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Coronavirus: Auch das Wohlbefinden von Haustieren ist in Gefahr.
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Coronavirus: Auch das Wohlbefinden von Haustieren ist in Gefahr.

Forschungsergebnisse

Coronavirus: Menschen können ihre Haustiere anstecken

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Öfter als gedacht sind auch Haustiere vom Coronavirus betroffen – wenn auch meist ohne schwere gesundheitliche Folgen für die Vierbeiner.

Ontario/Berlin – Katzen sind einem hohen Ansteckungsrisiko ausgesetzt, wenn Frauchen oder Herrchen mit dem Coronavirus infiziert sind und ihren Liebling mit im Bett schlafen lassen. Die positive Nachricht: Die Stubentiger erkranken meist nicht schwer. Dass Katzen und auch Hunde sich Sars-CoV-2 einfangen können, wird schon seit mehr als einem Jahr vermutet.

Bislang wusste man aber nicht, wie anfällig die Tiere sind und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass sie eine Infektion zu spüren bekommen. Mit diesen Fragen hat sich ein Forschungsteam um die Veterinärpathologin Dorothea Bienzle von der University of Guelph in Ontario beschäftigt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten dafür 54 Hunde und 48 Katzen von Menschen, die an Covid-19 erkrankt gewesen waren. Die Ergebnisse sollen beim Europäischen Kongress für Klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten vorgestellt werden, der vom 9. bis 12. Juli online stattfindet.

Coronavirus bei Haustieren: Atemschwierigkeiten, Durchfall und Geschmacksverlust

Die Vierbeiner aus insgesamt 77 Haushalten wurden auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 getestet, die eine frühere Infektion mit dem Virus belegen. Gleichzeitig sollten die Besitzerinnen und Besitzer Auskunft geben, wie sie mit ihren Haustieren umgingen – ob sie sie häufig streicheln, küssen, auf den Schoß nehmen oder mit ins Bett lassen. Als Kontrollgruppe dienten 75 Hunde und Katzen, die in einem Tierheim lebten, sowie 75 streunende Katzen; sie alle wurden ebenfalls auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet.

Das Ergebnis: 67 Prozent der in einem Haushalt lebenden Katzen und 43 Prozent der Hunde trugen Antikörper im Blut, die auf eine vorangegangene Corona-Infektion hinwiesen. Dagegen fanden die Forschenden solche Zeugnisse einer Immunantwort lediglich bei neun Prozent der Artgenossen aus Tierheimen und sogar nur bei drei Prozent der Streuner. Bei 27 Prozent der Katzen mit Antikörpern berichteten die Besitzerinnen und Besitzer von Symptomen. Im Vordergrund standen eine laufende Nase und Atemschwierigkeiten. Die meisten Fälle sollen mild verlaufen sein, drei jedoch schwer.

Die Hunde zeigten andere Symptome. Insgesamt hatten 20 Prozent Beschwerden – die Tiere litten vor allem unter einem Verlust an Energie und Geschmackssinn. Einige Hunde sollen auch Husten oder Durchfall gehabt haben, die Symptome seien aber mild ausgefallen und schnell wieder abgeklungen. Bei den Hunden soll sich die Art des Umgangs und die Zeit, die Herrchen oder Frauchen mit ihnen verbrachten, nicht auf das Ansteckungsrisiko ausgewirkt haben, schreiben die Forschenden in einer Pressemitteilung.

Besitzer:innen sollten ihre Haustiere bei einer Coronavirus-Infektion nicht mit ins Bett nehmen

Anders hingegen bei den Katzen: Stubentiger, die mehr Zeit mit ihrem Menschen verbrachten, hatten ein höheres Ansteckungsrisiko – am größten soll es gewesen sein, wenn sie mit im Bett schlafen durften.

Wie es in der Pressemitteilung des Forschungsteams heißt, seien die Katzen aufgrund ihrer Biologie anfälliger für Covid-19 als Hunde. Das hänge unter anderem mit den Rezeptoren auf ihren Zellen zusammen, an die das Virus andocken und sich darüber Eintritt verschaffen kann. Es habe aber vermutlich auch damit zu tun, dass Katzen eher als Hunde nahe beim Gesicht ihres Frauchens oder Herrchens schlafen würden,

Die Forschenden gehen außerdem davon aus, dass eine Übertragung vom Menschen auf ihr Haustier wahrscheinlicher ist als umgekehrt. Studienleiterin Dorothea Bienzle fasst zusammen: „Wenn jemand Covid-19 hat, besteht eine überraschend große Chance, es an das Haustier weiterzugeben. Katzen scheinen besonders empfänglich dafür zu sein, vor allem, wenn sie mit im Bett schlafen.“ Die Veterinärpathologin rät, Haustiere von anderen Menschen und deren Haustieren fernzuhalten – auch deshalb, weil es eben doch nicht ausgeschlossen werden könne, dass ein Hund oder eine Katze einen Menschen ansteckt.

Auch Hamster, Großkatzen, Marderhunde und Nerze können sich mit dem Coronavirus infizieren

Dass eine Übertragung von einem Tier auf Menschen grundsätzlich möglich ist, zeigt allein die wahrscheinliche Herkunft des Virus. Covid-19 ist eine Zoonose, eine Erkrankung, die aus der Tierwelt gekommen ist. Der erste Wirt war eine Fledermaus, vermutet wird, dass es einen Zwischenwirt gab, der aber noch identifiziert werden konnte. Belegt ist, dass sich neben den Flugsäugern unter anderem auch Frettchen, Hamster, Hunde, Katzen – inklusive Großkatzen – , Marderhunde und Nerze mit Sars-CoV-2 infizieren können. So gab es in Europa seit Beginn der Pandemie mehrere Ausbrüche in Nerzfarmen, in Dänemark soll das Virus zudem in den Tieren mutiert und auf Menschen übertragen worden sein. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité äußerte vor einigen Wochen sogar die Vermutung, dass Nerze aus der Pelztierhaltung in China die Zwischenwirte gewesen sein könnten, die das Virus auf den Menschen übertragen haben.

Coronavirus: Impfstoff für Tiere könnte Verbreitung von Mutationen verhindern

Menschenaffen als unsere nächsten Verwandten können sich ebenfalls mit Sars-CoV-2 anstecken, Berichten zufolge sollen Anfang des Jahres im Zoo von San Diego (Kalifornien) mehrere Gorillas positiv auf das Virus getestet worden sein, sie erkrankten jedoch nur leicht mit Müdigkeit, Husten und Durchfall als Beschwerden. Die Zooleitung hat deshalb angefangen, die Menschenaffen mit einem Tierimpfstoff des US-Konzerns Zoetic zu impfen, der in den Vereinigten Staaten für den experimentellen Gebrauch zugelassen ist. Ein Zoo im kalifornischen Oakland setzt das Vakzin ein, um unter anderem Tiger und Bären zu impfen.

Auch in Russland ist offiziellen Angaben zufolge bereits ein Tiervakzin mit dem Namen Carnivac-Cov entwickelt und zugelassen worden. Es soll laut der Argraraufsichtsbehörde unter anderem an Hunden, Katzen und Nerzen getestet worden sein. In der Mitteilung der Behörde hieß es zudem, ein Impfstoff für Tiere könne in Zukunft möglicherweise helfen, die Verbreitung von Virusvarianten, die in Tieren entstanden sind, zu verhindern. (Pamela Dörhöfer)

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