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B.1.1.529

Omikron-Variante: Ursprung und Gefahrenpotenzial der neuen Corona-Mutante

  • Pamela Dörhöfer
    VonPamela Dörhöfer
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Die neue Virusvariante Omikron mit vielen Mutationen verbreitet Angst und Schrecken. Noch ist aber nicht geklärt, wie ansteckend und gefährlich B.1.1.529 wirklich ist.

Frankfurt - Die in Südafrika und Botswana entdeckte und am 24. November weltweit gemeldete Coronavirus-Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 scheint sich schnell zu verbreiten. Infektionen wurden inzwischen nicht nur aus mehreren afrikanischen Ländern, sondern auch aus Israel, Hongkong, Australien und Europa berichtet, in Deutschland gab es Stand Sonntag drei bestätigte Infektionen. Noch handelt es sich außerhalb Afrikas nur um einzelne Fälle, doch eine Dunkelziffer ist nicht auszuschließen. In Deutschland werden derzeit nur etwa fünf Prozent der Proben genetisch sequenziert.

Welche Auswirkungen die neue Variante auf die Pandemie hat, ob Omikron die derzeit dominierende Delta-Variante verdrängen wird, so wie diese im Sommer Alpha und Alpha einst das ursprüngliche Wuhan-Virus verdrängt hat, ist noch offen. Man weiß bislang weder, ob Omikron ansteckender ist (einiges spricht dafür), noch, zu welchen Krankheitsverläufen eine Infektion führen kann. Ebenso wenig ist klar, ob die gleichen Risikogruppen gefährdet sind und in welchem Umfang der Impfschutz beeinträchtigt ist. Einige Anhaltspunkte gibt es aber bereits. Eine Zusammenfassung des aktuellen Wissensstandes:

Neue Corona-Virusvariante Omikron: Ursprung

Der erste bekannte Fall stammt aus einer am 9. November in Südafrika entnommenen Probe. Dort war die Zahl der Neuinfektionen zu dieser Zeit niedrig, lag zwischen 300 und 400 am Tag, trotz geringer Impfquote (nur 24 Prozent gelten als vollständig geimpft). Doch mit dem Auftreten von B.1.1.529 stiegen die Infektionszahlen stark an, auf 3220 am 27. November (worldometers.info). In den Regionen, wo Omikron gefunden wurde, sei die Variante schnell dominant geworden – in einer Geschwindigkeit, die man vorher nicht gesehen habe, sagte Ashish Jha, Dekan der Brown University School of Public Health, dem US-Nachrichtensender CNN. Das spricht für eine leichte Übertragbarkeit und möglicherweise auch dafür, dass Omikron sich gegenüber Delta durchsetzen könnte.

In Südafrika haben sich vor allem junge Menschen mit Omikron infiziert. Das ist jedoch wenig aussagekräftig, da das Durchschnittsalter dort unter 30 Jahren liegt.

Wie die Variante entstanden sein könnte, dazu gibt es mehrere Theorien. Eine Vermutung lautet, dass sich das Virus in einem unbehandelten HIV-Patienten genetisch zu Omikron verändert hat. Menschen mit stark reduzierten Abwehrkräften – durch Krankheit oder das Immunsystem unterdrückende Medikamente – haben dem Virus wenig entgegenzusetzen, es kann sich lange im Körper aufhalten und hat viel Gelegenheit zu mutieren. Einer anderen Theorie zufolge könnte sich die Variante in einem Tier gebildet haben und von dort auf einen Menschen übergesprungen sein.

Neue Corona-Virusvariante Omikron: Mutationen und Immunflucht

Omikron weist eine Vielzahl von Mutationen auf, davon allein 32 am Spike-Protein, mit dessen Hilfe das Virus in menschliche Zellen eindringt – und auf das sämtliche in der EU zugelassenen Impfstoffe zielen. Als problematisch erweisen könnten sich insbesondere mehrere Mutationen an den Rezeptor-Bindungsregionen und an der Furin-Spaltstelle. Veränderungen dieser Regionen könnten das Virus besser an Zellen andocken lassen und es leichter übertragbar machen. Das „Muster der Mutationen“ deute darauf hin, dass die Variante das Potenzial für eine Immunflucht besitze und gleichzeitig eine höhere Übertragungsrate habe, sagt Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Immunflucht bedeutet, dass das Virus den Schutz durch eine Impfung oder nach einer Infektion umgehen kann. Die Realität scheint das zu bestätigen: Der mit Omikron infizierte Reiserückkehrer aus Hessen soll vollständig geimpft sein. In der „New York Times“ äußerte der Epidemiologe William Hanage von der Harvard T.H Chan School of Public Health aber die Vermutung, dass die vorhandenen Impfstoffe zumindest weiterhin dafür sorgen, dass geimpfte Menschen bei einer Infektion nur leicht erkranken.

Richard Neher, Leiter der Forschungsgruppe Evolution von Viren und Bakterien an der Universität Basel, betonte gerade angesichts eines möglicherweise erhöhten Risikos von Durchbruchinfektionen die Wichtigkeit von Booster-Impfungen. In der „New York Times“ äußerte die Virologin Theodora Hatziioannou von der Rockefeller University New York zudem die Sorge, dass Omikron auch dem Immunschutz durch eine durchgemachte Infektion entgehen könne – und dass Antikörpertherapien möglicherweise nicht mehr ausreichend wirken.

Neue Corona-Virusvariante Omikron: Schwere der Erkrankung

Von den Herstellern aller in Europa und Nordamerika zugelassenen Impfstoffe ist bekannt, dass sie bereits untersuchen, wie gut ihre Vakzine noch vor Omikron schützen. Biontech/Pfizer und Moderna gaben bekannt, an Anpassungen ihrer mRNA-Impfstoffe zu arbeiten. Das würde nur einige Wochen in Anspruch nehmen, allerdings muss auch ein angepasstes Vakzin erst noch einmal klinisch getestet werden. Auch die US-Pharmafirma Novavax will die Wirksamkeit ihres noch nicht in Europa zugelassenen proteinbasierten Impfstoffs gegenüber Omikron testen. Moderna erwägt als mögliche Lösung zudem einen Booster mit seinem bisherigen Impfstoff in höherer Dosis. Astrazeneca will überdies prüfen, ob sein erst kürzlich vorgestelltes Antikörper-Medikament gegen Omikron noch ausreichend wirkt.

In Südafrika haben sich vor allem junge Menschen mit Omikron infiziert. Das ist jedoch wenig aussagekräftig, da das Durchschnittsalter dort unter 30 Jahren liegt. Sie alle sind nicht schwer erkrankt. Die Symptome sollen sich von bisher bekannten Covid-Verläufen unterschieden haben. So berichtete die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands, Angélique Coetzee, von leichten Schmerzen am ganzen Körper und extremer Müdigkeit. Der bisher typische Verlust des Geruchs- und Geschmackssinns wurde nicht berichtet. Allerdings lässt sich bislang noch nicht einschätzen, wie sich eine Infektion bei älteren und vorerkrankten Menschen auswirkt. (Pamela Dörhöfer)

Rubriklistenbild: © CIPhotos / dpa

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