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Deutscher Krebspreis 2022: Drei Ärzte erhalten Auszeichnung – darunter ein Frankfurter Spitzenforscher

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Von: Pamela Dörhöfer

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Salah-Eddin Al-Batran. Krankenhaus Nordwest Frankfurt.
Salah-Eddin Al-Batran. © Krankenhaus Nordwest Frankfurt.

Drei Forscher erhalten den Deutschen Krebspreis 2022. Darunter ist ein Frankfurter Spitzenforscher, der mit einer geänderten Standardtherapie Leben rettet.

Frankfurt am Main – Für ihre Arbeiten zu Magen- und Speiseröhrenkrebs, zu Hirntumoren und Leberkrebs – alles oft schwer behandelbare Tumorarten – erhalten drei Spitzenforscher den Deutschen Krebspreis 2022: Ausgezeichnet werden Salah-Eddin Al-Batran vom Krankenhaus Nordwest in Frankfurt in der Kategorie „Klinische Forschung“, Frank Winkler vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg (DKFZ) in der Kategorie „Translationale Forschung“ sowie Mathias Heidenwälder, ebenfalls DKFZ, in der Kategorie „Experimentelle Forschung“. Der Deutsche Krebspreis ist mit jeweils 7500 Euro dotiert und wird jährlich von der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) vergeben. Kriterien sind eine „herausragende wissenschaftliche Originalität und die Qualität aktueller und zukunftsweisender Arbeiten im Bereich Onkologie“.

Salah-Eddin Al-Batran ist ärztlicher Direktor des Instituts für Klinisch-Onkologische Forschung und geschäftsführender Direktor des Instituts für Klinische Krebsforschung am Krankenhaus Nordwest in Frankfurt. Er zählt zu den weltweit anerkanntesten Spezialisten für Magen- und Speiseröhrenkrebs. Unter anderem hat er die „FLOT“-Therapie entwickelt, eine Chemotherapie, die vor und nach der operativen Entfernung von Tumoren des Magens und der Speiseröhre gegeben wird.

Frankfurter Spitzenforscher erhält Krebspreis 2022 für geänderte Standardtherapie

Mit diesem Vorgehen konnten die Überlebenschancen von Patientinnen und Patienten deutlich verbessert werden. Die Forschungsergebnisse gaben denn auch den Anstoß für „eine Veränderung der weltweit geltenden Therapiestandards beim Magen- und Speiseröhrenkrebs“, wie es in einer Mitteilung der DKG heißt.

Al-Batran und sein Team haben weitere „wegweisende Studien“ zu Magen- und Speiseröhrenkrebs auf den Weg gebracht und arbeiten zudem an einer Plattform zur klinischen Forschung zu Biomarkern. Als Biomarker werden Merkmale im Blut oder Tumorgewebe bezeichnet, die Anhaltspunkte liefern, ob ein Tumor etwa auf eine bestimmte Therapie reagieren wird. „Ich freue mich sehr und betrachte es als eine besondere Ehre, diesen Preis zu erhalten“, sagt Al-Batran. „Unsere jahrzehntelange Arbeit in der Krebsforschung erfährt auf diese Weise eine außerordentliche Anerkennung.“

Deutscher Krebspreis 2022: Drei Forscher forschen an Therapien für schwer behandelbaren Tumore

Frank Winkler vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg wird für seine Erfolge auf dem Gebiet der translationalen Forschung zu Hirntumoren ausgezeichnet. Ziel translationaler Forschung ist es, Ergebnisse aus der Grundlagenforschung für die klinische Praxis nutzbar zu machen. Winkler lieferte eine Erklärung dafür, warum bestimmte Hirntumore wie Glioblastome schlecht auf Therapien ansprechen. Sie wachsen wie ein Pilzgeflecht diffus in das gesunde Gehirn ein, so dass sie sich durch eine Operation kaum vollständig entfernen lassen. Auch Chemo- und Strahlentherapien vernichten sie meist nicht in Gänze.

Frank Winkler. Deutsches Krebsforschungszentrum
Frank Winkler. © Deutsches Krebsforschungszentrum

Winkler fand heraus, dass die Zellen dieser Hirntumore zu diesem Zweck miteinander kommunizieren und überlebenswichtige Stoffe austauschen. Darüber hinaus nutzen sie Signale von gesunden Nervenzellen, um schneller zu wachsen. Diese Mechanismen, heißt es in der Mitteilung der DKG, böten „nicht nur fundamental neue Erklärungsansätze für das hochaggressive Wachstum dieser Tumorart“, sondern lieferten auch Ansätze für neue Therapien.

Neben Frankfurter Spitzenforscher: Zwei weitere Forscher erhalten Deutschen Krebspreis 2022

Mathias Heikenwälder, Grundlagenforscher am DKFZ, erhält den Preis für „wegweisende Arbeiten“ zur Entstehung von Leberkrebs. Er beschrieb erstmals einen Mechanismus, wie Hepatitis-B- und -C-Viren chronische Entzündungen in der Leber auslösen und dort Tumore verursachen können. Heikenwälder stellte zudem fest, dass bestimmte Entzündungssignale das Erbgut der Hepatitis-B-Viren eliminieren und deren Vermehrung in Leberzellen unterbinden können.

Mathias Heikenwälder. Deutsches Krebsforschungszentrum
Mathias Heikenwälder. © Tobias Schwerdt

Daneben konnte der Forscher auch zeigen, wie der Übergang von einer Fettleber zu Leberkrebs gesteuert wird – und wie sich dieser Prozess durch Medikamente aufhalten lässt. (Pamela Dorhöfer)

Vor kurzem haben Forschende untersucht, weshalb auch Menschen mit einer gesunden Ernährungsweise die Diagnose Fettleber erhalten können.

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