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Coronavirus

Coronavirus verändert sich immer weiter - neue Variante in Bayern aufgetaucht

  • Pamela Dörhöfer
    vonPamela Dörhöfer
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Eine neue Mutation des Coronavirus ist in Bayern aufgetaucht. Virologen fürchten, dass die Varianten Reinfektionen begünstigen und gegen Impfungen resistent sein könnten.

  • In Bayern könnte eine neue Variante des Coronavirus entdeckt worden sein.
  • Die neue Mutante könnte eine höhere Infektionsrate aufweisen, als bisherige Coronaviren.
  • Auch Reinfektionen durch die neue Corona-Variante werden befürchtet.

Garmisch-Partenkirchen – Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen könnte eine neue Variante des Coronavirus aufgetaucht sein. Dort waren 52 Patient:innen und 24 Mitarbeiter:innen positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Ihre Proben werden derzeit an der Berliner Charité untersucht, um das Genom des Erregers zu entschlüsseln. Laut der Nachrichtenagentur dpa soll eine „erste Zwischenmeldung“ den Verdacht bestätigt haben, dass bei dem Ausbruch eine neue Virus-Variante eine Rolle spielen könnte.

Ob diese vor Ort entstanden ist – etwa in einem Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem – oder ob sie von außen in das Krankenhaus getragen wurde, ist noch unklar. Ebenso weiß man nicht sicher, ob die Mutante wirklich neu ist und ob sie sich leichter übertragen lässt. Charité-Virologe Christian Drosten sieht bislang keinen Grund zur Sorge, wie er per Twitter mitteilte.

Einzelne Mutante des Coronavirus wenig aussagekräftig

Betroffen waren laut Frank Niederbühl, Geschäftsführer des Garmischer Klinikums, zwei internistisch-geriatrische Stationen. Beide seien isoliert worden. Außerhalb dieser beiden Cluster habe es keine Infektionen gegeben, auch der Covid-Bereich soll nicht berührt gewesen sein. Nach den ersten Untersuchungen der Proben an der Charité soll es sich weder um die britische noch um die südafrikanische Variante und auch nicht um die brasilianische handeln, wie Clemens Stockklausner, Ärztlicher Direktor des Klinikums Garmisch-Partenkirchen, mitteilt.

Allerdings sollen die in Garmisch entdeckte Variante und ihre britischen Verwandte eine gemeinsame Mutation des Gens für das Spike-Protein verbinden. Beiden fehlt demnach ein Stückchen in diesem Oberflächenprotein. Da es für den Erreger das Andocken an menschliche Zellen besorgt, könnten sich solche Veränderungen auf die Bindungsfähigkeit auswirken. Gleichwohl ist eine einzelne Mutation wenig aussagekräftig. Die britische Variante etwa weist mehr als 20 verschiedene Mutationen auf.

Im Klinikum Garmisch-Partenkirchen ist es zu einem Ausbruch gekommen. Die Proben werden jetzt an der Charité untersucht.

Bundesgesundheitsminister will mehr Coronavirus-Proben testen lassen

Auch zu den bereits bekannten Corona-Varianten aus Großbritannien, Südafrika und Brasilien gibt es noch viele offene Fragen. So vermuten viele Expert:innen, dass sie zwar nicht krankmachender, aber deutlich infektiöser als das zuletzt kursierende Virus ist. Gesichert ist das allerdings nicht. Für eine leichtere Übertragbarkeit spricht, dass sich das Virus in diesen Ländern stark verbreitet, in Großbritannien trotz harten Lockdowns und zügigen Impfens. Südafrika hat die höchsten Infiziertenzahlen des Kontinents. Die Variante aus Südafrika wurde am Montag auch im Schweizer Skiort St. Moritz nachgewiesen, dort sind die Gäste von zwei Hotels in Quarantäne.

Was Deutschland angeht, so lässt sich kaum einschätzen, wie weit Virus-Varianten bereits verbreitet sind, da hierzulande nur selten das Erbgut analysiert wird. Man weiß lediglich, dass vor allem die Variante aus Großbritannien bereits angekommen ist, auch die südafrikanische Variante wurde vereinzelt nachgewiesen. Vor dem Auftauchen der Mutanten wurden aber gerade einmal 0,2 Prozent der Proben sequenziert. Das soll sich nun ändern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) möchte, dass das künftig bei mindestens fünf Prozent der Proben passiert. Das entspricht in etwa der Sequenzierungsquote von Großbritannien.

Höhere Infektionsrate der neuen Corona-Mutante befürchtet

Sorge bereitet nicht nur die angenommene höhere Infektiosität der Virus-Varianten. So stehen auch Fragen im Raum, ob die Impfstoffe gegen die Mutanten vollen Schutz bieten und ob Re-Infektionen möglich sind. Auf Letzteres deutet die aktuelle Entwicklung in der brasilianischen Stadt Manaus hin. Wie das Science Media Center (SMC) berichtet, schnellen dort die Infektions-, Hospitalisierungs- und Todeszahlen in die Höhe, obwohl es im Herbst hieß, dass etwa 75 Prozent der Bevölkerung bereits eine Infektion hinter sich haben.

Der erneute Anstieg trotz breiter Immunität könnte mit zwei neuen Coronavirus-Varianten zusammenhängen, so die Vermutung. Beide Varianten sollen eine bestimmte Mutation aufweisen, die sich auch beim südafrikanischen Virus findet. Erste Untersuchungen zeigten, „dass Viren mit dieser Mutation das Potenzial haben könnten, den schützenden Effekten von bereits gebildeten Antikörpern gegen Sars-CoV-2 teilweise zu entgehen“, heißt es beim SMC.

Erkrankung mit Corona trotz Impfung möglich?

Die brasilianische Variante zeige „eine besonders auffällige Immun-Escape-Mutation“, sagt Friedemann Weber, Direktor des Instituts für Virologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Gemeint ist eine Mutation, die verhindern kann, dass vom Immunsystem gebildete Antikörper an das Virus binden und dieses unschädlich machen. „Dass das Reinfektionsrisiko durch solche neuen Virus-Varianten steigt, halte ich für wahrscheinlich“, sagt Weber. Er erwarte „keine sprunghaften Änderungen“, sondern eher einen „inkrementellen“ (schrittweisen) Anstieg an Reinfektionen und eventuell auch „Impfdurchbrüchen“. Davon spricht man, wenn Menschen trotz Impfung erkranken.

Weber sagt aber auch, es sei gut vorstellbar, dass die Impfung besser schütze als eine „durchschnittliche Infektion“. Denn der Grad der Immunität nach einer Infektion sei „heterogen und korreliert grob mit der Stärke der Krankheit“. Konkret: Milde Verläufen erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Ansteckung. Möglichen Impfdurchbrüchen könne man mit einer Anpassung des Impfstoffs entgegnen, sagt Weber. Auch die Hersteller der mRNA-Vakzine betonen stets, dass sich ihre Impfstoffe dank der neuartigen Technologie leicht an veränderte Erreger anpassen ließen.

Weitere Forschung zu neuer Corona-Mutante notwendig

Für Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, ist die Bedeutung der Virus-Varianten für das Risiko von Reinfektionen oder Infektionen nach Impfung „noch nicht klar“. Zwar deuteten die bisherigen Daten darauf hin, dass „Immun-Escape“ eine Rolle spiele. „Das bedeutet aber nicht zwingend, dass eine Impfung oder eine natürlich erworbene Immunität gegen diese Varianten unwirksam sind oder es trotz Immunität auch zu schweren Verläufen kommt.“ Es müssten jetzt „gleichzeitig systematische Erhebungen zur Verbreitung der Varianten und der damit verbundenen klinischen Verläufe durchgeführt werden“. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © Angelika Warmuth/dpa

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