Bundesinstitut rudert zurück

Mundschutz und Atemschutzmasken richtig desinfizieren - So wird es gemacht

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Mundschutz und Atemschutzmasken nur zu erhitzen reicht nicht für eine Desinfektion. Alles Wichtige in unserem Text.

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 und die Lungenkrankheit Covid-19 verbreiten sich in Deutschland 
  • OP-Masken sind als Schutzmaßnahme verbreitet und sind längst ein knappes Gut
  • Hilft dieser chirurgische Mundschutz gegen das Coronavirus  Sars-CoV-2 und wie kann man sich sonst noch schützen?

Update vom 29. April 2020: Mundschutz soll gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie helfen. Um den Mundschutz wieder zu verwenden, hilft ein Erhitzen auf 70 Grad Celsius der Masken. Die Masken werden so von den Viren befreit und können nochmal gebraucht werden - so lautete zumindest die Annahme verschiedener Wissenschaftler und der Bundesregierung. Bis jetzt. 

Denn wie das ZDF-Format „Frontal21“ berichtet, ist die Sterilisation durch Erhitzen des Mundschutzes doch nicht so sinnvoll wie bisher angenommen. Demnach wird das von der Bundesregierung bisher befürwortete Erhitzen bei 70 Grad als ungeeignet eingestuft. Das geht aus einem Papier des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hervor, das „Frontal21“ exklusiv vorliegt. 

Darin heißt es, dass das Erhitzen der Masken nicht ausreiche, um eine vollständige Inaktivierung infektiöser Viruspartikel auf den inkubierten Masken zu erzielen. Somit könne „dieses Verfahren nicht mehr für die Dekontamination von Masken empfohlen werden“. 

Corona-Krise: Hilft ein Mundschutz tatsächlich vor dem Coronavirus Sars-CoV-2?

Update vom 24. März 2020: Bereits im Januar wurden Schutzmasken angesichts der drohenden Coronavirus-Pandemie knapp - auch wenn vor allem der weit verbreitete Mund-Nasen-Schutz oder chirurgische Mundschutz laut Studien nicht ausreichend vor Viren schützt. Trotzdem kann ein solcher Mundschutz sinnvoll sein: Zum Fremdschutz. Durch ihn kann man andere Menschen zumindest einigermaßen vor den Viren schützen, die man möglicherweise selbst beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstößt.

Wer keinen adäquaten Mundschutz hat, kann ihn sich selbst nähen - beispielsweise gibt es bei der Stadt Essen eine Nähanleitung für einen Mundschutz gegen das Coronavirus. Man kann aber auch einen Schal oder ein Stück Stoff zum Schutz nutzen. Eins ist jedoch ganz wichtig, wie auch der Virologe Christian Drosten auf Twitter betont: Die Maßnahmen zu Distanzierung und Kontaktminimierung ließen sich „auf keinen Fall durch das allgemeine Tragen von Masken ersetzen“, so Drosten. „Masken sind eine Ergänzung der Maßnahmen und eine Erinnerung für Alle an den Ernst der Lage!

Coronakrise: Schützt ein Mundschutz vor dem Coronavirus Sars-CoV-2?

Erstmeldung vom 18. Januar 2020: Das Coronavirus Sars-CoV-2, das Ende 2019 im chinesischen Wuhan ausgebrochen ist, ist längst auch in Deutschland angekommen. Zuerst hatte sich ein Mann im bayerischen Landkreis Landsberg bei einer Kollegin aus China angesteckt - offenbar der erste Fall einer Übertragung des Coronavirus von Mensch zu Mensch außerhalb Asiens. Mittlerweile gibt es weltweit unzählige Fälle, längst hat die WHO eine Pandemie ausgerufen, die das Leben in vielen Ländern nahezu lahmlegt.

Schon bevor das Thema Coronavirus in Deutschland akut wurde, konnte man immer häufiger Menschen sehen, die einen Atemschutz in der Öffentlichkeit trugen - meist einen chirurgischen Mundschutz. Können solche Schutzmasken vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus helfen? Offenbar scheinen viele Menschen das zu glauben, Atemschutzmasken würden in vielen Apotheken bundesweit „verstärkt nachgefragt“, erklärte Ursula Sellerberg von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände bereits Ende Januar gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. In hessischen Apotheken war Atemschutz zu diesem Zeitpunkt bereits ausverkauft - dabei dürfte es sich vor allem um den chirurgischen Mundschutz gehandelt haben.

Schützen ein Mundschutz vor dem Coronavirus Sars-CoV-2?

Ende Januar erklärte Bernd Salzberger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie gegenüber dpa: „Persönlicher Schutz ist im Augenblick vollkommen unsinnig“. Die chirurgischen Gesichtsmasken sind dem Experten zufolge nicht zum Schutz vor Ansteckungen gemacht.

Kommentar zum Umgang mit dem Coronavirus: Rassismus macht nicht immun

Die Atemschutzmasken sollten dafür sorgen, dass möglicherweise infektiöse Tröpfchen aus dem Atemtrakt des Chirurgen nicht in das Operationsgebiet gelangen. Es mache daher Sinn, zum Beispiel als Grippekranker eine Maske zum Schutz anderer Menschen zu tragen. „Aber der Schutz vor einer Infektion von außen ist sehr, sehr schlecht damit“, so Salzberger.

Schutz vor dem Coronavirus Sars-CoV-2: Mund-Nasen-Schutz schützt nur bedingt

Die chirurgischen Schutzmasken helfen zwar offenbar nicht gegen Viren, die über die Luft übertragen werden, doch sie können gegen etwas anderes helfen: Gegen Schmierinfektionen, die durch den häufigen Griff an Nase und Mund begünstigt werden.

Trotzdem empfehlen das Robert-Koch-Institut (RKI) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) das Tragen eines Mundschutzes gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 nicht generell. Patienten, die als Verdachtsfälle eingestuft sind, sollten laut RKI jedoch eine mehrlagige Mund-Nasen-Maske tragen.

Für Menschen, die im Gesundheitssystem am Patienten arbeiten, empfiehlt das RKI eine persönliche Schutzausrüstung, „bestehend aus Schutzkittel, Einmalhandschuhen und direkt anliegendem mehrlagigem Mund-Nasen-Schutz sowie ggf. einer Schutzbrille“. Auch der Patient sollte einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Tue er das nicht, empfehle das RKI mindestens eine FFP2-Maske.

Coronavirus Sars-CoV-2: Tragen einer Schutzmaske ist Fremdschutz, sagt das RKI

„Wenn eine an einer akuten respiratorischen Infektion erkrankte Person sich im öffentlichen Raum bewegen muss, kann das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes durch diese Person sinnvoll sein“, heißt es auf der Webseite des RKI. Dabei gehe es allerdings um Fremdschutz: Das Risiko, eine andere Person durch Husten oder Niesen anzustecken, wird verringert.

Dabei sei es jedoch wichtig, dass die Maske richtig sitzt: Sie muss eng anliegen und gewechselt werden, wenn sie durchfeuchtet ist. Außerdem sollte man darauf achten, dass man beim Tragen nicht am Mund-Nasen-Schutz herumspielt.

Dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes das Risiko einer Ansteckung für den gesunden Träger verringert, ist nach Angaben des RKI nicht nachgewiesen. Nach Angaben der WHO kann das Tragen der Maske sogar zu einem falschen Sicherheitsgefühl führen - wodurch wichtige Hygienemaßnahmen wie eine Handhygiene vernachlässigt werden.

Angst vor dem Coronavirus Sars-CoV-2: Schutzmasken werden knapp

Mittlerweile sind Atemschutzmasken in einigen Apotheken in Bayern bereits ausverkauft, berichtet die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf einen Sprecher des bayerischen Apothekerverbands. Derzeit gebe es angesichts des Coronavirus eine verstärkte Nachfrage. Zudem sei es bei einigen Großhändlern schwierig, Nachschub zu bekommen.

Schutzmasken - Mund-Nasen-Schutz (MNS) oder FFP-Masken

Es gibt verschieden Arten von Schutzmasken:

  • Mund-Nasen-Schutz (MNS), auch OP-Masken oder chirurgische Masken genannt, sind dünne Masken. Sie bestehen aus einer Filterschicht, die zwischen zwei Stoffschichten eingebettet ist. Diese Masken verhindern in erster Linie, dass Speicheltröpfchen des Maskenträgers in die Umgebung gelangen. Weil der Mund-Nasen-Schutz nicht dicht anliegt, schützt er nicht ausreichend vor einer Infektion über die Luft. Sie können Mund und Nase des Trägers allerdings vor Berührungen durch kontaminierte Hände schützen. Meist sind diese Masken gemeint, wenn von „Mundschutz“ oder „Atemschutz“ die Rede ist.
  • Partikelfiltrierende Halbmasken (filtering face piece, FFP) schützen vor Aerosolen - seien sie fest oder flüssig. Unterschieden wird in FFP1, FFP2 und FFP3, Masken ab der Klasse FFP2 schützen nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vor „Stoffen, die carzinogen, mutagen oder reproduktionstoxisch sind“, außerdem vor radioaktiven Stoffen und „luftgetragenen biologischen Arbeitsstoffen mit der Einstufung in Risikogruppe III“. Dicht sitzende FFP2-Masken stellen nach BAuA-Angaben „einen geeigneten Schutz vor infektiösen Aerosolen, einschließlich Viren“, dar.

Coronavirus Sars-CoV-2 löst Lungenkrankheit Covid-19 aus

Coronaviren - zu ihnen zählen auch Sars und Mers - werden gewöhnlich durch Schmier- oder Tröpfcheninfektion übertragen. Wie genau das Coronavirus Sars-CoV-2 übertragen wird, dazu fehlen bisher genaue Informationen, so das RKI (was man bisher über das Coronavirus weiß, finden Sie hier). Auch die Ansteckungsgefahr können Forscher noch nicht genau beurteilen. Chinesische Forscher gehen davon aus, dass ein Infizierter durchschnittlich 1,4 bis 2,5 Menschen ansteckt. Die Übertragungsrate hängt allerdings von sehr vielen Faktoren ab.

Wie kann man sich vor dem Coronavirus Sars-CoV-2 schützen?

Da Coronaviren durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion übertragen werden, empfehlen das Robert-Koch-Institut und die Weltgesundheitsorganisation folgende Maßnahmen gegen eine Ansteckung:

  • gute Handhygiene
  • Husten- und Nies-Etikette
  • Abstand zu Erkrankten

Diese Schutzmaßnahmen gelten jedoch angesichts der aktuellen Grippewelle und Erkältungszeit nicht nur als Vorbeugung gegen das Coronavirus, sondern auch als Schutz vor Erkältung oder Grippe. Zudem gelten Allergiker in der Corona-Krise als Risikogruppe.

Von Tanja Banner, mit dpa

Transparenzhinweis: Es gibt unterschiedliche Typen von Schutzmasken - vom einfachen Mund-Nasen-Schutz (MNS), also der chirurgischen Maske, bis hin zu partikelfiltrierenden Halbmasken unterschiedlicher Klassen. Diese Information haben wir ergänzt. Wenn von ausverkauftem Mundschutz  in Apotheken die Rede ist, sind meist die chirurgischen Masken gemeint. Zum Schutz vor Viren werden FFP2-Masken empfohlen. Chirurgische Masken (oder auch selbstgenähte Masken) dienen nicht zum Eigen-, sondern zum Fremdschutz.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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