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Die Regenfalle

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Von: Joachim Wille

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Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Regen ist für die Natur wünschenswert.
Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Regen ist für die Natur wünschenswert. © Jan Woitas/dpa

Fehlen Niederschläge, leidet die Natur und mit ihr die Wirtschaft. Zu viel Regen ist aber auch nicht gut.

Ohne Regen geht es nicht. Selbstredend, wir alle haben einen blauen Himmel lieber als einen schmutzig-grauen aus Regenwolken. Trotzdem ist klar: Fehlen Niederschläge, leidet die Natur und mit ihr die Wirtschaft, so wie im Trockenheitsjahr 2018. Felder vertrocknen, Schiffstransporte auf den Flüssen fallen aus, Sprit wird knapp und teuer, Kraftwerke werden gedrosselt. Umgekehrt gilt, weltweit betrachtet, die Faustregel: Mehr Jahresniederschlag ist im Allgemeinen gut für eine Volkswirtschaft, besonders dann, wenn diese, wie in den Entwicklungsländern, stark von der Landwirtschaft abhängt.

Der Klimawandel verstärkt den Wasserkreislauf, das ist bekannt. Wärmere Luft kann mehr Wasserdampf aufnehmen, der irgendwann zu Regen wird. Doch daraus zu schließen, das nütze der Wirtschaft, wäre gar zu naiv. Das Gegenteil sei richtig, zeigt eine neue Studie. Das Wirtschaftswachstum gehe zurück, wenn die Zahl der Regentage und vor allem der Tage mit extremen Regenfällen zunimmt, so ein Team des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung. Am stärksten betroffen sind dabei reiche Länder wie die USA, Japan oder Deutschland, und hier besonders die Sektoren Industrie und Dienstleistungen, so die in „Nature“ veröffentlichten Untersuchung.

Wetterextreme nehmen zu

Untersucht wurden Daten von über 1500 Regionen weltweit aus den letzten 40 Jahren. Es zeigte sich: Die mittleren Niederschlagsmengen verändern sich von Region zu Region unterschiedlich, die Regenextreme aber nehmen auf der ganzen Welt zu. Und heftigere Regenfälle dürften, summa summarum, der Weltwirtschaft schaden. Makroökonomische Abschätzungen der Klimafolgen hätten sich bisher hauptsächlich auf die Temperatur konzentriert, erläuterte Studienleiterin Leonie Wenz, und Veränderungen der Niederschlagsmenge nur über Monate oder Jahre betrachtet. Das aber ergebe ein unvollständiges Bild.

Der Schluss daraus: Es sind nicht die allmählichen Veränderungen, sondern die „Klimaschocks durch Wetterextreme, die unsere Lebensweise bedrohen“, wie es der Ko-Autor der Studie, Professor Anders Levermann, formuliert. Die wahren Kosten des Klimawandels werden durch solche Untersuchungen immer klarer. Bleibt nur zu hoffen, dass die Weltgemeinschaft die richtigen Schlüsse daraus zieht und schnell vom fossilen auf ein solares Energiesystem umsteigt.

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