1. Startseite
  2. Wissen

Corona: Forschende kombinieren Wuhan-Stamm mit Omikron-Variante – Umstrittene Forschung

Erstellt:

Von: Pamela Dörhöfer

Kommentare

80 Prozent der mit dem künstlich geschaffenen Coronavirus infizierten Labormäuse starben, während die Tiere, die nur mit der Omikron-Variante infiziert wurden, lediglich mild erkrankten und alle überlebten. Allerdings: Bei der ursprünglichen Wuhan-Version waren sämtliche infizierten Versuchstiere gestorben.
80 Prozent der mit dem künstlich geschaffenen Coronavirus infizierten Labormäuse starben, während die Tiere, die nur mit der Omikron-Variante infiziert wurden, lediglich mild erkrankten und alle überlebten. Allerdings: Bei der ursprünglichen Wuhan-Version waren sämtliche infizierten Versuchstiere gestorben. © Imago (Symbolbild)

Forschende aus den USA kombinieren den Wuhan-Stamm des Coronavirus mit der Omikron-Variante – mit einem erschreckenden Ergebnis.

Boston – Die krankmachenden Eigenschaften des ursprünglichen Wuhan-Stammes von Sars-CoV-2 kombiniert mit der leichten Übertragbarkeit der Omikron-Variante: Das klingt gruselig, und man mag sich gar nicht ausmalen, dass ein derartiges Coronavirus entstehen und irgendwann das weltweite Infektionsgeschehen dominieren könnte. Forschende der Universität Boston (USA) haben nun genau eine solche hybride Version des Erregers im Labor geschaffen.

Ein Team um den Biochemiker Mohsan Saeed von den National Emerging Infectious Diseases Laboratories der Boston University stattete dafür ein Wuhan-Coronavirus mit dem Spike-Protein von Omikron aus. Das Spike-Protein ist jener Teil des Virus, mit dem es an menschliche Zellen andockt und eindringt. Mutationen an den Genen für dieses Eiweiß haben dafür gesorgt, dass das Virus immer leichter übertragbar wurde – der derzeit dominierende Omikron-Subtyp BA.5 gilt als das ansteckendste bekannte Virus überhaupt. Gleichzeitig löst Sars-CoV-2 mittlerweile bei den meisten Menschen aber weniger schwere Erkrankungen aus als der frühere Wuhan-Stamm.

Corona: Forschende kombinieren Wuhan-Stamm mit Omikron-Variante

Das Ergebnis der Fusion klingt erschreckend: 80 Prozent der mit dem künstlich geschaffenen Virus infizierten Labormäuse starben, während die Tiere, die nur mit der Omikron-Variante infiziert wurden, lediglich mild erkrankten und alle überlebten. Allerdings hatte die ursprüngliche Wuhan-Version bei den Mäusen noch verheerendere Auswirkungen als das hybride Virus – hier starben sämtliche infizierten Versuchstiere.

Die Universität erklärte deshalb, dass das Virus durch die Fusion letztlich weniger gefährlich als das Original geworden sei – ohne indes darauf hinzuweisen, dass die Variante aus dem Labor zwar weniger krankmachend als der Wildtyp, dafür aber gefährlicher als Omikron und möglicherweise genauso ansteckend ist. Die Stellungnahme der Hochschule war eine Reaktion auf heftige Kritik bis hin zu schweren Vorwürfen, die es vor allem im Netz hagelte, als die Ergebnisse Anfang der Woche an die Öffentlichkeit kamen. Die Forschenden hatten ihre Studie am vergangenen Freitag auf dem preprint-Server bioRxiV publiziert, sie wurde noch nicht von anderen Fachleuten begutachtet.

Gain-of-function-Forschung ist umstritten

Einer der Vorwürfe lautete, an dem Hochsicherheitslabor der Boston Universität hätte man mit der Fusion der beiden Virustypen Gain-of-function-Forschung betrieben. Diese umstrittene Forschung, bei der es um den Zugewinn neuer Eigenschaften etwa bei Viren und Bakterien geht, war in den USA unter Präsident Obama kurzzeitig ausgesetzt und dann unter Auflagen wieder ermöglicht worden. Bis heute hält sich das Gerücht, dass die Existenz von Sars-CoV-2 das Ergebnis von Gain-of-function-Forschung ist und durch einen Laborunfall in die Welt kam.

Die Universität Boston widersprach Vermutungen, man habe mit dem Schaffen der Virus-Chimäre Gain-of-function-Forschung betrieben. Die Studie gebe vielmehr wichtige Einblicke, etwa den, dass nicht das Spike-Protein von Corona der Treiber krankmachender Eigenschaften sei, sondern dass andere Virusproteine dafür verantwortlich sein müssten. Finde man diese, so werde das zu besserer Diagnostik und der Entwicklung gezielter Therapien beitragen und könne zudem mit Blick auf künftige Pandemien helfen. Auch teilte die Universität am Montag mit, dass die Bostoner Gesundheitskommission die Versuche genehmigt habe.

Corona-Forschung: Studie aus Boston in der Kritik

Gegenüber dem Medizinnachrichtenportal STAT sagte jedoch Emily Erbelding, Direktorin der Abteilung für Mikrobiologie und Infektionen des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) der USA, man sei nicht umfänglich über die Arbeiten im Hochsicherheitslabor der Universität Boston informiert gewesen. „Wir wünschten, sie hätten es getan, ja.“ Sie kündigte für die nächsten Tage Gespräche an. (Pamela Dörhöfer)

Auch interessant

Kommentare