1. Startseite
  2. Wissen

Schwerer Corona-Verlauf: „Volkskrankheiten“ wie Alzheimer wurden bisher unterschätzt

Erstellt:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Alzheimer und andere Demenz-Arten sorgen für ein höheres Risiko eines schweren Corona-Verlaufs, zeigt eine neue Studie. (Symbolbild)
Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Alzheimer und andere Demenz-Arten sorgen für ein höheres Risiko eines schweren Corona-Verlaufs, zeigt eine neue Studie. (Symbolbild) © IMAGO/imagebroker

Einige weit verbreitete Vorerkrankungen wurden als Risiko für einen schweren Corona-Verlauf bisher offenbar unterschätzt. Das will eine neue Studie zeigen.

Albuquerque – Vorerkrankungen spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, wie schwer eine Corona-Infektion verläuft. Viele Krankheiten erhöhen die Sterblichkeitsrate, weil sie das Immunsystem schwächen und es wahrscheinlicher wird, dass der Patient oder die Patientin Infektionen entwickelt. Doch offenbar wurden einige weit verbreitete Krankheiten und ihr Risiko für einen schweren Corona-Verlauf bisher unterschätzt, zeigt eine neue Studie.

Das Forschungsteam um Heather M. Campbell vom Institut für Pharmazie der Universität von New Mexico in Albuquerque hat sich für die Studie, die im Fachjournal Biology Methods and Protocols veröffentlicht wurde, die Gesundheitsdaten sämtlicher Personen angeschaut, die im US-Kriegsveteranenministerium registriert sind. Dabei stellten die Forschenden fest, dass einige Vorerkrankungen ein höheres Risiko für einen schweren Corona-Verlauf haben als bisher bekannt.

Studie zeigt, welche Vorerkrankungen ein hohes Corona-Risiko bedeuten

Um zu diesem Ergebnis zu kommen, entwickelte das Forschungsteam ein neues Modell. Von bisher gängigen Modellen, bei denen beispielsweise ähnliche Vorerkrankungen in grobe Kategorien einsortiert und mithilfe dieser Kategorien das Sterblichkeitsrisiko ermittelt wird, halten die Forschenden nicht viel. Sie gehen davon aus, dass diese Ansätze „wesentliche Mängel“ haben, wie es in einer Mitteilung zu der Studie heißt. Das liege unter anderem daran, dass ähnliche Krankheiten zusammengefasst würden, obwohl ihr Einfluss auf die Schwere der Corona-Erkrankung teilweise sehr unterschiedlich sei, so die Forschenden. Außerdem würden seltene Erkrankungen so nicht gut repräsentiert.

Die Forschenden sind sich sicher, dass ein systematischer Überblick über alle Vorerkrankungen eines Patienten oder einer Patientin für die Einschätzung des Risikos eines schweren Corona-Verlaufs besser geeignet ist. Deshalb nutzte das Team Daten von Menschen, die bis September 2021 in Einrichtungen des US-Kriegsveteranenministeriums wegen Corona behandelt wurden. 347.220 Menschen hatten sich im Studienzeitraum mit Corona infiziert, ihre Daten wurden für die Studie verwendet.

Forschende listen Vorerkrankungen auf – Alzheimer, Demenz und Bluthochdruck

Das Team um Campbell schaute sich nun an, welche Diagnosen die erkrankten Personen seit 1997 und bis 14 Tage vor dem positiven Corona-Test erhalten hatten. Es stellte sich heraus, dass 97,9 Prozent der Corona-Patient:innen mindestens eine Vorerkrankung hatten. Diese früheren Diagnosen verglichen die Forschenden mit den Corona-Verläufen der Personen und erstellten ein neues Modell zur Vorhersage der Sterblichkeit – nach Angaben der Forschenden soll es besser funktionieren als die „konventionellen Modelle“.

Anhand der Daten konnten die Forschenden außerdem eine Liste mit Vorerkrankungen erstellen, die das höchste Risiko für einen schweren Corona-Verlauf mit sich bringen. An erster Stelle steht eine Krankheit, von der alleine in Deutschland nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums 1,6 Millionen Menschen betroffen sind: Alzheimer. Unter den fünf Vorerkrankungen, die das größte Risiko für einen schweren Verlauf mit sich bringen, befinden sich insgesamt gleich vier Demenz-Arten. Auch Bluthochdruck (primäre Hypertonie) steht auf der Liste der Vorerkrankungen weit vorne – in Deutschland sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 20 Millionen Menschen davon betroffen.

Liste: Die Vorerkrankungen mit dem höchsten Corona-Risiko

Vorerkrankungen mit dem höchsten Corona-Risiko laut Studie:
Alzheimer
nicht näher bezeichnete Demenz
Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheitsbildern
Essentielle (primäre) Hypertonie
Vaskuläre Demenz
Quelle: Studie

Das Forschungsteam um Campbell geht davon aus, dass bei herkömmlichen Risikobewertungen das ernste Corona-Risiko für Patient:innen mit solchen Erkrankungen meist nicht erfasst wird, weil Mediziner:innen die Vorerkrankungen nicht mit Atemwegsproblemen oder einem geschwächten Immunsystem in Verbindung bringen. (tab)

Auch interessant

Kommentare