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Ein Klischee: Pendel kommen in der Medizin nur selten zum Einsatz.
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Ein Klischee: Pendel kommen in der Medizin nur selten zum Einsatz.

Hypnose

Die Aufmerksamkeit ganz gezielt lenken

Hypnosen sind kein Hokuspokus. Diese Art der Therapie ist durchaus anerkannt – vorausgesetzt, sie wird von Fachleuten durchgeführt.

Hypnosen haftet ein zweifelhafter Ruf an. Das hat eine Menge mit den Bildern zu tun, bei denen hypnotisierte Menschen auf Bühnen unfreiwillig komische Dinge tun – und sich nach dem „Erwachen“ nicht mehr erinnern. Mit einer seriösen therapeutischen Hypnose hat das nichts zu tun. „Bühnen- oder Showhypnosen vermitteln das Bild der Hypnose als autoritäre Manipulationstechnik und erschwert dadurch die Anwendung in den medizinischen und psychologischen Praxen“, sagt der Psychologe Thilo Hartmann.

Unter Ärzt:innen, Zahnärzt:innen und Psychotherapeut:innen ist Hypnotherapie durchaus verbreitet. Sie kommt etwa bei bestimmten Phobien, bei Schmerztherapien, Ängsten vor bestimmten Behandlungen oder bei der Rauchentwöhnung zum Einsatz. Der Begriff Hypnose bezeichne zum einen den veränderten Bewusstseinszustand, die hypnotische Trance, erläutert Hartmann.

Diese lasse sich „objektiv“ von Wachbewusstsein, Schlaf, religiöser Trance und Meditation unterscheiden. „Hypnose bezeichnet aber auch den Prozess, der in eine hypnotische Trance führt, die sogenannte Tranceinduktion.“

Zur Info

Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Hypnotherapie nur in Ausnahmen auf Antrag, teilt die Deutsche Gesellschaft für Hypnose und Hypnotherapie mit. Bei Privatkassen sei die Kostenübernahme unterschiedlich geregelt. Daher sich am besten vor Therapiebeginn bei der Kasse über Möglichkeiten der Kostenübernahme informieren. Dem Verband zufolge kosten psychotherapeutische Hypnosebehandlungen zwischen 80 und 150 Euro für 50 Minuten.

„Die Hypnose wirkt gut gegen Angst und Stress“, betont Barbara Schmidt, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Klinische Psychologie an der Uni Jena. Aus dem Grund wird sie in Situationen eingesetzt, in denen man eine optimale Leistung bringen möchte, etwa bei einem Wettkampf, Bewerbungsgespräch oder Bühnenauftritt. Dabei hilft die Hypnose, eigene Ressourcen zu aktivieren. „Sie setzt bereits vorhandene Fähigkeiten frei.“ Wichtig sei dabei die Fähigkeit der Umdeutung von äußeren Reizen, sodass aus dem vorher bedrohlichen Herzklopfen die Gewissheit werden kann, dass der eigene Körper gerade alle nötigen Kräfte zur Verfügung stellt, um die Situation zu meistern.

Hypnose kann vor oder während Operationen eingesetzt werden, um Ängste abzubauen und Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren. „Sie kann durchaus Medikamente und Narkose ersetzen oder ergänzen und führt zu einer besseren Verarbeitung der ansonsten als traumatisch wahrgenommenen Situation“, sagt Schmidt. Bekannt ist der Einsatz der Hypnose in der Zahnarztpraxis, um die Behandlung für den Patient:innen angenehmer zu machen und die Furcht zu nehmen.

Es gibt auch Therapiemethoden, die mittels Hypnose das Wiedererleben eines Traumas aktiv herbeiführen, um damit umzugehen. „Dabei kommt auch die Methode des sicheren Ortes zum Einsatz, die ich in meiner Forschung verwende“, erläutert Schmidt. „Der Proband stellt sich unter Anleitung vor, dass er an einem Ort ist, an dem er sicher und wohlbehütet ist. Auf diesen kann er dann immer zurückgreifen, wenn eine Erfahrung zu intensiv wird.“ Hypnose und auch Hypnotherapie sind laut Hartmann keine rechtlich geschützten Titel, es gibt keinen regulierten Zugang zu den Ausbildungen und einen breiten „grauen Markt“ an angebotenen Leistungen. „Eine Praxis kann also jeder eröffnen“, sagt der Hypnotherapeut, Coach und Supervisor mit eigener Praxis in Berlin. „Und dort werden leider oft unkritisch und ungeprüft gefährliche Heilsversprechen gegeben.“

Sucht man einen Therapeuten, sollte der nicht nur Hypnose können, rät Hartmann. „Wenn er eine zusätzliche Grundausbildung in einem Beruf wie Psychologie, Medizin, Pädagogik, Philosophie vorweisen kann, sind das gute Zeichen.“ Die deutschsprachigen Hypnosegesellschaften geben auf dem Portal „Hypnose.de“ einen Überblick über Möglichkeiten und Grenzen von Hypnose – außerdem sind dort die Suchmasken zur Suche von Ärzt:innen und Therapeut:innen der einzelnen Gesellschaften verlinkt.

Ängste auslösen kann das hierarchische Gefälle, das in der klassischen Hypnose anzutreffen ist. Doch Hartmann betont, dass es kaum möglich sei, Menschen gegen ihren Willen zu hypnotisieren. „Die allermeisten Menschen werden sich einem Hypnotiseur erfolgreich verweigern, wenn Sie ihm nicht trauen und keine Vorteile von einer Zusammenarbeit erwarten.“ Zudem gebe es die Vorstellung, dass der Hypnotiseur dem Patienten eine Verhaltensänderung einredet, die dieser dann willenlos ausführen muss, sagt Hartmann. Das stehe der Wirksamkeitsforschung in der Psychotherapie jedoch entgegen.

Dass man aus einer Hypnose nicht mehr erwachen kann, ist ebenfalls eine Mär. Im seriösen Fach funktioniert ein „Wiedererwachen“ anders: „Hat ein Therapeut die Hypnose eingeleitet, wird er den Patienten durch eine Reorientierung auf das Hier und Jetzt wieder herausholen“, sagt Forscherin Barbara Schmidt. Das geht etwa über das Herunterzählen von Zehn auf Eins, während man dem Patienten sagt, dass er bei Eins wieder völlig wach ist.

Nach einer Hypnose fühlen sich Proband:innen oft erfrischt und entspannt. „Die Hypnose an sich hat keine unmittelbaren Folgen.“ (Angelika Mayr, dpa)

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