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Langzeitfolgen von Corona

Studie zu Lungenschäden durch Covid-19: Ergebnisse sind überraschend positiv

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Forscher aus Innsbruck untersuchen die Langzeitfolgen von schweren Corona-Infektionen. Was Lungenschäden durch Covid-19 angeht, fallen die Ergebnisse teils überraschend positiv aus.

  • Die Medizinische Universität Innsbruck untersucht ehemalige Infizierte, die mit Corona im Krankenhaus behandelt wurden.
  • An der Corona-Studie haben 86 Patienten und Patientinnen zwischen 50 und 70 Jahren teilgenommen.
  • Die Studie zeigt erfreuliche Ergebnisse beim Thema Lungenschäden und Covid-19.

Innsbruck – Mehrere Monate nach dem Ausbruch von Covid-19 sind die Langzeitfolgen der Lungenkrankheit noch unklar. Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Innsbruck untersucht ehemalige Infizierte, die mit dem Coronavirus im Krankenhaus behandelt wurden. Erste Erkenntnisse lassen aufatmen.

Coronavirus: Ehemalige Covid-19-Infizierte bestätigen: Lungenschäden bilden sich zurück

Covid-19 überstanden – und dann? Über mögliche Spätfolgen einer Infektion wurde bislang viel spekuliert, gesicherte Erkenntnisse fehlten indes. In einer Beobachtungsstudie hat ein Forscherteam der Medizinischen Universität Innsbruck erstmals die Langzeitfolgen von Patientinnen und Patienten untersucht, die wegen einer Infektion mit dem Coronavirus im Krankenhaus behandelt worden waren. Das Ergebnis bestätigt einige Befürchtungen, fällt zum Teil aber auch überraschend positiv aus. Demnach litten viele der ehemals Corona-Infizierten noch wochenlang nach der Entlassung unter Beschwerden. Diese reichten von leichteren Atemwegsproblemen bis zu Veränderungen des Lungengewebes. Das Erfreuliche: Offenbar bilden sich diese Lungenschäden wieder zurück, zumindest teilweise.

Forscher aus Innsbruck sind positiv überrascht: Lungenschäden durch Covid-19 bilden sich teilweise wieder zurück.

Corona-Patienten mit Vorerkrankungen leiden stärker unter den Spätfolgen von Covid-19

An der Studie teilgenommen haben 86 Corona-Patientinnen und -Patienten zwischen 50 und 70 Jahren. 70 Prozent waren Männer – was die aktuelle Studienlage spiegelt, wonach Covid-19 bei ihnen häufiger schwer verläuft. Auch das Wissen um Risikofaktoren wurde bestätigt: Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren übergewichtig, hatten Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und einen zu hohen Cholesterinspiegel, fast die Hälfte rauchte.

Coronavirus: Die Intensität der Beschwerden verbessert sich im Verlauf der Covid-19-Erkrankung

„55 Prozent der hospitalisierten Covid-19-Patientinnen und -Patienten zeigten auch sechs Wochen nach der Entlassung aus dem Krankenhaus anhaltende körperliche Beeinträchtigungen“, berichtet die Lungenspezialistin Judith Löffler-Ragg. Knapp die Hälfte klagte über Kurzatmigkeit bei Belastung, 15 Prozent über anhaltenden Husten. Grundsätzlich hätten alle von einer überdurchschnittlich langen Genesungsphase gesprochen, „aber erfreulicherweise bessert sich die Intensität der Beschwerden im Verlauf deutlich“. Bei einer Untersuchung im Computertomografen waren zudem sechs Wochen nach der Entlassung „anhaltende leicht- bis mittelgradige strukturelle Veränderungen der Lunge“ zu erkennen, erklärt der Radiologe Gerlig Widmann. Allerdings hätten sich diese im Laufe der Zeit bei den meisten zurückgebildet. Hinweise auf fortschreitende Lungenschäden wie zunehmende Vernarbungen gebe es nicht – dass es dazu kommen könnte, ist eine Sorge im Zusammenhang mit Covid-19.

Coronavirus: Mediziner empfehlen nach Covid-Erkrankung einen Aufenthalt in der Reha

Andererseits kann man nach Einschätzung des österreichischen Teams aber auch nicht sicher sein, dass sich die beobachteten Veränderungen der Lunge komplett zurückbilden und die damit verbundenen Einschränkungen vollständig abklingen. Das müsse in weiteren Untersuchungen geklärt werden. Die Mediziner sehen aber Hinweise, dass eine Reha viel bringen kann. In die Studie eingebunden war auch ein Reha-Zentrum, wo Intensivpatienten nachbetreut werden. Durch eine „langfristige und spezialisierte Rehabilitationstherapie“ hätten sich die Probleme „deutlich verbessert“, sagt Sabine Sahanic aus dem Studienteam. Sie folgert daraus, dass ein Großteil der Lungenveränderungen reversibel ist.

Coronavirus: Neurologische Folgeerkankungen sollen noch stärker beobachtet werden

Auch zu möglichen Spätfolgen an anderen Stellen im Körper gibt es erste Erkenntnisse. So weiß man, dass das Coronavirus das Nervensystem und das Gehirn befallen kann, Anzeichen dafür sind Riech- und Geschmacksstörungen sowie Schwindel. Wissenschaftler aus Italien haben festgestellt, dass neurologische Symptome nach überstandener Infektion anhalten können, dazu gehörten Kopfschmerzen und fehlender Geschmack, oft werde auch über dauerhafte Müdigkeit geklagt. Die Deutsche Gesellschaft für Neurologie fordert deshalb, das Risiko neurologischer Folgeerkrankungen von Covid-19 stärker zu beachten. Unklar ist auch, wie sich eine Infektion langfristig auf das Herz auswirkt – dessen Zellen ebenfalls vom Virus befallen werden können. (Von Pamela Dörhöfer)

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