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Covid-Nasenspray von Astrazeneca enttäuscht

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Von: Pamela Dörhöfer

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Gegen die Grippe gibt es bereits eine Impfung, die über die Nase verabreicht wird. Getty
Gegen die Grippe gibt es bereits eine Impfung, die über die Nase verabreicht wird. Getty © Getty Images/Science Photo Libra

In ersten klinischen Studien bietet der Vektor-Impfstoff in veränderter Verabreichung keinen ausreichenden Schutz

Ein Problem aller verfügbaren Corona-Impfstoffe ist es, nicht ausreichend vor Ansteckung und Weitergabe des Virus zu schützen – was sich vor allem seit Aufkommen der Omikron-Variante gut beobachten lässt. Das hat insbesondere damit zu tun, dass der Erreger Rachen und Nase als Eintrittspforte nutzt und die Infektion sich zuallererst dort abspielt. Die Impfstoffe allerdings werden in den Oberarm gespritzt und entfalten ihre volle Wirkung erst dann, wenn die Viren die Barriere im oberen Atemtrakt überwinden und in großer Zahl in den Blutkreislauf gelangen. Deshalb schützen die Vakzine auch vor einem schweren Verlauf, zu dem es kommen kann, wenn die Abwehr im Nasen-Rachenraum die Lage nicht in den Griff bekommt.

Um die Infektion dort zu verhindern, wo sie stattfindet, versuchen Forschende bereits seit Längerem, intranasale Impfstoffe zu entwickeln, die als Spray in die Nase verabreicht werden. Das hätte den zusätzlichen Vorteil, dass systemische – den ganzen Organismus betreffende – Nebenwirkungen verringert werden könnten und die Impfung für Menschen mit Angst vor Spritzen angenehmer wäre.

Erste Ergebnisse aus einer klinischen Studie dämpfen allerdings die Hoffnungen auf einen bald verfügbaren, gut wirksamen Nasenspray-Impfstoff gegen Covid. So hat der britisch-schwedische Pharmakonzern Astrazeneca seinen Vektor-Impfstoff Vaxrevia jetzt in einer klinischen Phase-1-Studie untersuchen lassen. Über die bei „eBiomedicine“ veröffentlichten Ergebnisse berichtet das Fachmagazin „Jama“; sie waren enttäuschend.

Getestet wurde ein intranasaler Impfstoff, dessen Zusammensetzung in etwa der des intramuskulär verabreichten Impfstoffs entspricht, der zu Beginn der Pandemie von Forschenden der britischen Universität Oxford in Zusammenarbeit mit Astrazeneca entwickelt worden war. Es handelt sich dabei um einen Vektor-Impfstoff, der ein Adenovirus als Transportmittel nutzt, um die genetische Information für das Spike-Protein von Sars-CoV-2 in den Körper zu bringen. Ähnlich wie bei den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna muss der Körper das Antigen in Form des Spike-Proteins selbst herstellen. Astrazeneca hat bereits Erfahrung mit intranasalen Vakzinen: Das Unternehmen hat mit Fluenz Tetra den ersten Grippeimpfstoff auf dem Markt, der über die Nase verabreicht wird.

Der erste Teil der Studie umfasste 30 Erwachsene, die bisher überhaupt noch keine Impfung gegen Covid erhalten hatten. Sie erhielten nach dem Zufallsprinzip eine Dosis oder zwei Dosen im Abstand von vier Wochen. Im zweiten Teil der Studie wurde die Wirkung des Nasensprays als Auffrischungsimpfung untersucht. Dafür erhielten zwölf Teilnehmende eine einzelne hochdosierte Dosis, nachdem sie mindestens zwölf Wochen zuvor zwei Injektionen Vaxrevia (Astrazeneca) oder Comirnaty (Biontech/Pfizer) in den Oberarm gespritzt bekommen hatten.

Wie es in „Jama“ heißt, war das Sicherheits- und Verträglichkeitsprofil des Nasensprays „akzeptabel“, die systemischen Reaktionen (Nebenwirkungen) seien erwartungsgemäß schwächer als bei der Impfung in den Oberarm gewesen. Die Immunantwort allerdings sei „schwach und inkonsistent“ ausgefallen, „antigenspezifische mukosale Antikörperantworten“ seien nur bei einer Minderheit der Teilnehmenden nachgewiesen worden und hätten selten die nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 beobachteten Werte überstiegen. Zur Erklärung: Der Begriff mukosale Antikörperantworten bezieht sich auf die in den Schleimhäuten der Atemwege gemessenen Werte an Antikörpern, die nach dem Kontakt mit dem Spike-Protein – dem Antigen – gemessen wurden. Auch bei jenen Teilnehmer:innen, die das Nasenspray als Auffrischungsimpfung bekamen, soll sich „kein deutlicher Boosting-Effekt“ gezeigt haben. Sieben von 42 entwickelten eine symptomatische Corona-Infektion.

Das ernüchternde Fazit der Studie: Dieser intranasale Impfstoff „verdient keine weitere klinische Entwicklung“, heißt es. Allerdings schreiben die Autorinnen und Autoren, sie würden die Ergebnisse anderer Arbeiten zu intranasalen Covid-Impfstoffen „mit Spannung“ erwarten: Die Entwicklung „sicherer, immunogener und schützender Technologien für nadelfreie Impfungen“ bleibe „eine Priorität sowohl für die Reaktion auf Covid-19 als auch im weiteren Sinne“.

An einem intranasalen Covid-Impfstoff arbeitet unter anderem auch ein Team der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Projekt mit dem Namen „Zell-Trans“ wird vom Bundesforschungsministerium mit 1,7 Millionen Euro unterstützt. Der Impfstoff ist aber noch weit von der Testung an Menschen entfernt. Die Münchner Forschenden planen, für ihr Nasenspray das mRNA-Prinzip einzusetzen.

Bereits mit Erfolg an Mäusen getestet wurde ein nasaler Impfstoff der Universität Sydney und des Centenary Instituts, Australien, der nicht genbasiert ist, sondern aus dem fertigen Spike-Protein und einem Wirkverstärker besteht. Das Nasenspray soll bei den Versuchstieren laut einer Mitteilung des Centenary Instituts zur „Bildung hoher Konzentrationen von schützenden Antikörpern in den Atemwegen und zu erhöhten T-Zell-Antworten in der Lunge“ geführt haben. Keine der geimpften Mäuse hätte sich mit dem Coronavirus infiziert.

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