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Die Malariaerreger sind inzwischen oft gegen Chloroquin resistent.

Medikament gegen Coronavirus

Coronavirus: Malaria-Medikament soll gegen Covid-19 helfen

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Ein altes Malaria-Medikament sollen Covid-19-Erkrankten helfen, doch Forscher warnen vor Risiken.

  • Ein altes Malaria-Medikament soll auch gegen das Coronavirus helfen
  • Forscher sehen allerdings Risiken 
  • Die konkrete Wirkung gegen Covid-19 sei noch unklar

Donald Trump griff mal wieder zu Superlativen, als er vergangene Woche bei einem seiner täglichen Corona-Briefings Pläne vorstellte, ein altes Malaria-Medikament in den USA zur Therapie von Patienten mit Covid-19 einzusetzen. Von einem „riesigen Versprechen“ war die Rede und davon, dass dieses Mittel die Wende in der Corona-Krise bringen könne. Konkret geht es um die verwandten Wirkstoffe Chloroquin und Hydroxychloroquin. Der deutsche Pharmakonzern Bayer hat bereits drei Millionen Tabletten seines Malariamittels mit dem Handelsnamen „Resochin“ gespendet. Es soll in amerikanischen Kliniken Covid-19-Patienten in einer Kombination mit dem Antibiotikum Azithromycin gegeben werden.

Coronavirus: Altes Malaria-Medikament zur Therapie von Covid-19

Unabhängig von den gewohnten Übertreibungen des US-Präsidenten sehen auch Wissenschaftler in Chloroquin und Hydroxychloroquin mögliches Potenzial; allerdings mit erheblichen Einschränkungen und eher als Übergang, bis ein zielgerichtetes antivirales Mittel gefunden ist. Tatsächlich haben Mediziner in China, Südkorea und Italien bereits Corona-Patienten mit Malariamitteln behandelt. Laut „New York Times“ sollen auch einige US-Kliniken damit angefangen haben. In Deutschland will das Institut für Tropenmedizin in Tübingen das Malaria-Medikament nun ebenfalls als Therapie bei Covid-19 testen. All diese Versuche sind Teil einer weltweit fieberhaften Suche nach einer möglichst schnell verfügbaren Therapie.

Einsatz von Malaria-Medikament gegen Coronavirus: Forscher sehen Risiken bei Einsatz gegen Covid-19

Die Hoffnungen auf eine Wirksamkeit der alten Malariamittel basieren vor allem auf einer Studie des Instituts Hospitalo-Universitaire Méditerrannée Infection Marseille, in der ein französischer Forscher über Erfolge bei der Behandlung von Covid-19-Patienten mit Malariamitteln berichtete. Die Fallzahlen sind allerdings zwangsläufig gering, Wissenschaftler bewerten die Datenlage insgesamt als dünn.

In seinem NDR-Podcast „Das Coronavirus-Update“ sagt der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité zwar, dass Chloroquin in Zellkulturen eine Infektion mit dem alten Coronavirus Sars-CoV-1 verlangsame. Das müsse aber nicht zwangsläufig auch bei Covid-19-Patienten so sein, da Stoffe im Körper anders wirken als in der Zellkulturschale. Zudem sei in der französischen Studie die Virenkonzentration im Hals der Patienten gemessen worden – und nicht in der Lunge, wo sich bei schweren Verläufen das Krankheitsgeschehen konzentriert.

Einsatz von Malaria-Medikament gegen Coronavirus: Konkrete Wirkung gegen Covid-19 noch unklar

Chloroquin und das von ihm abgeleitete Hydroxychloroquin sind relativ günstige Arzneistoffe, die mit Chinin verwandt sind und früher die wichtigsten Medikamente zur Malariaprophylaxe waren. Heute werden sie wegen zunehmender Resistenzen des Erregers nur noch selten zu diesem Zweck verordnet. Unter dem Handelsnamen „Resochin“ wurde Chloroquin 1934 erstmals von der I. G. Farbenindustrie – aus der später Bayer hervorging – hergestellt. Beide Wirkstoffe dringen in die roten Blutkörperchen ein und hemmen dort bestimmte Eiweiße, die der eingewanderte Malariaerreger als Energielieferanten benötigt. Beide wirken über einen bis heute nicht genau geklärten Mechanismus auch gegen Entzündungen und werden deshalb zuweilen in geringer Dosis bei rheumatischen Erkrankungen gegeben. Wissenschaftler vermuten, dass eine mögliche Wirkung bei Covid-19 eher unspezifisch sein dürfte, sich also nicht wie ein Virostatikum gezielt gegen das Virus richtet. Eine Vermutung lautet, dass die Malariamittel das Immunsystem bei der Abwehr der Viren unterstützen könnte.

Beide Arzneistoffe können zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen haben, Hydroxychloroquin in geringerer Ausprägung als Chloroquin. Neben Magen-Darm-Beschwerden, Juckreiz, Schlafstörungen oder Schwindel können in seltenen Fällen vorübergehende Hornhauttrübungen und – schlimmer – irreversible Netzhautschäden auftreten.

Coronavirus: Keine Erfahrung von Malaria-Medikamenten gegen Covid-19

Fritz Sörgel, Direktor des Instituts für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg, weist außerdem darauf hin, dass es für beide Substanzen „keine Erfahrungen mit Corona-Patienten“ gebe und sie „auch sonst nicht sehr gut bei Patienten mit schweren Funktionsstörungen innerer Organe“ untersucht seien. Auch wisse man nicht, welche Dosis optimal sei, „Konzentrationsmessungen“ käme deshalb „größte Bedeutung“ zu, sagte er der FR. Gerade bei Anti-Infektiva – Medikamenten, die gegen Infektionen wirken – sei ein Monitoring sehr wichtig, sagt Sörgel. Ebenso sei die lange Halbwertszeit der Substanzen im Blut zu berücksichtigen.

Auch Anthony Fauci, Direktor der Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten in den USA, dämpft allzu große Hoffnungen, mit dem Malariamittel könne schnell ein Medikament zur Behandlung von Covid-19-Patienten verfügbar sein. Es werde Monate dauern, bis man wisse, ob es wirklich sicher und wirksam sei.

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