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Die Surveyor-Sonden waren in den 1960er Jahren die Vorboten für die Astronauten.
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Die Surveyor-Sonden waren in den 1960er Jahren die Vorboten für die Astronauten.

Mysteriöses Objekt

Der zweite Mond ist eine Rakete

  • Tanja Banner
    vonTanja Banner
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Wie sich ein Objekt, das die Erde umkreist, als Relikt einer NASA-Mission entpuppt.

Seit Mitte November hat die Erde vorübergehend einen zweiten Mond. Das Objekt mit dem Namen 2020 SO wurde von der Schwerkraft der Erde „eingefangen“ und wird sie bis März 2021 umkreisen. Dann - so haben es Forschende berechnet – wird sich das Objekt aus der Zone lösen, in der die Schwerkraft der Erde wirkt, und auf einer neuen Umlaufbahn um die Sonne kreisen.

Doch 2020 SO ist nicht irgendein beliebiges Objekt: Es handelt sich dabei um eine ausrangierte Raketenstufe. Forschende vermuten bereits seit einiger Zeit, dass es sich um die Centaur-Raketenstufe handeln könnte, die die „Surveyor 2“-Mission der US-Raumfahrtorganisation Nasa im Jahr 1966 in Richtung Mond beförderte. Die Mission ging schief und die ausgebrannte Raketenstufe machte sich planmäßig auf den Weg zu ihrer Umlaufbahn um die Sonne.

„2020 SO“ stammt aus der Zeit des „Space Race“

Nach ausführlichen Beobachtungen und Analysen sind sich Forschende nun sicher: Die Raketenstufe von 1966 ist in die Nähe der Erde zurückgekehrt. Aktuelle Beobachtungen bestätigen das: Mithilfe eines Nasa-Teleskops auf Hawaii versuchte ein Team um den Planetenwissenschaftler Vishnu Reddy, die Farbe des Objekts zu bestimmen – eine schwierige Aufgabe: „Wegen der extremen Mattigkeit des Objekts war es ein herausforderndes Objekt“, erinnert sich Reddy und ergänzt: „Wir haben Farbbeobachtungen gemacht, die nahelegen, dass 2020 SO kein Asteroid ist.“

Weitere Beobachtungen folgten: Das Team um Reddy analysierte die Beschaffenheit des Objekts und verglich die Spektraldaten von 2020 SO mit den Daten von Edelstahl – dem Material, aus dem die Centaur-Raketenstufen in den 1960er Jahren hergestellt wurden. Doch die Daten stimmten nicht hundertprozentig überein. Die Vermutung der Forschenden: Die Spektren von Edelstahl, der 54 Jahre den widrigen Bedingungen des Weltalls ausgesetzt ist, und neuem Edelstahl im Labor passten einfach nicht zusammen.

Eine weitere Beobachtung sollte Klarheit schaffen. „Wir wussten, wenn wir Äpfel mit Äpfeln vergleichen wollen, müssen wir die Spektraldaten von einer anderen Centaur-Raketenstufe finden, die seit vielen Jahren im Erdorbit ist“, erklärt Reddy die Idee seines Teams. Allerdings sei eine solche Beobachtung extrem schwierig: Wegen der „extremen Geschwindigkeit“, mit der eine Centaur-Raketenstufe die Erde umkreise, sei es nicht einfach, „solide und zuverlässige Daten“ zu gewinnen.

Doch am 1. Dezember 2020 gelang dem Team um Reddy, was sie kaum für möglich gehalten hatten: Sie beobachteten eine Centaur-Raketenstufe, die seit 1971 die Erde umkreist, lange genug, um Spektraldaten zu erhalten. Diese Daten konnten sie mit dem Objekt 2020 SO vergleichen – und siehe da: Die Daten stimmten überein. Das Ergebnis der Forschenden: Bei 2020 SO handelt es sich wie vermutet um eine Centaur-Raketenstufe.

Bei ihren unbemannten Missionen zum Mond setzte die Nasa die Centaur-Raketenstufen ein.

Bereits zuvor hatte es Hinweise darauf gegeben, dass 2020 SO tatsächlich eine leere Raketenstufe sein könnte. Sonnenstrahlung veränderte die Flugbahn des mysteriösen Objekts stärker, als das bei einem Asteroiden der Fall sein dürfte. Sonnenstrahlung hat auf hohle Objekte – wie eine leere Raketenstufe – größere Auswirkungen als auf Felsbrocken wie Asteroiden. Ein leichtes, hohles Objekt mit einer großen Oberfläche wird von der Sonnenstrahlung mehr herumgestoßen als ein Stein – das Zentrum für Studien erdnaher Objekte der Nasa (CNEOS) vergleicht es mit einer leeren Getränkedose, die vom Wind mehr bewegt wird als ein kleiner Stein.

Außerdem zeigten Berechnungen, dass 2020 SO im Jahr 1966 der Erde sehr nahe kam – so nah, dass das Objekt möglicherweise in diesem Jahr von der Erde gestartet war. „Einer der möglichen Pfade für 2020 SO brachte das Objekt im späten September 1966 sehr nah an die Erde und den Mond“, erklärt CNEOS-Leiter Paul Chodas, wie er auf die Idee kam, dass es sich bei 2020 SO um die Surveyor-2-Raketenstufe handeln könnte. „Es war wie ein Eureka-Moment, als eine schnelle Überprüfung der Startdaten für Mondmissionen eine Übereinstimmung mit der Surveyor-2-Mission zeigte“, freut sich Chodas.

Nun ist die Centaur-Raketenstufe in die Nähe der Erde zurückgekehrt. Am 8. November 2020 wurde sie von der Schwerkraft der Erde eingefangen. Bis März 2021 wird sie als „Mini-Mond“ zwei große Schleifen um die Erde ziehen. Am 1. Dezember 2020 erreichte das nun identifizierte Objekt seine größte Annäherung an die Erde. Astronom:innen wollen 2020 SO, das Relikt aus der Zeit des „Space Race“, beobachten, so lange es möglich ist.

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