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Die Dialysedauer und -frequenz pro Woche könnte durch die aktuelle Situation eingeschränkt werden. Panthermedia

Risikogruppe

Corona wirkt sich auch auf Dialyse aus

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Nierenkranke sind von der Pandemie gleich mehrfach betroffen.

Nierenkranke haben als Risikogruppe für einen schweren Verlauf bei Covid-19 in der öffentlichen Wahrnehmung bislang eine eher untergeordnete Rolle gespielt. Dabei sind diese Menschen doppelt hart getroffen: Zum einen sind sie stark gefährdet, bei einer Infektion ernst zu erkranken. Zum anderen müssen sie auch mit Einschränkungen bei der Dialyse rechnen.

Um die Versorgung während der Pandemie zu garantieren, haben sich der Spitzenverband der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen in Deutschland und die Kassenärztliche Bundesvereinigung auf einen Notfallplan verständigt, wie das „Ärzteblatt“ berichtet. Demnach sollen etwa Praxen die Dialysepatienten anderer Praxen übernehmen, wenn Ärzte krankheitsbedingt ausfallen oder „ganze Einrichtungen aus Gründen des Infektionsschutzes nicht mehr in dem gewohnten Umfang weiterarbeiten können“. Auch könne es sinnvoll sein, „dass einige Dialysepraxen ausschließlich Patienten versorgen, die sich mit dem Virus angesteckt haben“, heißt es im Bericht weiter.

Laut Robert-Koch-Institut haben Menschen mit Nierenerkrankungen grundsätzlich ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf bei Covid-19. Hinzu kommt, dass sie oft unter weiteren Erkrankungen leiden, die ihrerseits als Risikofaktoren gelten. Dazu gehören Herz-Kreislauf-Leiden, Bluthochdruck und Diabetes mellitus; letzterer geht Nierenproblemen oft als Ursache voraus. Außerdem sind viele Dialysepatientinnen und -patienten älter als 70 Jahre. Die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie sieht einen besonderen Schutz dieser Menschen deshalb als unabdingbar an – und weist auf einen weiteren Aspekt hin: „Dialysepatienten können nicht zu Hause bleiben, sondern müssen drei- bis viermal pro Woche mit dem Transport ins Dialysezentrum und haben damit Kontakt zu anderen, möglicherweise infizierten Menschen.“

Arznei oft nicht lieferbar

Sorgen machten könnte vielen Patientinnen und Patienten auch jener Teil des Notfallplans, der die bisher als bindend geltende Dialysedauer von mindestens vier Stunden pro Woche und die Dialysefrequenz von dreimal pro Woche aufhebt. Das medizinische Fachmagazin „Diatra“ schreibt, dass ein Dialyseanbieter bereits darauf reagiert und seinen Patienten geschrieben habe, die Qualitätsstandards in der Dialyse müssten nun abgewogen werden „gegen Ihren bestmöglichen Schutz vor einer Infektion“. Das könne bedeuten, „das wir in einzelnen Zentren die Dialysezentren eventuell auf unter vier Stunden verkürzen müssen“. Auch könne es erforderlich sein, „dass wir zwischen den Dialyseschichten eines Tages größere zeitliche Abstände legen müssen, damit Dialyseschichten sich nicht überschneiden“, zitiert der „Diatra“-Artikel weiter aus dem Schreiben. Auf diese Weise solle die Ansteckungsgefahr zwischen den Patienten der einzelnen Dialyseschichten vermieden werden. Auch könne es sein, dass „krisenbedingt“ derzeit weniger Pflegekräfte zur Verfügung stünden.

Das Fachmagazin „Spektrum Dialyse“ sieht eine Reduzierung der Dialysezeit oder Verringerung der Dialysefrequenz als sehr kritisch an, da sie über längere Zeit gesehen zu einer Verschlechterung der Lebensqualität von Patienten führen könne – was wiederum die Gefahr einer zusätzlichen Verschärfung der gesundheitlichen Situation berge. So würden Giftstoffe wie Phosphat länger benötigen, um aus dem Körper entfernt zu werden. Eine schlechte Dialysequalität könne sich daher negativ auf das Gefäßsystem der Patienten auswirken - und somit das Risiko für einen schweren Verlauf bei einer Corona-Infektion noch erhöhen.

Das Fachmagazin „Diatra“ führt zudem ein weiteres gravierendes Problem für Patienten mit Nierenerkrankungen auf: Demnach erlebten es immer mehr Patienten, dass benötigte Medikamente nicht lieferbar seien.

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