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Das Torf-Tabu

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Von: Joachim Wille

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Bei Blumenerde lohnt es sich, genau hinzuschauen, wenn Hobbygärtner auf Torf verzichten wollen.
Bei Blumenerde lohnt es sich, genau hinzuschauen, wenn Hobbygärtner auf Torf verzichten wollen. © Andrea Warnecke/dpa

Torf landet in vielen Blumentöpfen und Gärten. Dabei sollte es dort bleiben, wo es herkommt: in den Mooren. Die Kolumne „Öko-logisch“.

Atom-Ausstieg, Kohle-Ausstieg – und nun noch das: Torf-Ausstieg. Es ist klar, um bei Energiewende und Klimaschutz voranzukommen, muss sich viel ändern. Doch während die Stromnetzbetreiber dafür sorgen, dass die Elektrizität trotzdem weiter verlässlich aus der Steckdose kommt, muss man in diesem dritten Fall schon selbst aktiv werden – als Blumentopf-Befüller oder Hobbygärtner.

Kaum zu glauben: Fast jeder weiß doch, dass Torf aus Klima- und Naturschutzgründen unbedingt da bleiben sollte, wo er ist. In Mooren nämlich. Trotzdem bestehen die Blumenerden, die man im Gartencenter oder Baumarkt kauft, noch immer zum größten Teil aus Torf, wie die „Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe“ mitteilt, die zum Bundeslandwirtschaftsministerium gehört.

Gefährliche Blumenerde

Und das ist ein Problem. Denn wir Deutsche kaufen jedes Jahr mehrere Millionen Kubikmeter Blumenerde ein. Der Abbau von Torf und seine Nutzung im Blumentopf oder im Garten setzen gewaltige Mengen Kohlenstoff (als CO2) frei, die vorher im Moor gespeichert waren. Schon die letzte Bundesregierung hatte daher in ihrem Klimaschutzprogramm angepeilt, die Torf-Nutzung bis 2026 zumindest im Hobbygärtner-Bereich zu beenden.

Nun geht es darum, wie man die Gärtnerinnen und Gärtner davon überzeugt, nur noch torffreie Blumenerden zu nutzen, die es ja längst gibt, mit Torfersatzstoffen wie Holzfasern, Kompost oder Gärreste aus Biogasanlagen. Dafür ist nun ein Projektteam gebildet worden, „HOT“ genannt, an dem zwei Hochschulen und ein Marktforschungsinstitut beteiligt sind. Mit HOT will man herauskriegen, woran es hapert. Sind die Alternativen zu teuer? Sind sie zu schlecht verfügbar? Haben die Gärtner:innen zu wenig Ahnung von den Zusammenhängen? Das wird man nun also bald wissen, und dann wird alles besser. „HOT“ plant Online- und Präsenz-Schulungen zum Thema Torfersatz, Real-Labore, gemeinsame Veranstaltungen mit Umwelt- und Naturschutzverbänden, die Anlage von Demonstrationspflanzungen, die Teilnahme an Bundes- und Landesgartenschauen sowie Schulungen und Seminare für Erden-Hersteller und den Handel. Zudem soll es eine App geben, mit der Gärtner:innen sich umstellen lernen.

Das ist alles gut. Man fragt sich nur: Warum werden Torf-Erden nicht einfach verboten, wenn es doch auch gut ohne sie geht?

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