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Covid-19

Corona-Varianten kursieren in Deutschland – Mutationen von Sars-CoV-2 hebeln Immunsystem aus

  • Tobias Utz
    vonTobias Utz
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  • Tim Vincent Dicke
    Tim Vincent Dicke
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Die Forschung beobachten Corona-Mutationen mit Sorge. Auch in Deutschland sollen sie bereits kursieren.

  • Bei der britischen Coronavirus-Variante B.1.1.7 werden Merkmale der südafrikanischen Mutante entdeckt.
  • Analysen zeigen, dass Impfstoffe bei der veränderten Viruslinie weniger wirksam sind. Ein Virologe warnt vor einer „besorgniserregenden Entwicklung“. Die Forschung arbeitet an einem Datenüberblick.
  • Die verschiedenen Corona-Mutationen könnten Impfstoffe aushebeln und ineffektiver mache.

Update vom 04.02.2021, 10.30 Uhr: Nachdem Politik und Forschung am Mittwoch einen Datenüberblick zu kursierenden Corona-Mutanten angekündigt haben, ist die Angst vor ihnen weiterhin groß. Wichtigster Aspekt dessen ist, dass diese die menschliche Immunabwehr umgehen könnten. „Das Virus könnte sich dann auch unter bereits Geimpften verbreiten und auch unter Menschen, die die Krankheit schon durchgemacht haben. Das ist ganz klar die größere Gefahr“, betonte Karl Lauterbach, SPD-Politiker und Epidemiologe, gegenüber der „Tagesschau“. Auf Twitter ergänzte er: „Laborexperimente zeigen: diese Evolution ist erst Anfang.“

Verschiedene Mutationen könnten Corona-Impfstoffe langfristig aushebeln und in ihrer Effektivität begrenzen. Das hätte wohl einen Kreislauf an neuen Impfstoffen zur Folge, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

Corona-Mutationen: Drei Varianten kursieren weltweit

Die Impfstoffe müssen deshalb weiterentwickelt werden, fügte Lauterbach hinzu. Er geht von einem halben Jahr aus, bis die verschiedenen Mittel auf dem neuesten Stand sind. Ugur Sahin, Gründer von Biontech, hatte Mitte Dezember 2020 angekündigt, dass eine Anpassung des Impfstoffs vorgenommen werde und sprach von einer Zeitspanne von circa sechs Wochen. Im Zentrum dessen stehen vor allem drei bislang bekannt Corona-Mutationen: die südafrikanische, die britische und die brasilianische.

Die Forschung geht davon aus, dass sich Corona-Mutante längst in Deutschland ausbreiten. (Illustration)

Expert:innen hatten zuletzt geäußert, dass sie davon ausgehen, dass die Mutationen längst in Deutschland kursieren (siehe Update vom 03.02.2021).

Update vom 03.02.2021, 17.15 Uhr: Angesichts der Ausbreitung wahrscheinlich hochansteckender und besonders gefährlicher Corona-Varianten in Deutschland arbeiten die Behörden unter Hochdruck an einem Überblick. Anfang kommender Woche soll es eine offizielle Übersicht über die tatsächliche Ausbreitung dieser Mutationen geben, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin bekräftigte. Eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums sagte, die entsprechenden Virus-Analysen würden derzeit deutlich ausgeweitet und das „Robert Koch-Institut“ wolle die Daten in Kürze veröffentlichen.

Expert:innen gehen davon aus, dass die Mutanten bereits weiter verbreitet sind als bekannt. Sie gehen auch davon aus, dass eine umso schnellere Ausbreitung droht, je früher es Lockerungen beim Lockdown gibt. Für Aufmerksamkeit sorgte eine Mitteilung der Stadt Köln von Montag, nach der allein dort 88 Fälle der mutierten britischen Virus-Variante und 17 Fälle der südafrikanischen Variante nachgewiesen wurden. Unter anderem mehrere Kitas waren betroffen.

DIe elektronenmikroskopische Aufnahme aus dem Jahr 2020 zeigt Partikel des Coronavirus Sars-CoV-2. (Archivfoto)

Corona-Varianten kursieren in Deutschland

Bundesweit gibt es seit Tagen immer wieder Meldungen über einzelne Nachweise von Varianten – zuletzt beispielsweise in der Altmark in Sachsen-Anhalt, im sächsischen Vogtlandkreis, in Cottbus, dem Landkreis Elbe-Elster, in Delmenhorst, im Kreis Mainz-Bingen, im Kreis Rhein-Hunsrück, im Kreis Germersheim und im Kreis Trier-Saarburg.

Im Landkreis Tirschenreuth wurden als Ursache für einen besonders hohen Corona-Inzidenzwert Mutationen vermutet, da in es in Nachbarlandkreisen bereits entsprechende Varianten gebe. 40 Verdachtsfälle auf Corona-Mutationen verteilten sich dort über den ganzen Landkreis.

Anders als in Großbritannien hatten Behörden und Virologen in Deutschland bisher nicht engmaschig nach den Varianten gesucht. Dabei können sie sich sehr schnell ausbreiten. In Großbritannien ist die Variante B.1.1.7 inzwischen in den bei weitem meisten untersuchten Proben zu finden. Noch im Herbst war ihr Anteil verschwindend gering.

Zugleich erregen weitere neue Mutationen die Aufmerksamkeit von Wissenschaftler:innen. So gibt es etwa bei der britische Variante eine zusätzliche Mutation, von der angenommen wird, dass sich die Menschen damit trotz Impfungen oder bereits erfolgten Infektionen leicht anstecken können. Es ist die Mutation E484K. „Das Virus entkommt dem Immunsystem einfacher“, sagte der Virologe Alexander Kekulé dazu der „Deutschen Presse-Agentur“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Vortag in einem „ARD“-Interview gesagt: „Das einzige Risiko, was wir im Augenblick haben, ist das, dass uns die Mutation aus Großbritannien oder Südafrika einen Strich durch die Rechnungen machen könnte, weil die sehr viel aggressiver ist.“ Sie sagte: „Jeder Tag zählt jetzt.“

Forschende haben eine Corona-Supermutante entdeckt. (Archivfoto)

Erstmeldung vom 02.02.2021, 18.30 Uhr: Frankfurt/London – Seit Beginn der Corona-Pandemie ist das Virus Sars-CoV-2 immer wieder mutiert, doch erst die neuen Varianten aus Großbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B.1.351) haben für flächendeckende Aufregung gesorgt. Wissenschaftler:innen haben nun Kombi-Mutanten entdeckt, die sowohl Merkmale der britischen als auch der südafrikanischen Variante tragen. Expert:innen betrachten die Entwicklung mit Sorge.

Ein Bericht der Gesundheitsbehörde „Public Health England“ habe ergeben, dass die E484K genannte Corona-Mutation spontan in einer Handvoll Fälle aufgetaucht sei, meldete die Nachrichtenagentur „PA“ am Dienstag. „Dies deutet darauf hin, dass die britische Variante nun selbstständig die E484K-Änderung entwickelt“, sagte Jonathan Stoye vom „Francis Crick Institute“. Nach Informationen des TV-Senders „Sky News“ waren 11 von 200.000 Proben betroffen.

B.1.1.7 mutiert weiter – Corona-Impfstoff bei neuer Mutante weniger wirksam

Die Mutante war zuvor bereits in der Corona-Variante aus Südafrika festgestellt worden. In einer Untersuchung hatten die Impfstoffproduzenten Pfizer und Biontech festgestellt, dass Geimpfte gegen die Variante aus Südafrika offenbar eine etwas schwächere Immunantwort aufbauen. Dies führe aber „vermutlich nicht zu einer signifikant verringerten Wirksamkeit des Impfstoffs“.

Britische B.1.1.7-Mutante mit neuen Merkmalen: „Besorgniserregende Entwicklung“ in der Corona-Krise

Laboruntersuchungen hätten gezeigt, dass Antikörper weniger in der Lage seien, an Spike-Proteine mit E484K-Mutation zu binden, meldete „PA“. Wissenschaftler Stoye sagte, es sei nicht überraschend, dass neue Varianten auftreten. „Es bleibt abzuwarten, ob diese Mutation dem neuen Virus einen Wachstumsvorteil verschaffen wird.“

Der Virologe Julian Tang von der Universität Leicester sprach von einer „besorgniserregenden Entwicklung“ in der Pandemie, die allerdings „nicht völlig unerwartet“ komme. Tang sagte, es sei umso wichtiger, sich an die Corona-Regeln zu halten und die Ausbreitung des Virus zu stoppen, damit es kein „Schmelztiegel“ für neue Varianten werde.

Großbritannien stellte wegen Corona-Variante Flugverkehr mit Südafrika ein

Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek sagte im „NDR“-Podcast „Coronavirus-Update“ über die Variante E484K: „Hier gibt es erste Hinweise und Daten, dass das dazu führen könnte, dass diese Mutation neutralisierende Antikörper nicht mehr so gut greifen können.“

Großbritannien stellte aufgrund der Corona-Pandemie den Flugverkehr mit Südafrika ein.

Aus Angst vor einer Ausbreitung der südafrikanischen Corona-Variante hatte Großbritannien Ende Dezember den Flugverkehr mit Südafrika eingestellt und die Quarantäneregeln für Reisende verschärft. (tvd/tu/dpa)

Rubriklistenbild: © Christian Ohde/Imago Images

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