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Die Freiheit der Jungen

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Von: Joachim Wille

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FR-Autor Joachim Wille.
FR-Autor Joachim Wille. © Alex Kraus

Was es heißt, wenn die Freiheit durch zu wenig CO2-Sparen heute eingeschränkt wird, ist vielen unklar.

Es geht um eine „enkeltaugliche“ Klimapolitik. Das Bundesverfassungsgericht hat dieses Wort in seinem Urteil vom Frühjahr, das die deutsche Politik gewaltig aufmischte, zwar nicht benutzt. Gemeint ist es aber: Die Klimaschutz-Maßnahmen müssen heute so getroffen werden, dass künftige Generationen noch einigermaßen gut leben können. Also das 1,5- bis Zwei-Grad-Limit des Pariser Weltklimavertrags umsetzen. Die Freiheit künftiger Generationen dürfe nicht ungebührlich eingeschränkt werden.

Nur, was es heißt, wenn die Freiheit durch zu wenig CO2-Sparen heute eingeschränkt wird, ist vielen unklar. Kommt dann die Klimakatastrophe? Und was heißt das genau? Eine Studie zeigt es nun für das Problem der Klimaextreme, die in einer Fast-Drei-Grad-Welt deutlich zunehmen werden.

Danach werden Kinder von heute im Laufe ihres Lebens viel stärker von solchen Ereignissen betroffen sein als die Erwachsenen von heute. Konkret: Ein Kind, das 2021 geboren wird und, zumindest hierzulande, gute Chancen hat, das Jahr 2100 zu erleben, wird durchschnittlich doppelt so viele Waldbrände, zwei- bis dreimal so viele Dürren, fast dreimal so viele Flussüberschwemmungen und Ernteausfälle sowie siebenmal mehr Hitzewellen erleben als eine Person, die heute zum Beispiel 60 Jahre alt ist. Erschienen ist die Studie, an der unter anderem das Potsdam-Institut beteiligt war, in „Science“.

1,5-Grad-Ziel in weiter Ferne

Grundlage für die Berechnungen ist ein Erwärmungsszenario, das von den aktuellen, noch ungenügenden Zusagen der Regierungen zur CO2-Reduktion ausgeht. Werden diese Zusagen eingehalten, erhitzt sich die Erde bis 2100 um etwa 2,7 Grad, wie das UN-Klimasekretariat jüngst mitgeteilt hat. Das Zwei-Grad-Limit würde also verfehlt, das 1,5-Grad-Ziel sowieso.

Die Sicherheit der jungen Generationen sei „ernsthaft bedroht“, schlussfolgert Hauptautor Wim Thiery von der Vrije Universiteit Brussel. Es brauche drastische Emissionsreduzierungen, um ihre Zukunft zu sichern. Die Chance, die Gefahren wirklich einzudämmen, gibt es nicht mehr, das zeigt die Studie leider auch. Doch das 1,5-Grad-Limit würde zum Beispiel den Anstieg der weltweiten Landfläche, die von gefährlichen Hitzewellen betroffen ist, von heute 15 Prozent auf 22 Prozent anno 2100 begrenzen. Bliebe es beim jetzigen Pfad, wären es 46 Prozent, also fast die Hälfte. Auf die CO2-Bremse zu steigen, lohnt sich also.

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