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Corona-Impfstrategie

Astrazeneca-Impfungen gestoppt – Was das für Geimpfte bedeutet

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Obwohl die Thrombose-Fälle nach einer Astrazeneca-Impfung bisher kaum einzuschätzen sind, stoppt Deutschland die Impfungen. Bereits Geimpfte sollten Folgendes beachten.

  • Wegen sieben Thrombose-Fällen gerät die Corona-Impfmaschinerie ins Stocken.
  • Astrazeneca steht als Impfstoff alleine in der Kritik.
  • Doch Millionen Menschen haben den Corona-Impfstoff bereits erhalten.

Berlin –d Am Montag (15.03.2021) hat Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bekannt gegeben, Corona-Impfungen mit Astrazeneca vorerst auszusetzen. Es handele sich um eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, man wolle aufgrund einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) die Vorbehalte gegen das Präparat prüfen. Sieben Fälle einer speziellen Form von Thrombose in zeitlichem Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung waren der Anlass für das Institut, das Aussetzen der Impfungen zu empfehlen.

Die Astrazeneca-Impfungen in Deutschland wurden gestoppt. (Archivfoto)

Andere europäische Staaten, darunter Dänemark, Portugal und Lettland, haben ebenfalls die Verimpfung unterbrochen, obwohl die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) Astrazeneca zur Zulassung Ende Januar empfohlen hatte. Bis zu diesem Zeitpunkt waren 30 Fälle von Gerinungsstörungen - bei bis dahin knapp fünf Millionen Geimpften innerhalb der EU - gemeldet worden, was dem Durchschnitt innerhalb der Allgemeinbevölkerung entspricht. Dennoch will die EMA am Donnerstag (18.03.2021) erneut über das Vakzin befinden.

Corona-Impfung mit Astrazeneca - Viele Informationen fehlen

Doch was bedeutet der Corona-Impfstopp für all jene, die bereits mit Astrazeneca geimpft worden sind? Tatsächlich ist ein direkter Zusammenhang zwischen den in Deutschland aufgetretenen Thrombose-Fällen, drei mit tödlichem Ausgang, und einer Astrazeneca-Impfung nicht geklärt. Wie Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), erläutert, fehle es an einigen Informationen: „Handelt es sich um Frauen oder Männer? Sind die Betroffenen alt oder jung? Haben sie Vorerkrankungen?“ - all das sei bisher noch nicht bekannt, sagte der Experte. „Ohne genauere Informationen“ sei das nicht zu interpretieren: „Die kausale Verknüpfung ist hier völlig offen“, so Berlit. „Deswegen wird ja in England und Kanada auch weiterhin geimpft.“

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit, äußert sich zur Aussetzung des Corona-Impfstoffs Astrazeneca.

Zum jetzigen Zeitpunkt schon einen Mix von Impfstoffen bei noch nicht erfolgter Zweitimpfung mit Astrazeneca zu diskutieren, hält das Paul-Ehrlich-Institut indes für verfrüht. Ob es zu einem dauerhaften Aussetzen der Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff kommt, bleibe abzuwarten. Auch lägen noch keine Daten zu einer Kombination verschiedener Impfstoffe vor. „Aus diesen Gründen sollte derzeit der Impfschutz nicht mit einem anderen Impfstoff komplettiert werden.“

In Deutschland wurden bislang 1,6 Millionen Menschen mit Astrazeneca versorgt. Die sieben Fälle entsprechen daher in etwa nur vier Fällen pro einer Million Geimpfter seit Start der Impfungen Anfang Februar. Zu Bedenken gilt ebenso, dass diese spezielle Thrombose-Form zwar selten, aber regelmäßig diagnostiziert wird. „Sinusvenenthrombosen treten etwa einmal pro 100.000 Einwohner und Jahr auf, das heißt, die jährliche Inzidenz liegt bei rund 1 auf 100.000“, erklärte Berlit. Neben wohl vor allem hormonell bedingten Fällen - etwa bei Einnahme der Antibabypille - gebe es auch septische Sinusvenenthrombosen im Zusammenhang mit bakteriellen oder viralen Infektionen.

Astrazeneca-Geimpfte sollen wachsam sein

Weiter ist unklar, inwiefern diese gesundheitlichen Probleme nur auf das Astrazeneca-Präparat und nicht auf die anderen Impfstoffe zurückzuführen seien: „Nebenwirkungen von Impfungen können dadurch auftreten, dass das Immunsystem zu viel oder an nicht gewünschter Stelle reagiert“, sagte Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN). „Einen ursächlichen Zusammenhang zwischen einem Symptom und einer Impfung herzustellen oder zu belegen, ist immer ganz, ganz schwierig.“

Dennoch sollten von Astrazeneca Geimpfte einiges beachten. Liegt eine Impfung 16 Tage zurück, sei nichts mehr zu befürchten, formuliert PEI-Präsident Klaus Cichutek. Wenn man sich jedoch noch mehr als vier Tage nach der Impfung unwohl fühle, etwa durch starke oder anhaltende Kopfschmerzen oder punktförmige Hautblutungen, sollte zwingend ein Arzt aufgesucht werden. Kopfschmerzen über einen kürzeren Zeitraum seien jedoch kein Anzeichen auf ernstzunehmende Nebenwirkungen. Solche Beschwerden seien Impfreaktionen, die der Körper als Immunantwort sendet. Es seien Zeichen, dass die Impfung wirkt.

Impfreaktionen - Nicht nur bei Astrazeneca

Impfreaktionen treten nicht nur bei dem Vektorenimpfstoff Astrazeneca auf. Auch Johnson & Johnson und die mRNA-Impfstoffe von Moderna oder Biontech/Pfizer verursachen Impfreaktionen deutlich häufiger, als etwa herkömmliche Impfstoffe wie jene beispielsweise gegen Masern. Der „Spiegel“ hat den Beipackzettel des Astra-Vakzins veröffentlicht, auf dem darauf hingewiesen wird, dass „mehr als eine von zehn Personen nach der Impfung mit Schmerzen, Druck, Wärme, Juckreiz oder Blutergüssen an der Einstichstelle rechnen“ muss. Auch gehöre zu den sehr häufigen Reaktionen „Müdigkeit, Unwohlsein, Schüttelfrost oder erhöhte Temperatur, Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelschmerzen“. (ktho/Agentur)

Rubriklistenbild: © Apu Gomes/AFP

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