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Fleisch oder kein Fleisch: Der Fluch der Currywurst

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Von: Joachim Wille

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Muss ja niemand gleich vegan leben, aber etwas weniger Fleisch ginge schon. Oder?
Muss ja niemand gleich vegan leben, aber etwas weniger Fleisch ginge schon. Oder? © Jörg Carstensen/dpa

Weniger Fleisch essen – können sich die Menschen in Deutschland überhaupt noch eine Currywurst genehmigen? Die Kolumne Öko-Logisch.

Frankfurt – Weltweit wandert jede Menge Getreide in Futtertröge, in Deutschland ist es mehr als die Hälfte. Würde der Fleischkonsum gedrosselt, bliebe mehr übrig, um die Ernährung in Mangelgebieten zu sichern. Keine Currywurst mehr in der VW-Kantine. Diese Ankündigung ließ die Wogen vergangenes Jahr hochgehen. Besonders, als Altkanzler Gerhard Schröder sich einmischte. Ein Verzicht auf den „Kraftriegel der Facharbeiterin und des Facharbeiters in der Produktion“? Undenkbar für ihn.

„Wenn ich noch im Aufsichtsrat von VW säße, hätte es so etwas nicht gegeben“, schrieb Schröder damals auf LinkedIn. Jedenfalls befeuerte dies eine Debatte über den Fleisch-Konsum in Unternehmen. Es gab Tausende von Kommentaren dazu auf den sozialen Plattformen.

Fleisch oder kein Fleisch: Zahl der Hungernden weltweit hat sich verdreifacht

Weniger Fleisch essen? Wer wird Schröders Einlassungen dazu heute noch ernst nehmen? Der Mann hat ja nicht nur mit seiner Currywurst-Verteidigung demonstriert, dass ihm der Kontakt zur Realität verloren gegangen ist. Von Putin hat er sich bis heute nicht richtig distanziert, und das wiegt wohl noch etwas schwerer als die Fleisch-Eloge.

Wobei natürlich gilt: Das Thema Fleisch muss man differenzierter diskutieren als die Verantwortung für den Ukraine-Krieg. Es geht ja nicht darum, alle Menschen zu Vegetariern oder gar Veganern zu machen. Doch dass weniger Fleisch und Milchprodukte gegessen werden sollten, steht wohl außer Frage.

Gerade haben Fachleute in einem Appell der „Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit“ (Klug) daran erinnert, wie prekär die Lage der Ernährung weltweit ist, und wie ein Herunterschrauben des Fleischkonsums helfen könnte. So hat sich die Zahl der akut Hungernden seit 2019 auf 345 Millionen fast verdreifacht. Die Engpässe nehmen zu, und zwar wegen Klima und Krieg.

Fleisch oder kein Fleisch: Getreide für die Schweinemast oder als Ernährung für Mangelgebiete?

Weltweit wandert jede Menge Getreide in Futtertröge, in Deutschland ist es mehr als die Hälfte. Würde der Fleischkonsum gedrosselt, bliebe mehr übrig, um die Ernährung in Mangelgebieten zu sichern. Zudem würden die Preise auf dem Weltmarkt fallen, wenn etwa in Europa die Schweinemast und damit die hohe Nachfrage nach Futtermitteln schnell gedrosselt wird, wie der Öko-Agrarexperte Felix Prinz zu Löwenstein auf dem Klug-Termin sagte. Die betroffenen Betriebe sollten dafür temporär entschädigt werden, schlug er vor.

Auch Ernährungsfachleute empfehlen, den Fleischkonsum zu senken. Auf die Hälfte, vielleicht sogar ein Viertel. Dann ist eine Currywurst ab und zu immer noch drin. Übrigens auch bei VW. Denn in der zweiten Kantine in Wolfsburg, ein paar Meter entfernt auf der anderen Straßenseite, gibt es sie noch. (Joachim Wille)

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