Medizin

Demenz und Alzheimer: Studie aus den USA kommt zu überraschendem Ergebnis

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Infolge der Überalterung der Gesellschaft steigen Demenzerkrankungen wie Alzheimer an. Könnte man meinen. Vor allem wegen Cholesterin und Bluthochdruck.

  • Dass die Überalterung zu Demenzerkrankungen wie Alzheimer führen würde, galt lange als sicher.
  • Eine Studie aus den USA kommt nun zu einem überraschenden Ergebnis.
  • Weshalb Bluthochdruck und Cholesterin eine Rolle spielen könnten.

USA - Seit Jahren wird sorgenvoll erwartet, dass mit der weiteren Überalterung der Gesellschaft auch die Zahl der Menschen, die an einer Demenzerkrankung leiden, erheblich steigen wird. Diese Schlussfolgerung erscheint geradezu zwingend, da mit höherem Alter das Risiko kognitiver Einbußen immer größer wird. Eine Studie aus den USA hingegen kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Demnach nimmt die Zahl der Demenzerkrankungen in Europa und Nordamerika nicht zu, sondern ab, wie das „Ärzteblatt“ berichtet. Das Forscherteam um Albert Hofmann von der T.H. Chan School of Public Health in Boston hatte dafür sieben große Beobachtungsstudien aus den USA, Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Großbritannien und Island mit insgesamt 49 000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter die Lupe genommen.

Demenzerkrankungen nehmen ab - Schlechtes Cholesterin und hoher Blutdruck können Alzheimer auslösen

Zwar bestätigte ihre Analyse das steigende Risiko einer Demenz im Alter, insbesondere für hochbetagte Menschen ab 85 Jahren. Jedoch ergab die Auswertung insgesamt einen Rückgang der Häufigkeit von Demenzerkrankungen – um 13 Prozent pro Jahrzehnt. Wie geht das? Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklären sich diese Entwicklung vor allem damit, dass in den vergangenen Jahrzehnten Bluthochdruck und zu hohe Cholesterinwerte effektiver medikamentös behandelt werden konnten als früher.

Bluthochdruck gehört zu den Erkrankungen, die heute effektiver medikamentös behandelt werden können als früher.

Das spiegelt sich auch in einem Rückgang von Schlaganfällen. Zu viel schlechtes Cholesterin und ein hoher Blutdruck gelten als Risikofaktoren für eine Demenzerkrankung, weil sie die Hirnmaterien schädigen und die Durchblutung des Gehirns verschlechtern können. Das wiederum begünstigt die Ablagerung von Proteinen im Gehirn, die als Auslöser für Morbus Alzheimer, die häufigste Demenzerkrankung, gelten.

Studie: Rund 15 Millionen Menschen weniger könnten an Demenz erkranken als gedacht

Das US-Forscherteam schließt aus seinen Beobachtungen, dass bis zum Jahr 2040 in Ländern mit hohen Durchschnittseinkommen möglicherweise rund 15 Millionen Menschen weniger an Demenz erkrankt sein werden, als man bisher angenommen hat. Nur in diesen Ländern ist die medizinische Versorgung so gut, dass Patienten mit Bluthochdruck und hohen Cholesterinwerten effektiv behandelt werden.

Allerdings räumt Studienleiter Albert Hofmann ein, dass die derzeitige Zunahme von starkem Übergewicht, Typ-2-Diabetes und auch Bluthochdruck die positive Entwicklung in den nächsten Jahren wieder umkehren könnten. Und: Der beobachtete Rückgang trifft nur auf Nordamerika und Europa zu, Untersuchungen aus Japan, China und Afrika zeigen eine gleichbleibende Häufigkeit oder sogar einen Anstieg bei den Demenzerkrankungen. (Von Pamela Dörhöfer)

Eine neue Studie zeigt: Alzheimer breitet sich wie eine Infektion im Gehirn aus.

Viele Menschen greifen zu Medikamenten. Das sollte man bei hohem Blutdruck allerdings nicht zu früh tun.

Rubriklistenbild: © AndreyPopov/ Image Images

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