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Der Mars und die Fragen nach Leben

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Von: Pamela Dörhöfer

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Der Jezero-Krater steht im Zentrum des Interesses. Nasa
Der Jezero-Krater steht im Zentrum des Interesses. © Nasa

Studien liefern Hinweise auf die Existenz organischer Verbindungen auf dem roten Planeten

Gab es früher Leben auf dem Mars, gibt es das noch, zumindest in einfacher Form winziger Mikroorganismen? Diese Frage beschäftigt Wissenschaft und Weltraumorganisationen seit Jahrzehnten und fasziniert die Menschheit noch weit länger. Geklärt ist sie indes bis heute nicht. Mehrere Studien deuten nun darauf hin, dass die Antwort tatsächlich Ja lauten könnte. So liefert die Analyse eines internationalen Forschungsteams Hinweise auf organische Verbindungen in Felsen auf dem Boden des Jezero-Kraters. Geleitet wurde die im Fachmagazin „Science“ veröffentlichte Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Californien Institute of Technology in Pasadena (Caltech).

Der Jezero-Krater ist der Landeplatz, wo der Perserverance-Rover der US-Weltraumbehörde Nasa im Jahr 2020 aufsetzte. Die Analyse soll „eine signifikante Wechselwirkung zwischen den Felsen und flüssigem Wasser“ sowie Beweise für das Vorhandensein organischer Verbindungen ergeben haben, teilt das an der Studie beteiligte Imperial College London mit. Tatsächlich ließen bereits Aufnahmen aus der Luft und Untersuchungen von Perseverance aus dem vergangenen Jahr vermuten, dass es in dieser etwa 45 Kilometer großen Senke bis vor rund 3,7 Milliarden Jahren einen See mit einem einmündenden Flussdelta gab, der vermutlich mehr oder weniger dauerhaft gefüllt war. Das würde gleichzeitig bedeuten: Das Klima auf dem Mars muss damals warm und feucht genug gewesen sein, um ein solches Gewässer zu beherbergen.

Flüssiges Wasser gilt nach heutigem Stand der Wissenschaft als Bedingung für Leben, einen eindeutigen Beweis dafür stellt es allerdings nicht dar – genauso wenig wie es organische Verbindungen sind, da sie auch von nicht-biologischen Prozessen herrühren können, etwa durch den Einschlag von Meteoriten auf der Oberfläche. (Organische Verbindungen sind komplexe Moleküle, die zu einem Großteil aus Kohlenstoff und Wasserstoff bestehen.) Bereits die Vorgänger-Mission von Perseverance in Gestalt des Nasa-Rovers Curiosity hatte auf dem Mars Spuren organischer Verbindungen entdeckt.

Um allerdings definitive Gewissheit zu bekommen, müsste das Gestein auf der Erde in Laboren mit hochmodernen Instrumenten untersucht werden, sagt Mark Sephton von der Abteilung für Erdwissenschaften am Imperial College London und Mitglied des Wissenschaftsteams: „Ich hoffe, dass diese Proben eines Tages zur Erde gebracht werden können, damit wir uns die Beweise für Wasser und mögliches organisches Material ansehen und untersuchen können, ob die Bedingungen für Leben in der Frühgeschichte des Mars passend waren.“ Die Nasa und auch die europäische Weltraumorganisation Esa planen für die Zukunft genau eine solche Mission.

Der Rover Perseverance hatte zuvor bereits organische Verbindungen im Jezero-Delta gefunden. Ein Delta entsteht, wenn ein Fluss in ein tieferes, langsamer fließendes Gewässer eintritt. Für die Suche nach Leben ist eine solche Formation insbesondere deshalb interessant, weil sich Sedimente in den unteren Schichten ablagern, wenn sich das Flusswasser bei der Ausbreitung abrupt verlangsamt. Auf diese Weise werden auch alle Mikroorganismen konserviert, die möglicherweise im Wasser vorhanden waren.

Der Roboterarm Sherloc von Perseverance, der mit einer Reihe von Werkzeugen ausgestattet ist, hat nun auch den Boden des Kraters, in dem der Rover landete, untersucht. Er fand dort abgekühltes Magma, in dem Mineralien enthalten sind, die Wasser benötigen, um in dieser Art von Gestein zirkulieren zu können. An einigen Stellen – es handelt sich um Nischen im Gestein – entdeckten die Forschenden zudem Hinweise auf organische Stoffe.

Forschende der Arizona State University haben auf dem roten Platen ebenfalls Hinweise für Wasser gefunden. Dieses Team hatte Daten des Mastcam-Z-Instruments – einer Kamera, die extrem hochauflösende Bilder liefert – analysiert. Die Aufnahmen zeigen Felsen vulkanischen Ursprungs und Felsen, die einst Meteoriten waren. Sprünge im Gestein und Zeichen von Verwitterung deuteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler als Spuren, die durch das Einwirken von Wasser entstanden sind.

Ähnliche Hinweise fand auch ein Team der Texas A & M University; hier stützten sich die Untersuchungen auf Röntgenaufnahmen des Pixl-Instruments. Nun also heißt es warten auf eine Mission, die Proben mit zur Erde bringen kann. Ein genauer Starttermin dafür steht allerdings noch nicht fest.

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