In Italien ist die Sterberate an Covid-19 besonders hoch. Noch rätselt die Wissenschaft darüber, warum Menschen dort besonders häufig am Coronavirus Sars-CoV-2 sterben.
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In Italien ist die Sterberate außergewöhnlich hoch.

Covid-19

Coronavirus Sars-CoV-2: Sterberate in Italien wird immer höher - woran liegt das? 

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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In Italien ist die Sterberate an Covid-19 besonders hoch. Momentan rätselt die Wissenschaft, weshalb Menschen dort besonders häufig am Coronavirus sterben.

  • Sterberaten bei Coronavirus Sars CoV-2*: Stark unterschiedliche Angaben
  • Außergewöhnliche hohe Sterberate in Italien
  • Über die aktuelle Lage in Italien berichten wir in unserem News-Ticker

Zu den Nachrichten, die verunsichern können, gehören die stark unterschiedlichen Angaben zur Sterberate der Covid-19-Erkrankung. Denn dabei geht es – verkürzt – darum, wie gefährlich das Coronavirus ist. Die sogenannte Letalität oder auch Mortalität bezeichnet den Anteil der Todesfälle unter allen bestätigen Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2.

Es kursieren Zahlen zwischen ungefähr 0,3 und fünf Prozent, was einen großen Unterschied bedeutet. Das hat aber nichts damit zu tun, dass Fake News verbreitet würden, sondern damit, dass die Erkrankung neu ist, deshalb noch nicht viele Daten vorliegen, die Situation während einer akuten Pandemie sich ständig ändert und die Sterberaten von Region zu Region erheblich voneinander abweichen. Das macht die Einschätzung des Risikos, das von dem Virus ausgeht, so schwer.

Coronavirus Sars CoV-2: Experten gehen von großer Dunkelziffer aus

Um verlässliche Zahlen zu bekommen, müssten sämtliche Infizierten erfasst werden. Die meisten Experten gehen jedoch von einer – je nach Qualität des Gesundheitssystems – unterschiedlich großen Dunkelziffer aus. Bezogen auf die Sterberate bedeutet das: Sollte es mehr Kranke geben als bekannte Fälle, würde das die Letalität senken – die auf Basis der gemeldeten Infektionen errechnete Rate wäre zu hoch. Kein unwahrscheinliches Szenario, da etwa 80 Prozent der Infektionen mild verlaufen. Aber es wäre auch möglich, dass Menschen an den Folgen von Covid-19 sterben, ohne dass die Infektion als Ursache identifiziert wurde – dann wäre die Sterberate höher als angegeben.

In Italien ist die Sterberate außergewöhnlich hoch.

Coronavirus: Sterberate in Italien höher als in Deutschland

Um festzustellen, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind und waren, brauchte man überdies nicht nur lückenlose Tests (schier unmöglich), sondern auch andere Verfahren wie einen Bluttest, der die Immunantwort auf eine überstandene Infektion messen könnte.

Stand Montagvormittag, 16. März, sind weltweit aktuell rund 169.000 Fälle von Infektionen mit Sars-CoV-2 bekannt, insgesamt sind etwa 3,8 Prozent der Patienten daran gestorben; aber es haben sich auch knapp 77.000 erholt. Für China gibt die US-amerikanische Johns-Hopkins-Universität, die die Daten der verschiedenen Quellen auswertet, eine Sterberate von etwa 3,8 Prozent an. Für die Region Hubei, wo es die mit Abstand meisten Infizierten gibt und die Seuche ihren Ausgangspunkt hatte, beträgt sie 4,46 Prozent, für die restlichen Regionen Chinas 0,86 Prozent.

Coronavirus Sars CoV-2: In Italien ist die Sterberate besonders hoch 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte Ende Februar für Gesamtchina eine Sterberate von 3,8 Prozent und für Hubei eine von 5,8 Prozent angegeben. Wie kann es zu einer so extremen Abweichung kommen? Eine These von Wissenschaftlern der Universität Peking lautet, dass das Virus seit dem ersten Auftreten in Wuhan mutiert ist und sich zwei Stämme von unterschiedlicher Aggressivität gebildet haben.

Außergewöhnlich hoch ist mit 7,3 Prozent die Sterberate in Italien. Dort sind fast 40 Prozent der insgesamt etwa 24.700 Infizierten (Stand 16.03.) älter als 70 Jahre. Das könnte eine mögliche Erklärung für die hohe Letalität sein, denn ältere Menschen mit chronischen Grunderkrankungen haben ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf.

Für den Iran mit knapp 14.000 Infizierten wurde eine Letalität von 5,2 Prozent errechnet. Allgemein wird angenommen, dass dort viele Fälle übersehen worden sein könnten, was für eine geringere Sterberate spräche.

Covid-19: In Deutschland bisher erst wenige Todesfälle

In Deutschland sind bisher 13 Menschen an Covid-19 gestorben, bei insgesamt mehr als 5800 Infektionen (Stand 16.03.). Das entspricht einer im internationalen Vergleich sehr geringen Sterberate von etwas mehr als 0,2 Prozent, die etwa mit der einer Influenza vergleichbar wäre. Nach bisher vorliegenden Daten sind in Deutschland – anders als in anderen Ländern – die meisten Infizierten zwischen 15 und 59 Jahre alt (das Durchschnittsalter liegt bei etwa 40), gehören also nicht der Altersgruppe mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf an. Das ist außergewöhnlich, zumal Deutschland überproportional viele ältere Bewohner hat. Ob es in Deutschland noch zu einem plötzlichen starken Anstieg kommt, lässt sich derzeit nicht sagen. Kliniken in Deutschland können auf jeden Fall jetzt schon viel tun, um Szenarien wie in Italien zu verhindern.

Klar scheint, dass ältere Menschen ab etwa 65 stärker gefährdet sind, schwer zu erkranken, als Jüngere. Das Risiko steigt mit fortgeschrittenem Alter erheblich an, mit 70 Jahren liegt es bereits bei etwa acht, mit über 80 Jahren dann schon bei knapp 15 Prozent.

Doch das Alter ist nicht der alleinige Faktor: Chinesische Wissenschaftler haben retrospektiv die Blutwerte von 191 Covid-19-Patienten aus Wuhan untersucht und auf Basis der Ergebnisse Risikofaktoren definiert, die Ärzten helfen sollen, frühzeitig einen schweren Krankheitsverlauf vorherzusagen. Sie kamen zu dem Schluss, dass vor allem ältere Menschen mit erhöhten „Sofa“-Werten (sepsis-related organ failure assessment score) ein erhöhtes Sterberisiko durch eine Covid-19-Infektion haben. Dieser spezielle Index beinhaltet sechs Werte zur Atemfunktion, des Herz-Kreislauf-Systems, der Leberfunktion, der Blutgerinnung, der Nierenfunktion und des neurologischen Status.

Von Pamela Dörhöfer

Rubrikenbild: dpa

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