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Luftqualität

Jährlich Millionen Tote: WHO fordert Kraftanstrengung gegen Luftverschmutzung

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Weltweit sterben Millionen Menschen wegen zu vieler Schadstoffe in der Luft. Die WHO hält deshalb schärfere Grenzwerte bei Stickoxiden und Feinstaub für nötig.

Frankfurt – Luftverschmutzung ist ein Killer. Weltweit, in Europa und auch in Deutschland stellt sie das größte umweltbedingte Risiko für die Gesundheit dar. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass global jedes Jahr rund sieben Millionen Menschen durch Stickoxide und andere Luftschadstoffe vorzeitig sterben. Für Deutschland gehen Schätzungen von bis zu 125 000 Opfern aus. Die WHO zieht nun Folgerungen aus neuen Studien und empfiehlt eine deutliche Verschärfung der Grenzwerte – vor allem für Stickstoffdioxid (NO2) und Feinstaub.

Abgase aus Verkehr, Haushalten, Industrie und Landwirtschaft können krank machen. Eine erhöhte Belastung schadet zum Beispiel der Lunge, kann sogar Lungenkrebs begünstigen, zudem fördert sie Asthma sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Untersuchungen wiesen Gesundheitsschäden bei Kindern auch bei niedrigen Schadstoffkonzentrationen nach, die bereits im Mutterleib beginnen können. Folge kann ein lebenslang erhöhtes Risiko für chronische Krankheiten sein.

WHO will Folgen der Luftverschmutzung eindämmen

Um die negativen Folgen einzudämmen, hatte die WHO zuletzt 2005 Grenzwerte unter anderem für NO2, Feinstaub und Ozon empfohlen, die zum Teil auch von den Gesundheitsbehörden etwa in der EU und den USA übernommen wurden. Für NO2 waren es 40 Mikrogramm und für den besonders gefährlichen Feinstaub bis 2,5 Mikrometer Partikelgröße (PM 2.5) zehn Mikrogramm pro Kubikmeter. Die EU setzte die Werte auf 40 Mikrogramm Stickoxide sowie auf 25 Mikrogramm Feinstaub fest.

Auch in den meisten EU-Staaten ist die Luft schmutzig, zum Beispiel in Krakau in Polen.

Die neuen WHO-Empfehlungen senken die Werte für Stickstoffdioxid nun stark von 40 auf zehn Mikrogramm pro Kubikmeter. Für den PM-2.5- Feinstaub lauten sie statt zehn nun fünf Mikrogramm. Bei Ozon blieb es bei 100 Mikrogramm, doch wurden neu 60 für die warme Jahreszeit eingeführt. Bei Schwefeldioxid gilt nun ein höherer Wert, nämlich 40 statt 20 Mikrogramm. Die WHO betonte, dass unter anderem bei NO2 und Feinstaub inzwischen „gesundheitliche Auswirkungen auch bei niedrigeren Werten als bislang angenommen“ mit höherer Gewissheit nachgewiesen seien.

Luftverschmutzung: Grenzwerte werden weltweit kaum eingehalten

Die WHO-Empfehlungen haben durchaus Sprengkraft, denn üblicherweise sind die WHO-Werte die Grundlage für später folgende gesetzliche Regelungen. Zudem werden selbst die bisherigen Grenzwerte weltweit kaum eingehalten. So leben laut WHO 90 Prozent der Weltbevölkerung in Regionen, in denen die Feinstaub-Belastung zu hoch ist. Am stärksten betroffen ist hier Südostasien. Aber auch in den meisten EU-Staaten ist die Luft zu schmutzig, wie die Europäische Umweltagentur EEA jüngst mitteilte. Die Konzentration von Luftschadstoffen überschritt danach 2019 mindestens einen EU-Grenzwert. „Luftverschmutzung stellt in allen Ländern eine Bedrohung für die Gesundheit dar, trifft aber am stärksten die Menschen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen“, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Auch in Deutschland dürfte die WHO-Eingabe die Debatte zur Luftreinhaltung anheizen. Der Chef des Umweltbundesamtes (UBA), Dirk Messner, sagte der Frankfurter Rundschau, man begrüße die Aktualisierung der WHO-Luftqualitätsleitlinien. Das UBA werde nun prüfen, was die Ergebnisse für die Luftreinhaltung in Deutschland bedeuten. „Von den neuen Richtwerten sind wir auch in Deutschland noch weit entfernt.“

Dirk Messner ist Präsident des Umweltbundesamtes.

Pkw-Verkehr muss „schnell und deutlich reduziert werden“, um Luftverschmutzung zu verringern

Die Belastung etwa durch NO2 ist in Deutschland zuletzt zurückgegangen. Der 40-Mikrogramm-Grenzwert wurde 2020 in sechs Städten überschritten, 2018 waren es noch 57 gewesen. Der nun von der WHO empfohlene Wert von zehn Mikrogramm wird jedoch überall gerissen.

Auch Umweltschützer begrüßten die neuen WHO-Vorgaben. Der Geschäftsführer der deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch, sagte: „Die politisch brisanteste Verschärfung ist die beim Stickstoffdioxid. Sie bedeutet: Wir müssen diesen Schadstoff soweit es irgend geht aus der Atemluft verschwinden lassen.“ Hierzu müsse die Politik einen ehrgeizigen Stufenplan aufstellen. Dazu müsse der motorisierte Individualverkehr in den Städten „schnell und deutlich reduziert werden“. Außerdem forderte Resch ein Tempolimit auf Autobahnen und Tempo 80 auf Bundesstraßen. (Joachim Wille)

Rubriklistenbild: © Lukasz Gagulski/dpa

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