine der weltweit höchsten Armutsquoten. Über 90 Prozent der Bevölkerung in der Region Grand Sud leben laut Hilfsorganisationen unterhalb der Armutsgrenze. Corona habe das Problem noch verschärft, da die Einkommen sanken. „Es ist nach wie vor von entscheidender Bedeutung, die Anfälligkeit in der Region zu bekämpfen und die Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern“, sagte Maarten van Aalst, Direktor des Klimazentrums des Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds, zur aktuellen Studie.

Die Zahl der vom Hunger bedrohten Menschen hat sich laut WFP zuletzt weltweit stark erhöht. Zu Beginn des Jahres seien 42 Millionen Betroffene gezählt worden, inzwischen seien es bereits um die 45 Millionen. Im Jahr 2019 lag die Zahl mit rund 29 Millionen um etwa ein Drittel niedriger.

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