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Pandemie

Corona: Verhindert das Sommerwetter den Lockdown? Merkel-Beraterin weckt Hoffnungen

  • Tobias Utz
    VonTobias Utz
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Die Corona-Zahlen steigen. Deutschland steht möglicherweise vor einem neuen Lockdown. Als potenzielles Hemmnis dessen sehen Fachleute steigende Temperaturen.

Frankfurt – „Merkel-Beraterin setzt auf Wetter-Effekt gegen Corona“: Diese und weitere Schlagzeilen geistern derzeit durch die Medienlandschaft – und sorgen insbesondere für eines: Verwunderung. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Sars-CoV-2 und der Wetterlage?

Viola Priesemann, Physikerin und Pandemie-Beraterin von Kanzlerin Angela Merkel, äußerte sich jüngst dazu. Sie halte einen baldigen Anti-Corona-Effekt durch steigende Temperaturen für möglich, so Priesemann zur „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Sonne und Wärme werden helfen, aber ab wann, ist schwer vorherzusehen“, sagte die 38-Jährige. „Im allerbesten Fall“ habe die Saisonalität schon bald eine Bremswirkung von 20 Prozent. Priesemann ging sogar noch einen Schritt weiter und hielt einen Ausgleichseffekt gegenüber den sich immer weiter verbreitenden Corona-Mutanten für möglich.

Im Falle dieses Szenario sei der Verzicht auf einen kompletten Lockdown eine Möglichkeit: „Sonne und Wetter könnten helfen, uns den Komplett-Lockdown zu ersparen“, so Priesemann zur „NOZ“. Einordnend betonte die Physikerin jedoch, dass nur das Wetter allein das Coronavirus samt Varianten nicht aufhalten werde. Zusätzlich seien Corona-Lockerungen zum jetzigen Zeitpunkt „fatal“. Nichtsdestotrotz könne das Wetter eine entscheidende Rolle auf die weitere Entwicklung der Pandemie haben.

Viola Priesemann berät Kanzlerin Angela Merkel in der Corona-Pandemie. Die Aufnahme zeigt die Forscherin zu Gast bei „Anne Will“ in der ARD. (Archivfoto)

Corona-Wetter-Effekt: Was hat es damit auf sich?

Wie auf vielen Forschungsfeldern, die im Laufe der Pandemie verstärkt in den Fokus gerückt sind, sieht die Studienlage relativ mau aus. Allerdings existieren erste Ansätze, die vielversprechende Daten liefern – und einen tatsächlichen Zusammenhang zwischen steigenden Temperaturen und der Ausbreitung von Coronaviren aufzeigen. Generell gilt, dass sich Erreger, die akute Atemwegserkrankungen verursachen, besser in der kalten Jahreszeit verbreiten. Die Erklärung dessen liefert das Robert Koch-Institut: „Grund dafür sind unter anderem die niedrigeren Temperaturen, weniger UV-Strahlung, aber auch die Tatsache, dass man mehr Zeit dicht gedrängt in Räumen verbringt“, so die Fachleute des RKI.

Die Einschätzung des RKI wird durch eine Studie gestützt, welche im Februar 2021 im Fachmagazin „Plos One“ erschien. Forschende aus den USA untersuchten dafür bestätigte Fälle von Covid-19 aus insgesamt 50 Ländern im Zeitraum Januar bis April 2020. Damals spielten die heutigen Maßnahmen, wie Hygienekonzepte, Maskenpflichten oder Kontaktbeschränkungen, noch keine derartig große Rolle. Ergebnis der Studie war, dass die Rate an Corona-Neuinfektionen bei steigenden Temperaturen abnahm. „Obwohl Covid-19 eine Infektionskrankheit ist, die nicht temperaturabhängig übertragen wird, deuten unsere Untersuchungen darauf hin, dass es auch eine saisonale Komponente haben kann“, erklärt Aruni Bhatnagar, Co-Autor der Studie und Forscher an der Universität von Louisville (Kentucky).

Fachleute haben Effekte des Sommerwetters bereits auf die Ausbreitung von Coronaviren untersucht. (Symbolfoto)

„Natürlich wird der Einfluss der Temperatur auf die Übertragungsrate durch soziale Eingriffe wie Distanzierung sowie die in Innenräumen verbrachte Zeit und andere Faktoren verändert“, so Bhatnagar. Die Coronavirus-Verbreitung sei schlussendlich von einer Kombination verschiedener Faktoren abhängig. Adam Kaplin, Erstautor der Studie und Forscher an der Johns Hopkins Universität in Baltimore (Maryland), ergänzt: „Dieses Verständnis der Sars-CoV-2-Temperaturempfindlichkeit hat wichtige Auswirkungen auf die Vorhersage des Verlaufs der Pandemie.“

Corona: Sars-CoV-2 wird nicht durch warme Temperaturen verschwinden

Ähnlich wie eingangs Viola Priesemann schätzt Anita Schöbel, Mathematik-Professorin und Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik, die Wirkung des Wettereffekts auf die Pandemie ein. Schöbel sagte dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“: „Der Impfeffekt und auch der saisonale Effekt können die neue Dynamik durch die Virusmutation noch nicht ausgleichen.“ Die Impfkampagne eben erst an. Laut Angaben des Robert Koch-Institutes haben in Deutschland bislang 13.481.171 Menschen die Erstimpfung (Stand laut RKI-Dashboard: 31.03.2021) erhalten.

Der relevanteste Faktor werde neben der Impfrate weiterhin die Anzahl erlaubter Kontakte sein, so Schöbel. Das sei auch bei wärmeren Temperaturen die entscheidende Corona-Maßnahme, welche über die Entwicklung der Pandemie entscheide – auch wenn das Sommerwetter Effekte auf die Neuinfektionen habe. Spannend bleibt zum einen, wie das Feld weitererforscht wird. Die bisherige Studienlage kann lediglich als Anfang einer noch jungen Disziplin gewertet werden. Zum anderen wird mit Spannung erwartet, wie Deutschland weiter in der Pandemie verfährt. Virologe Christian Drosten forderte jüngst einen neuen Lockdown. (Tobias Utz)

Rubriklistenbild: © Jürgen Heinrich/Imago Images

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