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Corona-Pandemie

Corona-Variante B.1.1.7 kursiert – eine Personengruppe ist besonders gefährdet

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Die neue Coronavirus-Variante B.1.1.7 aus Großbritannien trägt gleich 17 Mutationen und breitet sich schnell aus. Einer Personengruppe wird sie besonders gefährlich.

  • Insbesondere in Großbritannien steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen stark an.
  • Die neue Variante von Corona trägt etliche Mutationen und könnte Studien zufolge für junge Menschen unter 20 Jahren besonders ansteckend sein.
  • Expertinnen und Experten sind sich nicht sicher, warum diese Form des Coronavirus so gefährlich ist.

London/Frankfurt – In Großbritannien steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen seit Wochen stark; Stand 6. Januar waren es knapp 61 000. Trotz harter Einschränkungen, trotz zügiger Impfungen breitet sich das Coronavirus schneller aus, als die Menschen mit ihren Gegenmaßnahmen hinterherkommen. Der Grund dafür könnte die neue Virus-Variante B.1.1.7. sein, die im September auf der Insel aufgetaucht ist, im Dezember erstmals vermeldet wurde und sich seither zum dominierenden Erregerstamm in Großbritannien entwickelt hat. Bereits Ende Dezember fand sich B.1.1.7. in England in mehr als 50 Prozent der untersuchten Proben und ist damit dort die vorherrschende Corona-Variante. Besonders stark verbreitet ist sie im Südosten Englands und in London.

Mutante und Mutation

In den Medien werden Virus-Varianten wie B.1.1.7. oftmals fälschlich als Mutation bezeichnet. Richtig ist der Begriff „Mutante“ (oder auch „Variante“), denn eine solche besteht aus vielen Mutationen.

Neue Variante des Coronavirus breitet sich rasant aus

Die Mutante, die von „Variant under investigation“ (VUI) – Variante unter Beobachtung – auf „Variant of concern“ – besorgniserregende Variante – VoC 202012/01 hochgestuft wurde, ist aber mittlerweile auch außerhalb des Vereinigten Königreichs angekommen. Nachgewiesen wurde sie in mehreren europäischen Ländern, auch in Deutschland, in den USA und in Indien. Wie viele Menschen in der Bundesrepublik tatsächlich mit B.1.1.7. infiziert sind, lässt sich allerdings nicht beziffern, da hierzulande viel seltener als etwa in Großbritannien die Gensequenz des Coronavirus ermittelt wird. Dass die nötigen Strukturen dafür fehlen, wird von mehreren Fachleuten kritisiert.

Die neue Corona-Variante aus Großbritannien trägt 17 Mutationen und ist vor allem für eine Personengruppe ansteckender.

Mittlerweile gibt es indes Hinweise, dass die englische Virus-Variante schon länger in Deutschland kursiert. Laut einem Artikel im Medizin-Informationsportal DocCheck berichtet das niedersächsische Gesundheitsamt, dass man bei Proben, die Ende November entnommen und nachträglich sequenziert wurden, die neue Corona-Mutante gefunden hat.

B.1.1.7. ist nicht die erste Variante des Coronavirus Sars-CoV-2

B.1.1.7. ist nicht die erste Variante von Sars-CoV-2. Viren haben die Angewohnheit, sich häufig genetisch zu verändern, vor allem jene, die mit der nicht sehr stabilen RNA als Trägerin des Erbguts ausgestattet sind. Grippeviren gehören dazu, aber auch Coronaviren. Die neue Variante unterscheidet sich in 23 Mutationen von der ersten bekanntem Version des Erregers aus Wuhan, 17 dieser Mutationen sind neu aufgetaucht. Sie betreffen im Wesentlichen das Spike-Protein auf der Oberfläche, mit dem das Coronavirus an die menschlichen Zellen bindet.

Es wird vermutet, dass die neuen Veränderungen dem Erreger das Andocken und Eintreten in die Wirtszellen erleichtert. Britische Forscher:innen vermuten, dass sich diese Viruslinie in einer Patientin oder einem Patienten mit sehr schwachem Immunsystem entwickelt hat und dann auf andere Menschen übergesprungen ist.

Neue Corona-Variante ist um 50 bis 70 Prozent ansteckender – vor allem für Menschen unter 20

Expert:innen der London School of Hygiene and Tropical Medicine schätzen, dass diese Mutationen die Übertragbarkeit des Virus um 50 bis 70 Prozent erhöhen könnte. Das würde bedeuten: Unter den gleichen äußeren Bedingungen stecken sich mit der neuen Variante mehr Menschen an als mit früheren Versionen des Coronavirus. Die britischen Gesundheitsbehörden nennen dazu auch eine Zahl: Im Fall der Mutante würden sich demnach im Schnitt 15 Prozent der Menschen anstecken, die mit einem Infizierten Kontakt hatten, im Vergleich zu zehn Prozent beim „Standardvirus“. Erste Studien weisen zudem darauf hin, dass die englische Variante für junge Menschen unter 20 Jahren besonders ansteckend ist.

Zwar sieht es zur Zeit nicht danach aus, dass diese Corona-Variante für schwerere Erkrankungen und mehr tödliche Verläufe sorgt. Gleichwohl: Ein Virus, das leichter übertragen wird, führt fast zwangsläufig zu mehr Toten, weil es mehr Infizierte geben dürfte. Zumindest, solange die Impfungen noch nicht durchschlagen. So erklärte der französische Infektiologe Bruno Coignard gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: „Eine erhöhte Übertragbarkeit erhöht selbst bei gleicher Mortalität den Druck auf die Gesundheitssysteme.“

Hohe Infektiosität der Corona-Variante

Adam Kucharski von der London School of Hygiene and Tropical Medicine geht noch weiter. Für den britischen Epidemiologen stellt eine um 50 Prozent höhere Infektiosität „ein viel größeres Problem“ dar als wenn das Virus 50 Prozent tödlicher wäre. Auf Twitter berechnet er, dass die Todeszahlen weit höher liegen könnten.

Für Christian Drosten allerdings gibt es noch keine Gewissheit, dass die englische Variante ansteckender ist. In seinem Podcast beim NDR sagte der Virologe der Berliner Charité, er gehe nicht von einem großen Problem aus, auch wenn die Variante ernst genommen werden müsse. Er rechnet bis Ostern oder Mai mit „einer klaren experimentellen Evidenz“, ob dieses Virus „übertragbarer und gefährlicher ist oder nicht“.

Weitere Corona-Variante in Südafrika entdeckt

Die britische Corona-Variante ist nicht die einzige, die auf der Bildfläche erschienen ist und sich durchgesetzt hat: In Südafrika wurde im Oktober eine weitere Mutante gefunden – 501.V2, auch sie hat inzwischen Ländergrenzen überwunden und ist unter anderem in Großbritannien und Frankreich aufgetaucht. Sie gilt ebenfalls als ansteckender als das weltweit vorherrschende Coronavirus. Drosten rät, Reiserückkehrer:innen aus Südafrika zu testen.

Ob die entwickelten Impfstoffe vor beiden Virusvarianten schützen, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit sagen. Die Tendenz in der Wissenschaft geht eher Richtung „Ja“. Diese Einschätzung stützt sich auf die Tatsche, dass die Vakzine darauf zielen, die Bildung von Antikörpern gegen mehrere Regionen des Spike-Proteins anzustoßen. Selbst wenn einige davon genetisch verändert sind, blieben damit immer noch genug unveränderte Angriffspunkte.

Auch Christian Drosten sagt, sich in Bezug auf die Impfung im Moment keine Sorgen zu machen. Beim Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) heißt es indes, es wäre zu früh, das zu wissen. Ugur Sahin, Chef des Mainzer Unternehmens Biontech, das den ersten Corona-Impfstoff auf den Markt gebracht hat, kündigte bereits an, es sei möglich, binnen sechs Wochen ein neues Vakzin zu entwickeln, das auch vor mutierten Corona-Versionen schütze. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © dpa/NIAID-RML

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