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Corona-Impfung für Kinder ab fünf Jahren: Ständige Impfkommission empfiehlt Kinderimpfung

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Von: Pamela Dörhöfer

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Das Gremium rät, Fünf- bis Elfjährige mit einer Dosis Biontech/Pfizer zu impfen. Biontech testet derweil Vakzin für Kleinkinder.

Berlin - Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat gestern ihre Covid-19-Impfempfehlung für Kinder von fünf bis elf Jahren aktualisiert: Mädchen und Jungen in diesem Alter ohne Vorerkrankungen sollten eine Impfung mit einem mRNA-Vakzin in einer reduzierten Dosis zum Schutz vor dem Coronavirus erhalten; idealerweise „Comirnaty“ von Biontech/Pfizer mit zehn Mikrogramm. Das erklärte Stiko-Mitglied Martin Terhardt bei einem Pressetermin des Science Media Center. Das Biontech/Pfizer-Vakzin sieht er als geeigneter für diese Altersgruppe an als den ebenfalls auf mRNA-Technologie basierenden Impfstoff „Spikevax“ von Moderna, der eine höhere Dosis enthalte und für den es weltweit „deutlich weniger Erfahrungen“ gebe. Gleichwohl ist auch dieser Impfstoff für die Immunisierung von Fünf- bis Elfjährigen zugelassen. Für nicht geimpfte Kindern mit Vorerkrankungen empfiehlt die Stiko eine zweifache Impfung plus Booster.

Kinderimpfungen gegen das Coronavirus: Basisimmunität als Ziel

Bisher sah die Empfehlung der Stiko vor, dass nur Fünf- bis Elfjährige mit Vorerkrankungen gegen Covid-19 geimpft werden sollen. Zusätzlich wurde die Impfung Kindern empfohlen, die in ihrem Umfeld häufigen Kontakt zu Menschen mit einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf haben, welche selbst nur unzureichend durch eine Impfung geschützt werden können (etwa, weil sie e nicht ausreichend Antikörper bilden oder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können).

Warum nur eine Impfdosis für gesunde Kinder? In den USA haben die Behörden gerade erst den Booster für Fünf- bis Elfjährige fünf Monate nach der Grundimmunisierung empfohlen. Die Situation und Versorgung sei dort eine andere als in Deutschland, erklärt Terhardt. (Unter anderem gibt es in den USA viel mehr Kinder mit starkem Übergewicht).

Die Empfehlung, gesunde Fünf- bis Elfjährige einmal zu impfen, gelte sowohl für Kinder, bei denen bislang noch keine Infektion nachgewiesen wurde als auch für jene, die bereits eine hinter sich haben – in diesem Fall sollte dann ein Abstand von drei Monaten zur Impfung eingehalten werden, sagt der Mediziner.

Coronavirus in Deutschland: Biontech testet Corona-Impfungen für Kleinkinder

Ziel der aktualisierten Empfehlung sei es, mit Blick auf kommende Infektionswellen bei den Kindern über den Sommer eine „möglichst gute Basisimmunität“ aufzubauen. Auch hoffe die Stiko, so in Zukunft schwere Verläufe von Covid-19 zu verhindern, die auch bei Kindern ohne erhöhtes Risiko auftreten könnten. Reinhard Berner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Dresden und externer Sachverständiger der Stiko, betont allerdings, dass schwere Verläufe bei gesunden Kindern „ganz selten sind“. Zudem habe Omikron dazu geführt, dass auch die Pims-Erkrankung (Pediatric inflammatory Multisystem Syndrome) als Folge einer Infektion nur selten auftrete. Auch in Darmstadt traten mehr Fälle von Pims bei Kindern nach Corona-Infektionen auf.

Allerdings könne keiner „den Verlauf der Pandemie in den nächsten Monaten vorhersagen“, räumt Martin Terhardt ein. Es sei zu erwarten, dass neue Virusvarianten auftreten oder auch frühere zurückkehren, die dann im Herbst oder Winter wieder zu einer stärkeren Infektionswelle führen könnten, „mit einer eventuell höheren Krankheitslast“.

Corona-Impfungen: Stiko erneuert Empfehlung für Kinderimpfungen gegen das Coronavirus

Je nach Lage könne man die durch eine Impfung erreichte „Basisimmunität“ durch eine weitere Impfung dann noch optimieren, „möglicherweise auch durch einen angepassten Impfstoff“. Aus immunologischer Sicht sei dabei ein „relativ großer Abstand“ zwischen einer ersten und möglichen zweiten Impfung „sehr sinnvoll“. Ein zusätzlicher Vorteil eines größeren Abstands bestehe darin, dass auf diese Weise das Risiko von Komplikationen am Herzen reduziert werden könne, bei Kindern dieses Alters sei es aber ohnehin viel geringer als bei Jugendlichen.

Terhardt geht davon aus, dass fast 100 Prozent der Fünf- bis Elfjährigen bereits eine Infektion durchgemacht haben. Würden sie noch eine Impfung bekommen, sei mit sehr hohen Antikörperspiegeln und eine besonders guten Immunität zu rechnen, sagt Tim Niehues, Chefarzt des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Helios Klinikum Krefeld, der selbst kein Mitglied der Stiko ist. Er weist allerdings darauf hin, dass diese Einschätzung auf Daten beruhen, die „in vitro“ (bei Laborversuchen) erzeugt wurden.

Drei Dosen für Kleinkinder: Studie liefert weitere Erkenntnisse über Kinder-Impfungen gegen das Coronavirus

Fast gleichzeitig mit der Stiko-Empfehlung hat Biontech erste Ergebnisse seiner Studie zu einer Impfung von Kleinkindern vorgelegt. Das Mainzer Unternehmen sieht für Kinder ab sechs Monaten bis zum fünften Lebensjahr ein Grundimmunisierungsschema aus drei Injektionen seines Impfstoffs in einer Dosis von jeweils drei Mikrogramm vor. Die Effektivität in Bezug auf symptomatische Erkrankungen soll 80,3 Prozent betragen. Darauf angesprochen, sagte Stiko-Mitglied Terhardt, es sei in den Impfstoffstudien festgestellt worden, dass insbesondere in der Altersgruppe von zwei bis vier Jahren zwei Impfungen „überhaupt nicht ausreichend waren“ und die Studie deshalb auf ein Drei-Dosis-Impfschema geändert wurde.

Die veröffentlichten Ergebnisse sind Teil einer Studie mit 15 350 Teilnehmenden unterschiedlichen Alters, die Gruppe der Kleinkinder umfasste 1678 Mädchen und Jungen. Getestet wurde die Wirksamkeit gegenüber Omikron. Laut einem Bericht des Medizinportals Doccheck sollten die Unterlagen für die Notfallzulassung vermutlich innerhalb der nächsten Tage komplettiert und dann zunächst der US-Zulassungsbehörde FDA zur Verfügung gestellt werden. (Pamela Dörhöfer)

Corona-Impfung: Sollte man Kinder aus Sorge vor Long Covid impfen?

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