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Der plötzliche Herztod kann jedem drohen. 

Gesundheit

Wen ein Defibrillator vor plötzlichem Herztod schützen kann

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Der Herztod kann ganz plötzlich kommen. Ein neues Verfahren soll vorhersagen, welchen Patienten die Einpflanzung eines Defibrillator helfen könnte.

Ein plötzlicher Herztod kann wie aus dem Nichts kommen. Die Ursache sind in den meisten Fällen bösartige Herzrhythmusstörungen, die unvermittelt auftreten und binnen von Minuten zu irreversiblen Hirnschäden führen. Das Risiko für solche Herzrhythmusstörungen wiederum steigt, wenn die Pumpleistung des Herzens stark eingeschränkt ist. Solche Patienten bekommen deshalb in der Regel prophylaktisch einen kleinen Defibrillator (ICD) eingesetzt. Das Gerät ähnelt einem Schrittmacher und soll den Herzrhythmus überwachen. Kommt es zu gefährlichen Störungen, etwa lebensbedrohlichem Kammerflimmern, dann gibt es einen elektrischen Schock ab. Der Stromstoß soll das Herz wieder in den richtigen Takt bringen und den plötzlichen Herztod verhindern.

Experten des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK) weisen jedoch darauf hin, dass ein Defibrillator oft überflüssig ist, weil heute bei den meisten Patienten mit Herzschäwche keine lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen mehr auftreten, da Ärzte heute die Erkrankung immer besser behandeln können. Zudem kann der Defibrillator erhebliche Nebenwirkungen haben. Er muss operativ eingesetzt werden, kann eine Infektion hervorrufen oder einen Schock abgeben, obwohl es keinen Grund dafür gibt. 

Jeder Vierte erleidet schwere Komplikationen

Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung erleidet etwa jeder vierte Patient mit einem Defibrillator schwerwiegende Komplikationen. Zudem verursache diese Behandlung in der EU jedes Jahr Kosten von rund zwei Milliarden Euro.

Also lieber auf den Defibrillator verzichten? Der Haken war bisher, dass es sich nicht vorhersagen ließ, welche Patienten von der Einpflanzung profitieren und welche nicht. Nun haben Wissenschaftler in einer großen europäischen Studie gezeigt, dass ein digitaler Biomarker geeignet ist, um festzustellen, wem das Einsetzen des Defibrillators etwas nutzt. Beteiligt waren 44 Zentrum in 15 Ländern, insgesamt flossen die Daten von mehr als 1300 Patienten ein. DZHK-Forscher Axel Bauer vom Klinikum der Ludwig-Maximimilians-Universität München erklärt, dass der Biomarker von einem Computer anhand von Daten aus dem EKG berechnet wird. „Damit können wir die Effekte der Stressnerven auf den Herzmuskel sichtbar machen, die bei vorgeschädigten Herzen das Risiko für bösartige Herzrhythmusstörungen erhöhen.“

In früheren Studien hatten Bauer und seine Kollegen bereits gezeigt, dass ein erhöhter Wert bei diesem Marker mit einem größeren Risiko für bösartige Herzrhythmusstörungen und den plötzlichen Herztod einhergeht. „Mit unserem Verfahren gelingt es erstmals vorzuzusagen, welchen therapeutischen Effekt eine prophylaktisch ICD-Implantation auf das Überleben hat“, sagt Axel Bauer. Die Ergebnisse der Studie würden daher künftig die Entscheidung für oder gegen einen Defibrillator „maßgeblich beeinflussen“.

Vielen Patietnen könnten damit ein unnötiger operativer Eingriff und die mit der Therapie verbundenen Nebenwirkungen erspart bleiben. Vorteilhaft sei zudem, dass das Verfahren auf einem EKG basiere und damit schonend für die Patienten sei. Die Wisenschaftler rechnen damit, dass es bald zur klinischen Routine wird. 

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