Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Parasiten (durchsichtig blau) befallen rote Blutkörperchen und verursachen so Malaria.
+
Parasiten (durchsichtig blau) befallen rote Blutkörperchen und verursachen so Malaria.

Biontech und Co

Biontech arbeitet an neuem Impfstoff: Der lange Weg zum Malaria-Vakzin

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
    schließen

Mehrere Hersteller, darunter auch Biontech, arbeiten an Impfstoffen gegen Malaria.

Frankfurt - So schnell wie es gelang, Impfstoffe gegen Covid-19 auf den Markt zu bringen, so schwer tat sich die Forschung bislang damit, effektive Vakzine gegen Malaria zu entwickeln. Trotz vieler Anstrengungen seit Jahrzehnten waren die Erfolge eher bescheiden. Einer der Gründe dafür: Die Erreger – einzellige Parasiten – durchlaufen im Körper mehrere Lebensstadien und bewirken ein komplexes Infektionsgeschehen, das den Zugriff des Immunsystems erschwert.

Nun allerdings gibt es Meldungen, die darauf hoffen lassen, dass sich die Situation für die Menschen in Malariagebieten in den nächsten Jahren bessern könnte – auch wenn eine Ausrottung dieser gefährlichen Infektionskrankheit vermutlich auf absehbare Zeit nicht zu erwarten ist.

Vor allem in Afrika zählt Malaria zu den schlimmsten gesundheitlichen Bedrohungen, Hauptleidtragende sind die durch die Infektion am stärksten gefährdeten Kinder. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat für 2019 weltweit 229 Millionen Krankheitsfälle gemeldet, 409.000 Menschen starben an Malaria. Bisher hat es kein einziger Impfstoff zur Zulassung geschafft; möglich ist eine medikamentöse Prophylaxe, die das Infektionsrisiko mindern soll, aber nur zeitlich begrenzt wirkt.

Impfstoff gegen Malaria: Lebend-Vakzin nur mit gleichzeitiger Prophylaxe

Aktuell arbeiten mehrere Firmen an Malaria-Vakzinen; sie verwenden dabei unterschiedliche Technologien. Das US-Unternehmen Sanaria aus Maryland setzt bei seinem Präparat mit dem Namen PfSpZ auf ein erweitertes klassisches Impfstoffprinzip, bestehend aus lebenden Malaria-Erregern der Art Plasmodium falciparum, und einer gleichzeitigen medikamentösen Malaria-Prophylaxe mit Chloroquin. Die zusätzliche Prophylaxe ist nötig, weil der Lebendimpfstoff mit dem Risiko einer Infektion verbunden ist. Einen kompletten Erreger einzusetzen, hat im Gegenzug aber den Vorteil, dem Immunsystem nicht nur ein einzelnes Protein, sondern eine Vielzahl an fremden Strukturen zu präsentieren, auf die es reagieren kann. Das macht die Immunantwort breiter und erhöht die Chance, dass sie auch bei Varianten greift. Wie das „Ärzteblatt“ berichtet, versucht der Hersteller bereits, mit Hilfe der Gen-Schere Crispr/Cas den verwendeten Erreger so zu modifizieren, dass die Impfung ohne Chemoprophylaxe mit Chloroquin verabreicht werden kann.

In einer Phase-1-Studie wurde der Impfstoff in unterschiedlichen Dosierungen getestet, Drei Monate später infizierte man die Teilnehmenden mit einem Malariaerreger, um zu testen, ob ihr Immunsystem ausreichend schützende Antikörper gebildet hatte. Laut „Ärzteblatt“ erzielte die niedrigste Dosis nur eine „bescheidene Schutzwirkung“: Nur zwei der neun Freiwilligen seien vor einer Infektion geschützt gewesen. Die höchste Dosierung hingegen soll sieben von acht Freiwilligen vor einer Infektion bewahrt haben. Bei sieben von neun Freiwilligen soll der Impfstoffkandidat zudem eine Infektion mit einer Variante des Plasmodiums verhindert haben.

Die Krankheit

Malaria ist eine Infektionskrankheit, die in mehr als 100 Ländern – vor allem in den Tropen und Subtropen – vorkommt. Etwa 40 Prozent der Welt-bevölkerung lebt in durch die Malaria bedrohten Gebieten; am stärksten betroffen mit 94 Prozent der Krankheitsfälle ist Afrika.

Verursacht wird Malaria von einzelligen Parasiten der Spezies Plasmodium. Es gibt drei verschiedene Formen der Malaria, die von verschiedenen Plasmodien hervorgerufen werden: Malaria tropica durch Plasmodium falciparum (diese Form gilt als am gefährlichsten und ist in Afrika besonders verbreitet), Malaria tertiana durch Plasmodium vivax und ovale sowie Malaria quartana durch Plasmodium malariae.

Überträgerinnen sind weibliche Anopheles-Mücken, die erst nach der Dämmerung aktiv sind. Auch Über- tragungen von Mensch zu Mensch über Blutkontakte sind möglich.

Die Symptome können denen einer Grippe ähneln. Mögliche Beschwerden sind Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost, manchmal auch Schweißausbrüche, Durchfall und Erbrechen. Sie treten frühestens eine Woche nach dem Mückenstich auf, können sich aber auch erst nach Monaten bemerkbar machen.

Zur Verhinderung einer Infektion sollte man abends Kleidungsstücke tragen, die Arme und Beine bedecken, Mückenschutzmittel und Moskitonetze verwenden. Zur Prophylaxe und zur Behandlung stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung. Allerdings sind einige Erreger bereits resistent geworden. pam

Auch Forschungsteam aus Oxford arbeitet an Impfstoff gegen Malaria

Einen anderen Ansatz verfolgen Impfstoffe, die keinen kompletten Erreger enthalten, sondern Teile des Zircumsporozoiten-Proteins der Sporozoiten des Malaria-Erregers Plasmodium falciparum. Sporozoiten bezeichnen ein bestimmtes Entwicklungsstadium der Parasiten, die sich nach dem Stich einer befallenen Mücke in der Leber einnisten, dort vermehren, anschließend ins Blut strömen und die roten Blutkörperchen befallen. Das Zircumsporozoiten-Protein ist unter anderem am Andocken an menschliche Zellen beteiligt.

Einer der Impfstoffe auf dieser Basis ist „RTS,S“, Handelsname „Mosquirix“. Er wurde von dem britischen Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline in Kooperation mit der PATH Malaria Vaccine Initiative entwickelt und von der Bill & Melinda Gates Foundation gefördert. „Mosquirix“ befindet sich derzeit in Zulassungsverfahren. Die WHO prüft in Feldversuchen, was der Impfstoff unter alltäglichen Bedingungen in den betroffenen Ländern taugt. Zu diesem Zweck sollen bis 2022 rund 700.000 Kinder in Malawi, Kenia und Ghana damit geimpft werden. Nach bisherigen Studienergebnissen erscheint die Wirksamkeit aber eher bescheiden, sie liegt bei etwa 30 bis 40 Prozent. Dass die Arbeit an diesem Impfstoff bereits vor mehr als 30 Jahren begonnen hat, belegt, wie mühsam die Entwicklung eines Malaria-Vakzins ist.

Ein anderer Impfstoff ähnlicher Bauart heißt „R21“ und wurde von einem Forschungsteam der britischen Oxford-Universität entwickelt. Er besteht aus winzigen Partikeln eines im Labor hergestellten Oberflächenproteins des Hepatitis-B-Virus und Teilen des Zircumsporozoiten-Proteins. Zugesetzt ist ein Wirkverstärker der US-Firma Novavax, den auch deren (noch nicht zugelassener) Covid-Impfstoff enthält. Eine Phase II b-Studie mit 450 Kindern in Burkina Faso ergab für „R21“ eine Wirksamkeit von rund 75 Prozent.

Nach Corona-Vakzin arbeitet Biontech an Malaria-Impfstoff

Auch Biontech arbeitet an einem Impfstoff gegen Malaria und nutzt dabei wie bei seinem Covid-Vakzin die mRNA-Technologie. Das Mainzer Pharmaunternehmen will in verschiedenen Ländern gleich mehrere Impfstoffkandidaten testen. Der vielversprechendste soll dann ab Ende 2022 in klinischen Studien erprobt werden. Getestet auf ihre Eignung als Impf-Antigen werden verschiedene Oberflächenproteine der Malaria-Parasiten. Wie beim Covid-Impfstoff von Biontech soll dieses Protein aber nicht direkt zugeführt werden. Der Körper erhält mit der Impfung den genetischen Bauplan in Form von mRNA. Laut Biontech-Chef Ugur Sahlin soll das Vakzin den Malaria-Parasiten bereits bei seinem Eintreten in den Körper sichtbar und somit für das Immunsystem angreifbar machen.

Neben Biontech entwickelt auch ein US-amerikanisches Forschungsteam des Walter Reed Army Instituts of Research, des Naval Medical Research Center und der Universität Pennsylvania ein mRNA-basiertes Malaria-Vakzin. Dort hat man sich aber bereits auf das Zirkumsporozoiten-Protein als Antigen festgelegt.

Ein andere Art von Schutz als eine Impfung könnte ein Antikörper bieten. Laut einer Studie der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde NHI soll nach der Gabe des Antikörpers mit Namen CIS43LS keiner von neun Menschen, die sich freiwillig mit dem Malaria-Erreger infizieren ließen, erkrankt sein. Fünf von sechs Freiwilligen aus der Kontrollgruppe ohne Antikörper hingegen erkrankten. CIS43LS bindet an ein Protein auf der Oberflächen der Sporozoiten des Malaria-Erregers, das bei allen bekannten Varianten vorkommt. Der Antikörper soll die Parasiten nach der Infektion abfangen, bevor sie die Leber erreichen. Das Mittel wird derzeit in einer Phase-2-Studie in Mali auf seine Sicherheit und Wirksamkeit hin getestet.

Noch einmal ein ganz anderer Ansatz ist es, nicht im menschlichen Körper, sondern direkt bei den Überträgerinnen der Krankheit anzusetzen. Dafür hat ein Team des Imperial College in London die Männchen der Anopheles-Mücke manipuliert. Konkret veränderten die Forschenden das Erbgut mittels Gen-Schere. Die Männchen sollen die eingebaute Fehlfunktion dann an ihre Nachfahren weitergeben. Bei den Weibchen soll diese Veränderung für Unfruchtbarkeit sorgen und so ein Zusammenbrechen der Population bewirken. (Pamela Dörhöfer)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare