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Der Fluch der Partikel

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Von: Joachim Wille

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Feuerwehrleute pumpen in Hamburg Wasser aus einer überfluteten Tiefgarage ab. Sind Partikel schuld an den Unwetterextremen?
Feuerwehrleute pumpen in Hamburg Wasser aus einer überfluteten Tiefgarage ab. Sind Partikel schuld an den Unwetterextremen? © Daniel Bockwoldt/dpa

Die Wetterextreme nehmen zu und treten höchst ungleich verteilt auf. Der Grund könnten Stoffe sein, die aus der Verbrennung von Kohle und Erdöl stammen. Die Kolumne „Öko-logisch“.

Es regnet tagelang wie aus Kübeln, Bäche werden zu reißenden Flüssen, die Häuser unterspülen. Oder es bleibt wochenlang trocken, kein Tropfen kommt vom Himmel, und die Ernten vertrocknen auf den Feldern. Hierzulande haben wir das in den letzten Jahren mehrfach erlebt, zuletzt bei der Megaflut an Ahr und Erft sowie in den Trockenheitsjahren 2018 bis 2010. Doch auf allen Kontinenten nehmen die Extremwetter-Ereignisse zu. Es trifft ein, was die Klimamodelle aufgrund der höheren CO2-Konzentrationen seit langem voraussagen. Doch nur langsam kommt die Wissenschaft dem Phänomen auf die Spur, warum die Ereignisse so ungleich verteilt auftreten.

Einem möglichen Auslöser für die Extreme ist ein Forschungsteam des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) nun nachgegangen. Es zeigte: Ultrafeine Partikel in der Atmosphäre, die vor allem aus der Verbrennung von Kohle und Erdöl stammen, wirken stark auf die Wolkenbildung ein – und damit auf das Wettergeschehen. Und das eben sehr unterschiedlich.

Trigger für Extremwetter

Die Teilchen sind maximal 100 Milliardstel Meter groß. Sie bewirken, dass sich bei der Wolkenbildung mehr und kleinere Tropfen bilden. So bleibt das Wasser länger in der Atmosphäre, statt abzuregnen. Die Folge: Es entsteht dort ein zusätzliches Energiereservoir, das extreme Niederschläge begünstigt. Und diese können sogar hunderte Kilometer entfernt von dem Ort niedergehen, an dem die Partikel etwa aus Kraftwerken, Raffinerien oder Schiffsschornsteinen kamen.

Grotesk ist, dass offenbar ausgerechnet die moderne Abgasreinigung zu einem Anstieg der Nanopartikel beitragen hat. Das KIT konnte in Messflügen nachweisen, dass besonders viele davon in die Atmosphäre entweichen, wo in Industrieanlagen Ammoniak eingesetzt wird, um die Bildung von Stickoxiden zu verhindern.

Die Folgen zeigen sich modellhaft in der Mittelmeer-Region. Hier wurde im Schnitt eine 25-fache Erhöhung der Partikelkonzentrationen seit den 1970er Jahren festgestellt, und im selben Zeitraum gab es dort starke Veränderungen bei den Niederschlägen – weg von regelmäßigen Regenfällen, hin zu Dürren und stärkeren Extremereignissen.

Die Schlussfolgerung daraus? Natürlich nicht, auf die Abgasreinigung zu verzichten. Sondern die Energiewende zu forcieren und auf Ökostrom und grünen Wasserstoff umzustellen.

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