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An Essstörungen wie der Magersucht (Anorexie) leiden sehr oft junge Frauen. epd
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An Essstörungen wie der Magersucht (Anorexie) leiden sehr oft junge Frauen.

Anorexie

„Das Abnehmen ist eine Art Teufelskreis“

  • Franziska Schubert
    VonFranziska Schubert
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Ein Psychologe erläutert, warum Magersucht lebensbedrohlich und dabei auch die unbewusste Körperwahrnehmung gestört ist. Betroffen sind vor allem jüngere Frauen.

Herr Diers, bei Menschen mit Magersucht ist das Körperbild gestört. In einer Studie haben Sie herausgefunden, dass das auch für das unbewusste Körperschema gilt. Können Sie das erläutern?

Auch unbewusst nehmen Patientinnen mit Anorexie ihren Körper breiter wahr als er tatsächlich ist. Die Körperwahrnehmung kann man unterteilen in das bewusste Körperbild und einen unbewussten Anteil, das Körperschema. Die Teilnehmerinnen der Studie sollten durch Türen mit unterschiedlichen Breiten gehen. Wir haben dann geschaut, wann die Probandinnen sich eindrehen, um durch die Tür zu passen. An Anorexie erkrankte Menschen drehten sich bei breiteren Türen zur Seite als die Kontrollgruppe der gesunden Probandinnen. Diese drehten sich erst bei engeren Türen ein.

Sehr dünne, an Magersucht erkrankte Menschen nehmen sich beispielsweise im Spiegel oft als übergewichtig wahr.

Es ist bereits länger bekannt, dass in vielen Fällen die bewusste Wahrnehmung des Körpers gestört ist. Wir konnten nun zeigen, dass auch die unbewusst gespeicherten Körpermaße und deren Wahrnehmung im Raum bei Anorexie verändert sind.

Wie verbreitet ist die Magersucht?

Es ist etwa ein Prozent der Bevölkerung davon betroffen. Häufig erkranken daran jüngere Frauen, es können aber auch ältere erkranken.

Wie kommt es zu dieser Form der Essstörung?

In der Jugend können vor allem Mädchen eine Unzufriedenheit mit der eigenen Figur, ihrem Gewicht und ihrem Körper entwickeln. Es kann auch mit der Peer Group, wie beispielsweise dem Sportverein, zu tun haben. Da vergleicht man sich beim Trainieren mit den anderen; anfangs wird man vielleicht sogar positiv beim Abnehmen bestärkt. Auch familiäre oder genetische Faktoren können Risikofaktoren sein. Dünn zu sein ist gesellschaftlich akzeptiert und wird positiv verstärkt. Dies führt dann dazu, dass die Betroffenen immer weiter abnehmen.

Das klingt nach einer Art Kontrollzwang?

Zur Person

Martin Diers ist Professor für Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin am LWL-Uniklinikum in Bochum. Der Psychologe hat in den Neurowissenschaften promoviert. Einer seiner Schwerpunkte, zu denen er zuvor am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim forschte, sind Bildgebungsverfahren bei chronischen Schmerzen. (isk)

Oft haben Patientinnen und Patienten das Gefühl, ihr Körper sei der einzige Bereich, über den sie die Kontrolle haben. Weniger Nahrungsaufnahme ist somit bei den Betroffenen mit einem gesteigerten Gefühl der Selbstwirksamkeit verbunden und verstärkt den Teufelskreis.

Martin Diers ist Professor für Klinische und Experimentelle Verhaltensmedizin am LWL-Uniklinikum in Bochum.Dietmar Wäsche/LWL

Wie kommt man aus dem Teufelskreis wieder heraus?

Eine zentrale Rolle spielt die Verhaltenstherapie. Im ersten Schritt wird versucht, die Kalorienzufuhr wieder zu erhöhen, so dass sich Essverhalten und Gewicht normalisieren. Es wird weiterhin versucht, Problembereiche zu bearbeiten, damit Betroffene lernen andere Lösungsstrategien zu entwickeln als krankhaft zu hungern. Dazu gehört auch, dass sie eine bessere Körperakzeptanz aufbauen.

Wie lange dauert so eine Behandlung?

Die Behandlung der Magersucht dauert lange. Die genaue Länge hängt von dem Gewicht ab, das in der Therapie erreicht werden muss, um wieder einen adäquaten Body-Mass-Index zu erreichen.

Wie groß sind die Genesungs-chancen?

Fünf bis sechs Jahre nach der Behandlung erfüllen rund 30 bis 50 Prozent der Patientinnen und Patienten nicht mehr die Kriterien der Anorexie; sie haben also einen positiven Behandlungsverlauf. Die anderen leiden allerdings weiter an zumindest einzelnen Symptomen der Magersucht und leider versterben auch einige an dieser tödlichen Krankheit.

Wie sollte man sich verhalten, wenn ein Familienmitglied, Freunde oder Bekannte an Magersucht erkranken?

Eltern oder nahestehenden Personen können dazu beitragen, dass Hilfe in Anspruch genommen wird. Ein Mitwirken der Eltern kann dabei helfen, dass Verhaltensweisen, die die Krankheit unterstützen, geändert werden.

Interview: Franziska Schubert

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