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Seit Omikron: Das Coronavirus mutiert anders

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Von: Tanja Banner

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Das Coronavirus mutiert immer weiter. (Symbolbild)
Das Coronavirus mutiert immer weiter. (Symbolbild) © IMAGO/Monkey Business 2

Zu Beginn entwickelte sich das Coronavirus in großen Sprüngen zu neuen Varianten. Doch mittlerweile ist das Virus in zahlreiche Subvarianten zersplittert.

Frankfurt – Von Beginn der Corona-Pandemie an warnten Fachleute vor dem Mutations-Potenzial von Sars-CoV-2, doch das Virus verhielt sich lange Zeit stabil. Erst spät im Jahr 2020 bildeten sich gleich drei neue Varianten aus: Alpha, Beta und Gamma waren drei verschiedene Corona-Varianten, die in drei verschiedenen Regionen der Erde auftauchten. Nicht alle von ihnen wurden dominant – im Laufe der Zeit führte die Alpha-Welle zur Delta-Welle, die zur Omikron-Welle führte.

Doch es handelte sich offenbar nicht um ein langsam mutierendes Virus, sondern um komplett neue Varianten – „große evolutionäre Sprünge fanden statt, mit neuen Linien, die aus dem Nichts auftauchten“, beschreibt das Wissenschaftsportal New Atlas die Situation. Doch seit Ende 2021 die Omikron-Variante auftauchte, scheint sich der Verlauf der Pandemie verändert zu haben. Statt neuer Linien, die scheinbar aus dem Nichts entstehen, zersplittert die Omikron-Variante in immer mehr verschiedene Untervarianten.

Corona mutiert anders als zu Beginn – viele Omikron-Subvarianten entstehen

Omikron hatte zu Beginn drei Linien, die sich relativ unabhängig voneinander weiterentwickelten: BA.1, BA.2 und BA.3. Mittlerweile gibt es unzählige Omikron-Subvarianten, seit der Variante BA.5, die auch in Deutschland nach wie vor dominant ist, konnte sich keine Corona-Subvariante mehr durchsetzen. Stattdessen beobachten Forschende, wie die verschiedenen Omikron-Subvarianten sich alle in einer ähnlichen Weise entwickeln, berichtet New Atlas. Dieselben Mutationen scheinen dabei in mehreren unabhängigen Evolutionspfaden erfolgreich zu sein.

Corona-Varianten in Deutschland in der KW 39/2022
BA.595,9 Prozent
BA.41,9 Prozent
BA.30 Prozent
BA.22,0 Prozent
BA.10 Prozent
RKI-Lagebericht vom 13.10.2022

In der Evolutionsbiologie heißt dieses Phänomen Konvergenz und beschreibt, wie nicht miteinander verwandte Organismen unabhängig voneinander sehr ähnliche Eigenschaften entwickeln können – dadurch, dass sie demselben Selektionsdruck ausgeliefert sind. Im Fall des Coronavirus hat der Selektionsdruck viel mit der Corona-Impfung zu tun: Das Virus versucht, durch Mutationen die menschliche Immunität zu unterlaufen – egal, ob sie durch eine Impfung entstand oder durch eine durchgestandene Infektion.

Coronavirus bewegt sich Richtung Konvergenz – Varianten mit ähnlichen Mutationen

Einige Corona-Subvarianten scheinen sich derzeit offenbar in Richtung einer Konvergenz zu bewegen – sie mutieren alle an einem denkbar ungünstigen Punkt: der Rezeptorbindungsdomäne (RBD) am Spike-Protein. RBD sitzt oben auf dem Spike-Protein und hilft dem Coronavirus, in die Zellen des Körpers einzudringen. Bisher gab es nur wenige Mutationen an der RBD, weshalb die Impfstoffe gut wirken. Doch eine aktuelle Studie, die bisher nur als Preprint verfügbar ist und noch nicht von Fachleuten geprüft wurde, zeigt, dass gleich mehrere Omikron-Subvarianten unabhängig voneinander ähnliche Mutationen an der Rezeptorbindungsdomäne entwickelt haben.

Ein Mitautor der Studie, Yunlong Cao (Universität Peking), erklärt gegenüber New Atlas: „Dass diese konvergenten Evolutionsmuster jetzt sichtbar sind, könnte bedeuten, dass Sars-CoV-2 sehr viel häufiger immunschädigende Mutationen entwickeln könnte als früher. Die daraus resultierenden neuen Varianten könnten sehr viel immunschädigender sein.“ Der Studie zufolge fehlen der Omikron-Variante BA.5 nur sechs spezifische Mutationen an der Rezeptorbindungsdomäne, um die meisten Antikörper, die an dieser Stelle ansetzen, ins Leere laufen zu lassen. Einige der Mutationen sind bereits in mehreren Omikron-Subvarianten aufgetaucht. Vor allem die Subvarianten BQ.1.1 und XBB sind bekannt dafür, dass sie sich dem Selektionsdruck am besten angepasst haben.

Wie genau es mit der Mutation des Coronavirus weitergeht und welche Varianten für die nächsten Wellen sorgen, wird die Zeit zeigen. Forschende schauen derweil sehr genau hin, welche Mutationen das Coronavirus weiter ausbildet und wie sie sich auswirken können. (tab)

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