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Pro Kopf vertilgten die Deutschen im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 48 Kilo Schweine- und Rindfleisch.
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Pro Kopf vertilgten die Deutschen im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 48 Kilo Schweine- und Rindfleisch.

Umwelt

Darf es weniger sein?

  • vonSandra Kirchner
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Die Strukturen ändern, nicht die Menschen - denn ihr Handeln ist von Gewohnheiten geprägt. Deshalb benötigen wir Verhältnisse, damit wir auch ohne Nachdenken umweltverträglich handeln.

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, umweltfreundlicher zu leben? Vielleicht wollten Sie den Konsum von Fleisch- und Milchprodukten verringern, weil das weniger klimaschädliche Emissionen verursacht und weil Ihnen die wenig artgerechte Tierhaltung aufstößt? Oder spielen Sie mit dem Gedanken, öfter mal das Auto stehen zu lassen und aufs Rad zu steigen?

Umfragen haben zwar wiederholt bestätigt, dass Umwelt- und Klimaschutz den Deutschen besonders wichtig sind. Doch die hohen Zustimmungswerte werden nicht immer im alltäglichen Handeln gelebt. So stören sich zwar 63 Prozent der Befragten an den Umweltbelastungen beim Einsatz von Pestiziden, dennoch kommt der Konsum von Bio-Produkten noch immer nicht aus der Nische. Gerade mal fünf Prozent beträgt der Bio-Anteil am gesamten Lebensmittelmarkt.

Das bestätigt auch eine Umfrage von Studierenden der Essener Hochschule für Oekonomie und Management (FOM) unter 18 000 Menschen. Danach hält der Großteil der Bundesbürger:innen zwar viele Maßnahmen zum Umweltschutz für wirksam, im eigenen Alltag bleiben Dinge wie der Konsum vegetarischer und veganer Lebensmittel oder von fair und nachhaltig hergestellter Kleidung allzu häufig auf der Strecke.

Deshalb müssen sich die Produkte im Laden ändern, fordert der Umweltwissenschaftler Michael Kopatz vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt Energie. „Wir haben 30 Jahre an die Vernunft der Leute appelliert, doch das Ergebnis ist sehr überschaubar“, sagt Kopatz der Frankfurter Rundschau. Stattdessen müssten beispielsweise Standards in der Tierhaltung angehoben und Vorgaben für eine ökologische Landwirtschaft gemacht werden. „Wenn Sie heute in einen Lidl gehen, dann ist die gesamte Schokolade in diesem Discounter fair gehandelt. Das Produkt hat sich geändert, ohne dass sich Konsumenten darüber Gedanken machen müssen“, gibt Kopatz ein weiteres Beispiel.

Stellschrauben für klimafreundliches Verhalten

1. Infrastrukturen und Verfügbarkeit: Beispielsweise erleichtern gut ausgebaute und sichere Radwege sowie wenige Parkplätze die Entscheidung, das Rad zu nehmen.

2. Standards: Die Ökodesign-Richtlinie der EU schreibt eine Mindest-Energieeffizienz für Geräte vor.

3. Kosten: Wenn die Preise „die ökologische Wahrheit sagen“, sind Bio-Lebensmittel nicht mehr teurer als konventionelle.

4. Kulturelle und normative Vorstellungen: Wenn Fliegen nicht mehr als normal und akzeptabel gilt, fällt es leichter, statt des Flugzeugs die Bahn zu nehmen.

5. Kompetenzen: Viele wissen nicht, wie sie fleischlos gut kochen können, hier können Bildung und Informationen viel erreichen.

Weil menschliches Handeln größtenteils von Gewohnheiten geprägt ist, müssten Strukturen und Verhältnisse verändert werden, sodass es jedem Einzelnen – ohne Nachdenken – ermöglicht wird, umwelt- und klimaverträglich zu handeln. „Die meisten haben einfach ihre Alltagsroutinen“, sagt Kopatz.

Das sei auch beim Verkehr so. „Wenn man will, dass Menschen mehr Fahrrad fahren, dann muss man Strukturen schaffen, die dazu einladen, genau das zu tun.“ Beispielsweise durch sicher empfundene Radwege, die von der Straße abgetrennt sind. Man müsse aber auch das Autofahren unbequemer machen, so Kopatz. Die Strukturen sollten so verändert werden, dass es attraktiver wird, den Bus oder das Rad zu benutzen.

Klimafreundliches Verhalten muss „normal“ werden, fordert auch Corinna Fischer vom Öko-Institut. Es muss die leichtere, selbstverständliche Wahl werden. „Man sollte sich nicht aktiv dafür entscheiden müssen, sondern es sollte einfach das Nächstliegende sein“, betont die Umweltpolitikforscherin.

Der Fleischverbrauch in Deutschland.

Mit welchen Mitteln sich das erreichen lässt, hat ein Team vom Öko-Institut und weiteren Forschungseinrichtungen für das Umweltbundesamt untersucht. Ergebnis: Am wirksamsten ist es, „harte“ Maßnahmen wie Ge- und Verbote sowie positive oder negative ökonomische Anreize mit „weichen“ Maßnahmen (etwa Information und Bildung) zu kombinieren. Damit etwa die Mobilitätswende vorankommt, könnte ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen eingeführt und die bestehende Höchstgeschwindigkeit abgesenkt werden, etwa auf 80 km/h außerorts und 30 km/h innerorts.

Ein Bündnis aus Kommunen, Kranken- und Autoversicherungen, Umwelt- und Verkehrsverbänden könnte die Bevölkerung mit begleitenden Informationen versorgen – etwa, dass höhere Geschwindigkeiten auf vielen Strecken kaum Zeit einsparen und dass langsameres, entspanntes Fahren in der Stadt mehr Lebensqualität bringt.

Darüber hinaus spielt auch der Zeitfaktor eine wichtige Rolle, sind sich Fischer und Kopatz einig. „Standards sind vielleicht die am schnellsten wirkende Maßnahme“, sagt Fischer gegenüber der Frankfurter Rundschau. Auch wenn sie politisch schwerer durchsetzbar seien und daher im Vorfeld lange Diskussionen bräuchten.

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