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Impfungen

Covid und die Influenza – Wie ein Schnupfen Corona verhindern könnte

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die Grippeimpfung wirkt offenbar auch gegen schwere Verläufe bei einer Corona-Infektion.

Frankfurt – Im vergangenen Winter ist die Grippewelle so gut wie ausgeblieben. Das Robert Koch-Institut (RKI) verzeichnete in der Saison 2020/2021 für Deutschland lediglich 585 durch Laboruntersuchungen bestätigte Influenza-Fälle, 17 Menschen starben nachweislich an Grippe. Zum Vergleich: 2019/2020 waren es rund 187 500 bestätigte Fälle und etwa 1000 Grippetote.

Erwähnt werden muss, dass die Dunkelziffer stets hoch ist und die Zahl der tatsächlichen Fälle jeweils höher liegen dürfte. Aber selbst wenn man von zahlreichen unerkannten Grippekranken im vergangenen Winter ausgeht, bleibt der Einschnitt gewaltig. Und das nicht allein in Deutschland: Laut dem Medizinportal DocCheck gab es etwa auch in den USA 2020/2021 lediglich 600 Grippetote – nach 22 000 im Winter zuvor.

Corona-Regeln helfen – Maßnahmen dämmen Influenza Ausbreitung stark ein

Die Gründe dafür scheinen auf der Hand zu liegen: Die Maßnahmen gegen das Coronavirus – Abstandhalten, Masken, häufiges Desinfizieren der Hände, Lockdown – haben auch eine Ausbreitung der Influenzaviren verhindert. Wie Sars-CoV-2 werden Grippeerreger vor allem durch Tröpfchen und Aerosole in der Luft übertragen. Doch gesichert ist diese sehr naheliegende Theorie als Grund für das Ausbleiben der Grippewelle nicht. So stellt sich die Frage, warum durch die Corona-Maßnahmen zwar die Influenzaviren nahezu völlig verdrängt wurden, dies aber nicht in gleichem Maße bei Sars-CoV-2 gelang.

Coronaviren? Nein, nur die üblichen (wenn auch immer neuen) Influenza-Erreger.

Weil das neuartige Coronavirus ansteckender ist als Grippeviren? Es wäre eine mögliche, aber vielleicht zu simple Erklärung. In einer im Dezember 2019 – also noch vor Beginn der Corona-Pandemie – veröffentlichten Studie berichten britische Forschende, dass Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Atemwegserregern zu beobachten sind. Demnach kommt es zu Interaktionen und einem Wettbewerb, wenn Influenzaviren und Erkältungsviren gleichzeitig kursieren. Es könnte deshalb sein, dass solche Wechselwirkungen auch zwischen Grippeviren und Sars-CoV-2 existieren.

Wie schwer oder leicht die ab November zu erwartende Grippesaison ausfallen wird, dazu gibt es unterschiedliche Einschätzungen. Laut dem Bericht bei DocCheck befürchten einige Fachleute, dass das Ausbleiben der Grippewelle 2020/21 den Influenzaviren einen Vorteil verschaffen könnte – weil im vergangenen Winter weniger Menschen eine Immunität gegen den Erreger aufbauen konnten.

Grippewelle 2021: Mediziner unsicher – Möglicherweise weniger Mutationen

Zwar verändern sich Influenzaviren mit jeder Saison, gleichwohl bietet eine im Vorjahr durchgemachte Infektion einen gewissen Schutz vor dem Grippevirus der „nächsten Generation“.

Andere Forschende wiederum vermuten, dass wegen der geringen Verbreitung der Grippeviren im vergangenen Winter der Erreger auch weniger Gelegenheit für Mutationen hatte. Das würde eher nicht für eine schwere Welle sprechen. Den Verlauf der künftigen Grippesaison wird auch die Wirksamkeit der jährlichen Impfung beeinflussen. Diese variiert ohnehin von Jahr zu Jahr, je nachdem, wie gut die Anpassung des Vakzins an den Erreger gelingt.

Denn die Impfung basiert nicht auf der jeweils aktuellen Mutation, sondern auf den Stämmen, die in der vergangenen Saison zirkulierten. Und wegen der quasi ausgefallenen Grippewelle 2020/2021 herrscht auch in diesem Punkt größere Unsicherheit als sonst.

Sehr wahrscheinlich schützt eine Grippeimpfung allerdings vor einem schweren Verlauf von Covid-19. Zu diesem Ergebnis ist eine groß angelegte Studie von Forschenden der „Miller School of Medicine“ der University of Miami gekommen, die im Fachmagazin „Plos one“ veröffentlicht wurde. Sie basiert auf den Daten von fast 75 000 Patientinnen und Patienten aus verschiedenen Ländern, darunter Deutschland, die USA, Großbritannien und Israel.

Grippe-Impfung verhindert ähnliche Komplikationen wie bei Covid-19

Demnach reduziert die jährliche Grippeimpfung bei einer Corona-Infektion das Risiko etlicher bekannter schwerer Komplikationen von Covid-19 signifikant. Dazu zählen Schlaganfall, Sepsis und Thrombosen. Außerdem ergab die Analyse der Daten, dass Corona-Infizierte, die keine Grippeschutzimpfung erhalten hatten, mit bis zu 20 Prozent größerer Wahrscheinlichkeit auf einer Intensivstation behandelt werden mussten. Eine notfallmedizinische Behandlung war bis zu 58 Prozent wahrscheinlicher.

Warum genau die Grippeschutzimpfung diese Risiken reduziert, weiß man noch nicht genau. Eine Theorie lautet, dass die Grippeschutzimpfung das angeborene Immunsystem aktiviert, also allgemeine Abwehrkräfte, die nicht nur auf bestimmte Erreger zielen. Dazu würde passen, dass auch ein gewöhnlicher Schnupfen vor schwerem Covid schützen kann. Um die Zusammenhänge zu beweisen und besser zu verstehen, so die Studienautorinnen und -autoren, sei weitere Forschung nötig. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Getty Images

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