Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Neues Medikament

Therapie gegen das Coronavirus: Kommt bald die erste Pille gegen Covid-19?

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
    schließen

Der US-Pharmakonzern Merck hat für sein Anti-Corona-Medikament Molnupiravir die Notzulassung in den USA beantragt. Bewährt sich die Pille, könnte das einen Durchbruch bedeuten.

Frankfurt/Kenilworth – Seit Beginn der Pandemie wird an Wirkstoffen gegen das Coronavirus geforscht – auch wenn das Impfen stets stärker im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stand. Doch anders als bei den Vakzinen war potenziellen Medikamenten bislang keine vergleichbare Erfolgsgeschichte beschieden.

Zwar hat sich die Behandlung von schwerkranken Covid-Patientinnen und -Patienten deutlich verbessert. Auch scheinen Antikörper-Präparate gut wirksam bei infizierten Menschen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf zu sein. Erst jüngst hat die Weltgesundheitsorganisation für den Antikörper-Cocktail der US-Firma Regeneron und des Schweizer Pharmaunternehmens Roche eine Empfehlung für diese hochgefährdete Gruppe ausgesprochen.

Antikörper-Therapie gegen Covid-19: Corona-Medikament für Zuhause fehlt bislang

Vielversprechend klingen auch die Studienergebnisse für einen Antikörper-Mix des britisch-schwedischen Konzerns Astrazeneca, der präventiv gegeben wird. Doch Antikörper müssen intravenös verabreicht werden.

Was bislang fehlt, ist ein einfach einzunehmendes Arzneimittel, das man kurz nach dem Auftreten der Symptome zu Hause schlucken kann, um zu verhindern, dass man schwer erkrankt beziehungsweise um die Genesung zu beschleunigen. Ein antivirales Medikament, ähnlich wie ein Antibiotikum gegen bakterielle Erreger. Ein Medikament, das für den unkomplizierten Einsatz in der Breite geeignet ist. Das wäre ein echter Durchbruch in der Therapie von Covid-19.

Covid-19-Therapie: US Pharmakonzern Merck will Anti-Corona-Pille Molnupiravir auf den Markt bringen

Ein solches Medikament, bei dem zumindest Hoffnung besteht, dass es diesen Ansprüchen genügt, könnte schon bald auf den Markt kommen. Anfang dieser Woche hat der US-Pharmakonzern Merck bei der Food and Drug Administration (FDA) in den USA die Notfallzulassung für sein gemeinsam mit Ridgeback Biotherapeutics entwickeltes antivirales Covid-Medikament Molnupiravir beantragt. Merck kündigte an, dass weitere Zulassungsanträge in anderen Ländern folgen sollen.

Kapsel statt Spritze. Eine orale Therapie als weiteres Standbein gegen Covid-19, wäre ein großer Fortschritt im Kampf gegen Sars-CoV-2. (Symbolbild)

Es wäre die erste antivirale Pille gegen Covid-19. Merck erklärte in einer Pressemitteilung, Molnupiravir hätte in einer Studie gezeigt, dass es das Risiko, wegen Covid-19 ins Krankenhaus zu müssen oder daran zu sterben, halbiere, wenn es gefährdeten Menschen zu einem frühen Zeitpunkt ihrer Infektion verabreicht werde. Sie müssen dafür fünf Tage lang zweimal täglich vier Kapseln einnehmen.

Anti-Corona-Pille Molnupiravir: Rund 1500 Freiwillige Studienteilnehmer in den USA und Deutschland

An der klinischen Phase-3-Studie hatten rund 1500 Freiwillige an 173 Standorten in den Vereinigten Staaten und anderen Ländern – darunter auch Deutschland mit den Universitätskliniken Frankfurt und Essen – teilgenommen. Alle waren seit weniger als fünf Tagen mit dem Coronavirus infiziert, zeigten bislang nur milde oder moderate Symptome, hatten aber mindestens einen Risikofaktor für einen schweren Verlauf. Bislang liegt erst eine Interimsanalyse und noch keine veröffentlichte Studie vor.

Merck & Co.US-Pharmakonzern
GründerGeorge Merck
Gründung1. Januar 1891, New York, Vereinigte Staaten
CEORobert M. Davis
HauptsitzKenilworth, New Jersey, Vereinigte Staaten

Ausgewertet wurden bislang die Daten von 775 Freiwilligen, 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die Molnupiravir erhielten, kamen im Laufe der folgenden 29 Tage ins Krankenhaus, das entspricht sieben Prozent. Gestorben ist niemand. Im Vergleich dazu mussten 53 Probandinnen und Probanden (14 Prozent) der Placebogruppe im Krankenhaus behandelt werden, acht starben.

Merck entwickelt Pille gegen das Coronavirus – Studienergebnisse zu Molnupiravir übertreffen Erwartungen

Weil die Ergebnisse die Erwartungen übertroffen haben sollen, hatte das unabhängige Aufsichtsgremium der Studie in Absprache mit der FDA empfohlen, keine weiteren Versuchspersonen mehr zu rekrutieren (ursprünglich war geplant, noch mehr einzubeziehen). Laut der Mitteilung von Merck soll das Medikament auch gegen die Varianten Delta, Gamma und Mu wirken. Über mögliche Nebenwirkungen lässt sich noch nicht viel sagen. Von unerwünschten Ereignissen berichteten 35 Prozent in der Molnupiravir-Gruppe und 40 Prozent – also mehr –in der Placebo-Gruppe.

Molnupiravir ist ein antivirales Mittel, das ursprünglich gegen die Influenza entwickelt wurde. Es soll die Vermehrung des Virus blockieren, indem der Wirkstoff als falscher RNA-Baustein in das Virenerbgut eingebaut wird. Dort soll die Substanz Mutationen verursachen, die zu vielen Fehlern bei der Replikation führen und das Virus so daran hindern, sich zu vermehren. Angeblich soll das Medikament nicht nur gegen Sars-CoV-2 wirken, sondern auch gegen andere Coronaviren, etwa solche, die Erkältungen auslösen.

Weitere Studie von US-Pharmakonzern Merck: Kann Anti-Corona-Pille Ansteckungen verhindern?

In einer weiteren Studie prüft Merck außerdem, ob Molnupiravir auch verhindern kann, dass sich jemand ansteckt und Symptome bekommt, wenn ein Mitglied des gleichen Haushalts infiziert ist.

Es gebe noch vieles, das man noch nicht wisse, wird Andy Pavia von der University of Utah auf der amerikanischen Website für Nachrichten zu Gesundheitsthemen „Stat“ zitiert. Aber wenn es sich gut entwickle, werde das Medikament „die Landschaft verändern“. Der Virologe Benjamin Gewurz von der Harvard Medical School betont die Chancen, die ein Medikament zur oralen Einnahme biete: „Einige Leute können einfach eine Pille schlucken und brauchen keine Injektion. Das wäre ein riesiger, riesiger Vorteil.“ Der Wissenschaftler spielt darauf an, dass Medikamente wie Remdesivir oder Antikörper-Cocktails intravenös verabreicht werden.

Der US-Pharmakonzern Merck will ein antivirales Medikament gegen das Coronavirus in Form einer Pille auf den Markt bringen. (Symbolbild)

Pille gegen Covid-19-Infektion: Wirkstoff von Molnupiravir mache Corona-Impfungen „nicht überflüssig“

Der Intensivmediziner Stefan Kluge vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf spricht gegenüber dem Science Media Center von einer „sehr vielversprechenden Therapieoption“. Er weist aber auch darauf hin, dass der Wirkstoff die Impfungen „selbstverständlich nicht überflüssig“ mache. Auch der Infektiologe Clemens Wendtner von der München Klinik Schwabing mahnt. Molnupiravir sollte nicht „als Argument dienen, sich einer Impfung zu entziehen“.

Die US-Regierung hat bereits Molnupiravir im Wert von 1,2 Milliarden Dollar bestellt (mit der Option auf noch weit mehr), das entspricht 1,7 Millionen Therapie-Einheiten und einem Wert von 700 Dollar pro Behandlung. „Ärzte ohne Grenzen“ hat diesen hohen Preis bereits kritisiert und fordert die Patentfreigabe. Die Vereinigung weist darauf hin, dass eine unabhängige Studie der Harvard-Universität auf einen Generika-Preis von 20 Dollar gekommen sei. Merck hat angekündigt, Verträge mit indischen Generika-Herstellern zu verhandeln, um bei einer Zulassung auch schnell die Herstellung für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen starten zu können. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Jakub Porzycki/imago-images

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare