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Dialyse: Nierenkranke mit vergeblicher Hoffnung

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Von: Ursula Rüssmann

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Tausende Patientinnen und Patienten an der Dialyse sind ohne Chancen auf eine Transplantation.

Frankfurt am Main - Etwa 100 000 Menschen in Deutschland sind so schwer nierenkrank, dass sie zum Überleben regelmäßige Dialyse brauchen – also eine Blutwäsche, meist dreimal wöchentlich für vier bis fünf Stunden. Da die Dialyse aber nur etwa 20 Prozent der Nierenfunktion ersetzen kann, häufen sich mit der Zeit Mangelerscheinungen und Begleiterkrankungen. Die Lebenserwartung der Betroffenen sinkt. Nur rund 20.000 Nierenkranke sind hierzulande transplantiert.

In den meisten anderen europäischen Ländern dagegen, so Transplantationsmediziner Bernhard Banas, ist das Zahlenverhältnis besser: Dort leben mehr transplantierte als dialysepflichtige Nierenpatient:innen oder zumindest etwa gleich viele. Nierentransplantierte haben weitaus bessere Perspektiven: Nach Zahlen der Europäischen Nephrologenvereinigung (ERA) können sie im Schnitt auf doppelt so viele weitere Lebensjahre hoffen wie gleichaltrige Dialysepatient:innen. Nierenkranken Menschen an der Dialyse, die älter als 50 Jahre sind, droht der Tod statistisch gesehen sogar meist schon innerhalb von zehn Jahren.

An der Dialyse sinkt die Lebenserwartung stetig

Allerdings: Auch die Wartezeit für eine Spenderniere beträgt in Deutschland inzwischen rund zehn Jahre – europaweit einer der höchsten Werte. „Die Lebenserwartung der über 50-Jährigen reicht also in Deutschland gar nicht mehr, um das lange Warten zu überleben und noch ein Spenderorgan zu bekommen“, sagt Mediziner Banas.

Dialyse
Die Wartezeit für eine Spenderniere beträgt in Deutschland inzwischen rund zehn Jahre. © Arno Burgi/dpa

Insgesamt warten hierzulande drei von zehn Kranken vergeblich auf der Warteliste des europäischen Verbundes Eurotransplant – entweder sterben sie, bevor sie ein Organ bekommen, oder sie sind irgendwann zu krank, um noch transplantiert werden zu können. Hier sieht Banas eine Ursache, warum von den 100 000 dialysebedürftigen Patient:innen derzeit überhaupt nur 6600 auf der Warteliste stehen: Viele Kranke hätten aufgegeben, sie sähen keinen Sinn mehr im jahrelangen Hoffen und Warten und in der damit verbundenen Anspannung.

Viele Tausend Todesfälle jährlich durch Nierenerkrankungen

Auch viele Ärzt:innen meldeten zu wenig, kritisiert Experte Banas: „Es gibt viel mehr transplantierbare Patientinnen und Patienten.“ Er schätzt, dass deutschlandweit mindestens 40 000 Kranke gelistet werden müssten. Geschähe das, würden bei gleichbleibend langen Wartezeiten aber auch die Sterbezahlen der Wartenden in die Höhe schnellen. Derzeit geht man davon aus, dass jährlich rund 1000 der gelisteten Patient:innen sterben, bevor der rettende Anruf kommt. Insgesamt sterben laut Statistischem Bundesamt aber viel mehr Menschen an Nierenerkrankungen: Allein 2020 waren es mehr als 18 000. (Ursula Rüssmann)

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