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Ein Mensch, dem man sich anvertrauen kann, ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns – nicht erst im höheren Alter. panthermedia
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Ein Mensch, dem man sich anvertrauen kann, ist wichtig für die Gesundheit des Gehirns – nicht erst im höheren Alter.

Alter

Demenz-Studie: Inwieweit Zuhören das Alzheimer-Risiko senkt

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Wie kann man Demenz vorbeugen? Verlässliche Sozialkontakte sollen laut einer US-Studie das Alzheimer-Risiko senken.

Frankfurt – Dass rege geistige Aktivität helfen kann, dem Entstehen einer Demenz im Alter entgegenzuwirken, weiß man seit Langem. Wobei hier nicht nur die fast schon klischeehafte Vorstellung von kreuzworträtselnden Rentnerinnen und Rentnern gemeint ist, sondern ein Trainieren der kognitiven Fähigkeiten über das gesamte Leben hinweg. Forschende aus den USA haben nun herausgefunden, dass auch ein verlässlicher Sozialkontakt – jemand, der gut zuhören kann, auf den man sich verlassen kann, der einfach nur da ist – die Gesundheit des Gehirns verbessert.

Demnach sollen soziale Interaktionen im Erwachsenenalter den kognitiven Verfall im alternden Gehirn aufhalten können und sogar in der Lage sein, neuropathologische Veränderungen abzuwehren, wie sie etwa mit der Alzheimer-Demenz einhergehen. Doch auch hier gilt: Wichtig ist, was bereits vor Eintritt des eigentlichen Alters passiert.

Die Studie basiert auf der Auswertung der Daten von mehr als 2000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der „Framingham Heart Study“, einer der größten, am längsten laufenden und am besten überwachten Gesundheitsstudien der USA. Die Ergebnisse der aktuellen Studie wurden unter dem Titel „Association of Social Support With Brain Volume and Cognition“ im „Jama Network Open“ veröffentlicht.

Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz

„Wir betrachten kognitive Widerstandskraft als Puffer für die Auswirkungen von Gehirnalterung und Krankheit“, wird Studienleiter Joel Salinas, Neurologe an der Harvard Medical School, in einem Bericht im Wissenschaftsportal „Medicalxpress“ zitiert. Die Studie liefere einen weiteren Beweis, „dass Menschen entweder für sich selbst oder für Menschen, die ihnen am wichtigsten sind, Maßnahmen ergreifen können, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, das kognitive Altern zu verlangsamen oder die Entwicklung von Symptomen von Alzheimer zu verhindern.“ Das sei umso wichtiger, als es noch immer keine Heilung für diese Erkrankung gebe.

Alzheimer ist die häufigste Form von Demenz, etwa 20 Prozent aller über 80-Jährigen sind betroffen. Geschätzt leiden weltweit rund 44 Millionen Menschen an Alzheimer, in den USA sind es etwa fünf Millionen, in Deutschland 1,5 Millionen. Auch wenn die Symptome selten vor dem 65. Lebensjahr auftreten, so bahnt sich die Erkrankung doch lange vorher an. Auch die aktuellen Studienergebnisse deuten darauf hin, dass sich insbesondere im mittleren Lebensalter soziale Kontakte zu Menschen, denen man sich anvertrauen kann, positiv auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt.

Dermenz: Einsame Menschen haben höheres Alzheimer-Risiko

So stellten die Forschenden fest, dass der Rückgang des Gehirnvolumens bereits bei Menschen in ihren 40ern und 50ern ausgeprägt war, wenn sie niemanden oder nur wenige Personen hatten, die ihnen zuhörten. Verglichen mit anderen zeigten sich ihre Gehirne in einem vier Jahre älteren Zustand, heißt es.

„Diese vier Jahre können unglaublich kostbar sein“, sagt Joel Salinas. „Zu oft denken wir darüber nach, wie wir unsere Gehirngesundheit schützen können, wenn wir viel älter sind.“ Dann seien aber bereits Jahrzehnte verloren gegangen, in denen man Zeit gehabt hätte, „um Gewohnheiten aufzubauen und aufrechtzuerhalten, die der Gesundheit unseres Gehirns förderlich sind“, so Salinas.

„Aber heute, genau jetzt, kannst du dich fragen, ob du wirklich jemanden zur Verfügung hast, der dir auf unterstützende Weise zuhört“, sagt der Neurologe. Diese „einfache Maßnahme“ (in Zeiten, wo viele vereinsamen, vielleicht aber auch sehr schwierige Maßnahme) setze den Prozess in Gang, der letztlich die Chancen auf die bestmögliche Lebensqualität im Alter erhöhe, erklärt Salinas. Er empfiehlt Ärztinnen und Ärzten, in Gesprächen mit Betroffenen nach solchen verlässlichen Sozialkontakten zu fragen.

Alzheimer

Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch ein Absterben von Nervenzellen im Gehirn. Sie entwickelt sich oft über viele Jahre hinweg schleichend und unbemerkt, schreitet aber unaufhaltsam fort.

Frühe Symptome können ein starkes Nachlassen des Kurzzeitgedächtnisses, Wortfindungsstörungen, Probleme mit der Orientierung, Wesensveränderungen und ein geschwächtes Immunsystem sein.

Eine Heilung ist derzeit nicht möglich. Früh erkannt, gibt es die Chance, dass bestimmte Medikamente das Fortschreiten verlangsamen können.

Die Forschenden nutzten für ihre Untersuchung Daten aus der „Framingham Heart Study“, für die Menschen aus der Stadt Framingham in den USA ab 1948 alle zwei Jahre nach einem festen Schema untersucht wurden. Die Studie bescherte der Medizin im Laufe der Jahrzehnte zentrale Erkenntnisse, in den 60ern etwa zur Gefährlichkeit des Zigarettenrauchens, zu Bluthochdruck, hohem Cholesterinspiegel und starkem Übergewicht als Risikofaktoren. Auch wenn der ursprüngliche Fokus auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen lag, so liefert die „Framingham Heart Study“ bis heute wichtige Erkenntnisse für die verschiedensten Bereiche und ist Grundlage für viele andere Studien.

Demenz: „Warum wir alle gute Zuhörer suchen und selbst bessere Zuhörer werden sollten“

Für die aktuelle Studie zur Gehirngesundheit nutzte das Team um Joel Salinas die Daten von mehr als 2000 Personen, die Ende der 90er bis Anfang der 2000er Jahre gesammelt worden waren. Die Teilnehmenden berichteten auch über ihre engen soziale Kontakte, darüber ob sie jemanden hatten, dem sie ihr Herz ausschütten können, der Rat, Liebe, Zuneigung und emotionale Unterstützung gibt. Das Durchschnittsalter war 63 Jahre. Außerdem wurden MRT-Scans und neuropsychologische Bewertungen genutzt, die im Rahmen der „Framingham Heart Study“ gemacht wurden.

Um die biologischen Mechanismen und Zusammenhänge zwischen psychosozialen Faktoren und Hirngesundheit besser zu verstehen, seien nun weitere Studien nötig, erklären die Forschenden. Salinas ist sich aber schon jetzt aufgrund seiner Studie sicher, dass es Hinweise auf konkrete biologische Gründe gibt, „warum wir alle gute Zuhörer suchen und selbst bessere Zuhörer werden sollten“. Inwieweit Singen und Musizieren einen positiven Effekt auf Demenz-Patienten* haben kann, hat eine Metastudie aus den USA genauer betrachtet. (Pamela Dörhöfer) *24vita.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Die Studie kann im Internet auf jamanetwork.com nachgelesen werden.

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