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Coronavirus-Ansteckung bei Tieren möglich

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Kontakte mit Oberflächen spielen bei der Übertragung des Coronavirus kaum eine Rolle. Ein anderer Ansteckungsweg wird dagegen unterschätzt.

  • Ein Forscherteam hat den aktuellen Stand zum Coronavirus zusammengefasst.
  • Wichtige Erkenntnis: Aerosole wurden lange unterschätzt.
  • Eine Übertragung des Coronavirus von Tiere auf Menschen ist ebenfalls möglich.

Das Coronavirus wird hauptsächlich über Tröpfchen und Aerosole übertragen. Anders als bei anderen Krankheitserregern ist die Gefahr, sich über das Berühren einer kontaminierten Oberfläche anzustecken, offenbar nur gering. Allerdings scheint es möglich zu sein, dass Menschen sich bei Tieren anstecken. Das sind nach heutigem Kenntnisstand die Übertragungswege von Sars-CoV-2.

Kaum Ansteckungsgefahr durch Oberflächen

Ein Forscherteam verschiedener US-amerikanischer Kliniken hatte sich wissenschaftliche Artikel angeschaut, die zwischen Januar und September zu diesem Thema erschienen waren. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass die Ansteckung über Oberflächen, über die zu Beginn der Corona-Pandemie diskutiert wurde, allenfalls eine untergeordnete Rolle spielt. Zwar legen einige experimentelle Studien nahe, dass das Erbgut des Virus auf Flächen zum Teil viele Stunden lang überleben kann; allerdings reichen die Mengen und die Vitalität des Materials für eine Infektion vermutlich nicht aus.

Aerosole spielen wichtige Rolle bei Corona-Infektion

Während man anfangs dachte, dass Tröpfchen das wichtigste Medium der Übertragung seien, weiß man heute, dass Aerosole mindestens gleichberechtigt sind. Während Tröpfchen, die bei feuchter Aussprache, beim Niesen oder Husten ausgestoßen werden, relativ zügig in einem Radius von ein bis zwei Metern auf den Boden fallen, halten sich diese winzigen Partikel viel länger in der Luft und verteilen sich im gesamten Raum. Die amerikanischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen deshalb, wie wichtig Luftaustausch sei.

Auch die deutsche Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina erklärt, regelmäßiges Lüften und Anlagen mit Schwebstofffiltern könnten das Risiko einer Infektion in geschlossenen Räumen „deutlich reduzieren“. Sie weist in einem am Mittwoch veröffentlichten Papier aber auch auf weiterhin bestehende Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Übertragung auf dem Luftweg hin. So sei nicht geklärt, wie viele Viruspartikel für eine „folgenreiche Infektion“ eingeatmet werden müssten. Ebenfalls noch nicht verstanden ist, warum viele infizierte Menschen das Virus gar nicht weitergeben, während andere zu Superspreadern werden.

Coronavirus überträgt sich von Tiere auf Menschen

Das US-Forscherteam geht davon aus, dass sich fast alle Übertragungen in einer sehr frühen Phase der Infektion ereignen. Diese beginne etwa einen Tag vor den ersten Symptomen und ende im Durchschnitt eine Woche später. Ungewiss war bislang, ob auch eine Übertragung zwischen Mensch und Tier möglich sein könnte. Grundsätzlich hat das Coronavirus seinen Ursprung in einem tierischen Wirt und ist vor Ausbruch der Pandemie auf einen Menschen übergesprungen. Ein niederländisches Forscherteam sieht es mittlerweile als sehr wahrscheinlich an, dass das kein einmaliger Vorgang war, sondern auch jetzt solche zoonotischen Übertragungen möglich sind.

Die Grundlage für diese Annahme bilden Corona-Ausbrüche in 16 Nerzfarmen. Als man Menschen, die dort arbeiten oder in der Nähe leben, testete, fand man bei allen Infizierten einen direkten Bezug zu einer der Nerzfarmen. Bei zwei Angestellten konnte durch eine Genanalyse belegt werden, dass sie sich direkt bei den Nerzen angesteckt hatten. Nach Aussage der Wissenschaftler handelt es sich um die erste nachgewiesene zoonotische Übertragung von Sars-CoV-2 auf Menschen. (Von Pamela Dörhöfer)

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