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Pandemie

Krebsexperten warnen: Wegen Corona droht ein Kollaps des Gesundheitssystems

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die Corona-Pandemie gefährdet die Versorgung von Krebspatienten. Experten schlagen Alarm: Noch immer fehlt eine nachhaltige Strategie.

Heidelberg – „Die Krebssterblichkeit wird nach oben schnellen.“ Das ist die erschreckende Prognose von Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg: „Wir werden zukünftig mit vielen Patienten konfrontiert werden, deren Krebserkrankung zu spät entdeckt wurde und deren Heilungschancen dadurch verringert sind.“ Der Grund für diese alarmierend klingende Einschätzung ist: Die aktuelle dritte Welle der Pandemie gefährdet nach Ansicht von Fachleuten die Versorgung von Krebskranken.

Die in einer „Corona Task Force“ organisierten Institutionen Deutsche Krebshilfe, Deutsches Krebsforschungszentrum und Deutsche Krebsgesellschaft haben deshalb am Montag einen „Notruf“ verschickt, der ein düsteres Bild zeichnet: „Sollte sich die Lage nicht kurzfristig entspannen, droht ein Kollaps des Gesundheitssystems“, heißt es da. „Viele Patienten könnten dann nicht mehr intensivmedizinisch behandelt werden, mit heute noch gar nicht absehbaren Folgen.“ Die politisch Verantwortlichen in der Bundesrepublik fordert die Task Force deshalb zum „sofortigen und zwingenden Handeln“ auf. In den großen deutschen Krebszentren werde die Sorge „uneingeschränkt geteilt“, heißt es weiter.

Organisationen warnen: Versorgung von Krebspatienten wegen Corona stark gefährdet

„Wir brauchen jetzt unbedingt eine Kehrtwende der Corona-Lage, sonst geschieht das in Deutschland eigentlich Undenkbare: Wir werden nicht mehr die adäquate und zeitgerechte Versorgung jedes einzelnen Krebspatienten sicherstellen können“, befürchtet Carsten Bokemeyer, Leiter des Hubertus Wald Tumorzentrums – Universitäres Cancer Center Hamburg. „Seit Beginn der Pandemie haben wir mit Einschränkungen in der Versorgung zu kämpfen, aber noch nie haben diese sich so einschneidend entwickelt wie in der jetzigen dritte Welle.“ Für die erste Welle im Frühjahr 2020 hatte eine Untersuchung des Berufsverbandes niedergelassener Onkologen noch den Schluss nahegelegt, dass spezialisierte Praxen vieles aufgefangen hatten und etwa Chemotherapien verstärkt ambulant stattfanden.

Organisationen fürchten höhere Sterblichkeit durch Tumore.

Seitdem aber habe man vieles versäumt, kritisieren die Krebsinstitutionen. Nicht zuletzt habe die Politik nach der ersten Welle im Frühsommer 2020 es unterlassen, eine „nachhaltige und krisensichere Strategie“ für das Gesundheitssystem zu entwickeln, „vor allem im Hinblick auf die unbedingt zu gewährleistende Versorgung von allen Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen“. Unter anderem hätte man sich gewünscht, „politisch klar und deutlich vorzugeben, dass bei Überlastung einzelner Kliniken die Patientenversorgung auch von anderen Einrichtungen in der jeweiligen Region übernommen werden muss – falls dies für den einzelnen Patienten medizinisch vertretbar ist“.

Krebsexperten vermissen Strategie um die Versorgungsnot in der Coronapandemie zu lindern

„Eine solche Strategie haben wir politisch bis heute nicht wahrgenommen. Im Gegenteil“, kritisiert Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. Die Versorgungsnot sei jetzt „dramatischer als zuvor“: „Wir haben Zweifel, ob wirklich allen politisch Verantwortlichen bewusst ist, dass die 1400 Menschen, die jeden Tag die Diagnose Krebs erhalten, auch zeitnah entsprechend versorgt werden müssen.“

Thomas Seufferlein, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft, mahnt an, die Impfstrategie zu forcieren, um das Gesundheitssystem zu entlasten. An die Bevölkerung richten die Krebsorganisationen den Appell, die Corona-Einschränkungen „auch zum Schutz der zahlreichen Krebspatienten unbedingt ernst zu nehmen und einzuhalten“.

Großbritannien: „Die Corona-Pandemie ist die größte Bedrohung der Krebsforschung seit Generationen“

In Großbritannien äußern Wissenschaftler:innen die Sorge, dass die Corona-Krise die Krebsforschung um Jahre verzögern wird und neue Therapien entsprechend auf sich warten lassen könnten. Am Londoner Institute of Cancer Research sieht man laut Deutscher Presse-Agentur als Grund dafür unter anderem verschärfte Auflagen für den Zutritt zu Laboren. Im jüngsten Lockdown sei die Zahl der Wissenschaftler:innen, die in die Laboren durften, noch einmal um 30 Prozent gefallen, zusätzlich zu früheren Beschränkungen. „Die Corona-Pandemie ist die größte Bedrohung der Krebsforschung seit Generationen, wird Institutsleiter Paul Workman zitiert. Krebs bleibe aber „eine so große Herausforderung wie immer“. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Bernd Wüstneck/dpa

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